Der Carparkplatz Sihlquai beim Zürcher Hauptbahnhof wird nicht aufgehübscht. Der Stadtrat stoppt das Vorhaben, weil es bezüglich Fernbusverkehr zu viele offene Fragen gebe.

Das Areal beim Hauptbahnhof Zürich ist umkämpft, seine künftige Nutzung – Carparkplatz, Wohnungen, Kongresshaus – offen. Deshalb wurden der Unterhalt und die Aufwertung der Anlagen der Busstation Zürich seit Jahren nur zurückhaltend ausgeführt. Im Mai 2017 beantragte der Stadtrat dem Gemeinderat rund 7,4 Millionen Franken, um die Benutzerfreundlichkeit für Busreisende für rund zehn Jahre zu erhöhen. Diesen Antrag zieht er nun zurück, wie er gestern mitteilte.

Die Busstation Zürich ist einer der bedeutendsten Haltepunkte in der Schweiz. Rund 800'000 Reisende steigen hier jährlich aus und ein. Etwa vier Fünftel der Busfahrten sind dem bewilligungspflichtigen Linienverkehr zuzurechnen. Der Rest entfällt auf mehrtägige Pauschalreisen, Tagestouren, Stadtrundfahrten und inländische Touristikfahrten.

Im Oktober 2017 gab der Bundesrat bekannt, den internationalen und nationalen Fernbusverkehr innerhalb des geltenden Gesetzesrahmens weiterentwickeln zu wollen. Ende Februar 2018 hat das Bundesamt für Verkehr einem Reisebusunternehmen die Konzession für drei nationale Fernbus-Linien erteilt; Gesuche anderer Anbieter für weitere Linien sind hängig.

Auf allen neu geschaffenen nationalen Busverbindungen besteht sodann ab 10. Juni die Pflicht zur Anerkennung von Halbtax- und Generalabonnementen. Dies werde die Nachfrage zusätzlich beeinflussen, schreibt der Stadtrat.

Unbekannte Anforderungen

Neben dieser Einbindung ins Tarifsystem müssen laut Konzession zahlreiche andere Auflagen durch die Konzessionsnehmer erfüllt werden, so auch die Reservations- und Beförderungspflicht und das Einhalten des Behindertengleichstellungsgesetzes.

Der Ausbau des Busverkehrs zu einem öffentlichen Liniennetz wirft gemäss Stadtrat «zudem grosse Fragen auf mit Blick auf mögliche Auflagen für die Standortgemeinde».

Nach Ansicht des Stadtrates mag das von ihm ausgearbeitete Aufwertungs-Projekt die Anforderungen an die sich abzeichnenden intensivere Nutzung der Busstation nicht zu erfüllen. Die Klärung der veränderten Rahmenbedingungen und möglichen zusätzlichen Vorgaben und Anforderungen an die Infrastruktur sei Voraussetzung, um diesen wichtigen Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs auf die künftigen Bedürfnisse ausrichten zu können.