Zürich
Stadtrat will Cabaret-Voltaire-Liegenschaft in einem Tauschhandel erwerben

Die Altstadtliegenschaft, in der sich das Cabaret Voltaire befindet, soll in den Besitz der Stadt Zürich übergehen. Der Stadtrat beantragt deshalb dem Gemeinderat einen Liegenschaftentausch mit der Anlagestiftung Swiss Life. Zudem will er dem Trägerverein des Cabaret Voltaire weiterhin die Miete bezahlen. Neu soll noch ein jährlicher Betriebsbeitrag von 150'000 Franken dazukommen.

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Im Besitz der Stadt könne das bedeutende Haus weiterhin kulturell genutzt werden, teilte der Stadtrat mit.

Im Besitz der Stadt könne das bedeutende Haus weiterhin kulturell genutzt werden, teilte der Stadtrat mit.

Foto: Martin Stollenwerk Zürich

Zudem will er den Verein einmalig mit 55'000 Franken für die Gastronomie-Infrastruktur unterstützen. Mit all diesen Massnahmen erreiche das Cabaret Voltaire eine "solidere wirtschaftliche Basis" und das bedeutende Haus könne weiterhin kulturell genutzt werden, teilte der Stadtrat am Mittwoch mit.

Konkret beantragt der Stadtrat dem Gemeinderat die Übernahme der Liegenschaft Spiegelgasse 1 sowie eines Mehrfamilienwohnhauses im Quartier Enge von der Anlagestiftung - im Tausch gegen ein Wohn- und Geschäftsgebäude an der Rämistrasse 39 sowie das Areal mit dem Parkhaus Hallenstrasse im Quartier Riesbach. Auf dem Grundstück soll eine Neuüberbauung entstehen.

Da der Wert der beiden Liegenschaften der Anlagestiftung höher ist, würde die Stadt noch eine Aufzahlung von 500'000 Franken leisten.

Im Februar 2016 jährte sich der Beginn der Dadaismus-Bewegung zum 100. Mal. In ihrem Schweizer Exil gründeten Hugo Ball, Emmy Hennings, Richard Huelsenbeck, Tristan Tzara, Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp das Cabaret Voltaire und die Dada-Bewegung.

Der "Geburtsort" ist das Haus an der Spiegelgasse 1 im Zürcher Niederdorf. Dort ist zu Ehren der einstigen internationalen Avantgarde-Bewegung seit 2004 das Cabaret Voltaire untergebracht.

Der Trägerverein des Cabaret Voltaire nutzt die untersten beiden Geschosse des Hauses und widmet sich der Pflege, der Präsentation und der gegenwartsbezogenen Reflexion von Dada.

Das Dada-Haus sorgte mit seinen Aktionen immer wieder für Aufsehen. Es war auch in die Kritik geraten, etwa als es das Opernhaus verwanzte, Kurse für Sprayer anbot, ein T-Shirt mit einer RAF-Terroristin vertrieb oder ein Sex-Casting plante. Dennoch akzeptierten die Zürcher Stimmbürger im Jahr 2008, dass die Stadt die jährlichen Mietkosten von rund 314'000 Franken übernimmt.

Die Miete soll künftig um rund 100'000 Franken sinken, sagte Norbert Müller vom Projektstab Stadtrat gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Neu: Beitrag auch an Betriebskosten

Neu möchte der Stadtrat auch etwas an die Betriebskosten zahlen. Um die "kulturelle Vermittlungsarbeit und ein innovatives Veranstaltungsprogramm des Cabaret Voltaire zu fördern", will er deshalb den Trägerverein für die Jahre 2017-2020 mit jährlich 150'000 Franken entlasten.

Der Trägerverein Cabaret Voltaire führt den kulturellen Betrieb bislang ohne Betriebssubventionen der öffentlichen Hand. Er muss seine finanzielle Situation in hohem Masse mit Raumvermietungen aufbessern.

Kulturelle Leistungen konnten in der Vergangenheit oft nur realisiert werden, wenn sich Drittmittel dafür finden liessen. Dies ist nach Ansicht des Stadtrates jedoch "kein nachhaltiges Konzept für einen kulturhistorisch wichtigen Ort wie das Cabaret Voltaire".