Bildung

Stadtzürcher Parlament begeistert sich für Tagesschulen

In der Tagesschule erhalten die Schülerinnen und Schüler zu einem Unkostenbeitrag von sechs Franken ein warmes und ausgewogenes Mittagessen. (Symbolbild)

In der Tagesschule erhalten die Schülerinnen und Schüler zu einem Unkostenbeitrag von sechs Franken ein warmes und ausgewogenes Mittagessen. (Symbolbild)

Das Stadtzürcher Projekt «Tagesschule 2025» an der Volksschule befindet sich auf Kurs. Der Gemeinderat hat am Mittwochabend den Objektkredit für die Projektphase II bewilligt. Nun ist das Stimmvolk an der Reihe - voraussichtlich am 10. Juni.

Bis 2025 soll die Tagesschule in der ganzen Stadt Zürich zur Regel werden. Ziel des dreistufigen Projekts "Tagesschule 2025" ist es, die Bildungsgerechtigkeit in der Volksschule zu unterstützen, die Organisation von Unterricht und Betreuung zu optimieren und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Freizeit zu verbessern.

Dies alles entspricht laut Schulvorstand Gerold Lauber (CVP) einem gesellschaftlichen Bedürfnis. Das Ganze sei ein komplexes Projekt von historischer Dimension. Und ein bisschen ist es auch das Vermächtnis des abtretenden CVP-Stadtrates.

Er konnte alle Parteien für das Projekt hinter sich scharen, ausser der SVP. Zwar anerkennt auch sie den Bedarf an Tagesschulen an. Aber es brauche sie nicht flächendeckend. Das Ganze müsse offener und freiwilliger gestaltet werden. Zudem befürchtet die SVP eine "unvorstellbare Kostenexplosion".

Verschiedene Phasen

"Tagesschule 2025" wird in drei Etappen realisiert und startete im August 2016 mit fünf Pilotschulen. Diese erste Phase dauert bis 2018. Das Stadtparlament hatte dafür gut 19 Millionen Franken bewilligt.

Eine Etappierung ist laut Lauber sinnvoll, da nach jeder Phase die Resultate überprüft und allfällige Anpassungen vorgenommen werden. Die zweite Phase umfasst den Zeitraum 2018-2022. Es kommen 24 weitere Schulen dazu.

Der Stadtrat beantragte dafür einen Objektkredit von 67,77 Millionen Franken. Das Parlament packte am Mittwochabend noch 6,8 Millionen Franken drauf. Weil der Betrag 20 Millionen übersteigt, muss sich das Volk dazu äussern.

Auch Aufgabenhilfe anbieten

Der Antrag des Stadtrates erhöhte sich, weil eine Mehrheit des 125-köpfigen Gemeinderats sich dafür aussprach, dass auch Aufgabenhilfe angeboten werden soll (4,6 Millionen Franken).

2,2 Millionen Franken kamen noch dazu, weil die Schulen ab der 5. Klasse an vier Nachmittagen unterrichten können. Dies sei im Sinne des kindergerechten und ausgewogen auf den Schultag verteilten Unterrichts, befanden SP, AL und Grüne.

Eines der wichtigsten Elemente von "Tagesschule 2025" besteht darin, das die Schülerinnen und Schüler diejenigen Mittage in der Schule verbringen, an denen sie am Nachmittag noch Schule haben. Dafür müssen Infrastrukturen und Betreuungsmöglichkeiten angepasst werden.

Der Elternbeitrag pro gebundenen Mittag beträgt sechs Franken. Die Teilnahme am Mittagessen ist freiwillig. Wie der Stadtrat in seiner Weisung schreibt, können mit dem Modell der "Tagesschule 2025" die Kosten pro Mittag pro betreutes Kind deutlich reduziert werden.

Steigende Betreuungskosten

Da sich aber die Zahl der in Anspruch genommenen Mittagsbetreuungseinheiten mit der flächendeckenden Einführung mehr als verdoppeln wird, ist langfristig im Vergleich zu heute mit deutlich steigenden Betreuungskosten zu rechnen.

Die aktualisierten Modellrechnungen gehen bei einer flächendeckenden Einführung von einer Zunahme der Kosten für die Mittagsbetreuung von 69 Millionen Franken pro Jahr (2016) auf rund 119 Millionen Franken (85 Millionen für die gebundenen Mittage, 34 Millionen für die ungebundenen Mittage) pro Jahr aus.

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