Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich hat gestern den Fallkostenvergleich 2017 für stationäre Spitalbehandlungen publiziert. Es fällt auf, dass die Differenz der Fallkosten vom günstigsten zum teuersten Spital im letzten Jahr angewachsen ist – und zwar von 2834 Franken auf 3056 Franken. Am wenigsten kostete die Behandlung eines stationären Patienten in der Klinik Adus Medica in Dielsdorf mit 8687 Franken. Am anderen Ende der Skala befindet sich das Zürcher Stadtspital Waid mit 11  743 Franken.

Was die teuersten und die günstigsten Plätze der Rangliste angeht, hat sich 2017 nicht allzu viel verändert. Nach wie vor gehören neben Adus die Klinik Uroviva – sie ist spezialisiert auf Urologie –, das Spital Limmattal, die Limmatklinik und das Spital Bülach zu den vergleichsweise günstigen Häusern. In diese Gruppe ist 2017 zudem das Paracelsus Spital in Richterswil vorgestossen. Es hat seine Fallkosten um rund 650 Franken reduziert und belegt mit 9097 Franken den dritten Platz im aktuellen Vergleich.

Zu den teuersten Häusern zählen neben dem Stadtspital Waid unverändert das Triemli, die Kliniken Schulthess und Balgrist sowie das Spital Männedorf. Wobei die Spitäler Triemli und Männedorf ihre Fallkosten leicht senken konnten.

Die Zahl der Fälle sinkt

Auf die Fallkosten ausgewirkt hat sich die Tatsache, dass 2017 weniger Patienten stationär versorgt wurden als 2016. Die Zahl der Fälle hat von 163  079 um 2187 oder 1,3 Prozent abgenommen. Diese Entwicklung hatte man nicht erwartet, wie Tobias Wolf, Leiter der Abteilung Finanzierung bei der Gesundheitsdirektion, sagt. «Wir haben bisher keine eindeutige Erklärung gefunden», so Wolf.

Mit der Politik «ambulant vor stationär», welche den Spitälern vorschreibt, dass sie eine ganze Reihe von Operationen im Normalfall nur noch ambulant durchführen dürfen, sollten die sinkenden Fallzahlen nichts zu tun haben. Die Vorgaben gelten nämlich erst ab 2018.
Was haben die Fallzahlen nun mit den Fallkosten zu tun? Bei gleichbleibenden Gesamtkosten eines Spitals und tieferen Fallzahlen steigen die Kosten pro Fall automatisch. Das zeigt sich etwa beim Kantonsspital Winterthur. Im Spital Uster sowie in den Klinik Schulthess sind die Gesamtkosten gestiegen und gleichzeitig die Fallzahlen gesunken. Beides wirkt sich negativ auf die Fallkosten aus. Das Paracelsus verzeichnet ebenfalls weniger Fälle, konnte aber die Kosten deutlich senken. Die Klinik Uroviva wiederum steigerte die Kosten zwar, konnte aber mehr Patienten behandeln, was im Endeffekt zu sinkenden Fallkosten führte.

Schwere Fälle – hohe Kosten

Die Gesundheitsdirektion hält in ihrer Mitteilung fest, dass Spitäler, die im Schnitt besonders komplizierte Fälle behandeln, tendenziell höhere Fallkosten ausweisen. Für den Vergleich wird die unterschiedliche Fallschwere allerdings herausgerechnet. Dies lässt die Aussage zu, dass besonders komplizierte Fälle im Tarif möglicherweise nicht korrekt abgebildet sind. Eine Kritik, welche von verschiedenen Spitälern schon länger zu hören ist. Laut Wolf wird das System aber laufend verbessert.

Von den 19 Spitälern im Fallkostenvergleich können fünf der günstigsten sechs ihre Kosten mit den aktuell gültigen Fallpauschalen – 9650 Franken mit Notfall, 9450 Franken ohne – decken. Aus Sicht der Gesundheitsdirektion ist die unterschiedliche Entwicklung der Fallkosten auf spitalinterne Unterschiede zurückzuführen. «Die Spitäler sind also durchaus in der Lage, ihre Kosten selber zu beeinflussen», sagt Wolf. Es gehe beispielsweise nicht auf, wenn man sich über zu tiefe Fallpauschalen beklage und gleichzeitig den Kaderärzten exorbitante Löhne auszahle.

Es stelle sich auch die Frage, ob man als Spital die gesamte Leistungspalette anbieten oder sich auf Standardprozesse konzentrieren wolle. Mit dem Vorteil, dass man besser planen und das Personal entsprechend optimal auslasten könne.

Biete ein Spital alles an, steige auch der Koordinationsbedarf. Es müsse mehr Personal angestellt werden, das nicht in jedem Fall ausgelastet sei. Eine Alternative sei es, für weniger nachgefragte stationäre Behandlungen mit anderen Häusern Kooperationen einzugehen.
«Das ist letztlich aber ein Unternehmensentscheid jedes einzelnen Spitals», sagt Wolf. Alles in allem sieht sich die Gesundheitsdirektion mit der neuen Spitalfinanzierung auf dem richtigen Weg.