Lärmschutz
Stadtrat will auf lärmigen Strassen Tempo 30 einführen

Demnächst wird der Stadtrat entscheiden, wo überall auf übermässig lärmigen kommunalen Strassen eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometern eingeführt werden soll.

Alfred Borter
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Am Limmatquai gilt seit September 2004 Tempo 30 für Trams.mts

Am Limmatquai gilt seit September 2004 Tempo 30 für Trams.mts

Tempo 30 fast flächendeckend in der Stadt Zürich, das ist kein Hirngespinst von Autoverhinderern, sondern eine Option, die in der städtischen Verwaltung ganz offiziell geprüft wird. Demnächst wird der Stadtrat entscheiden, wo überall auf übermässig lärmigen kommunalen Strassen eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30km/h eingeführt werden soll. Über die in kantonaler Verantwortung liegenden Hauptstrassen hat die Stadt allerdings kein Verfügungsrecht.

Der Bund schreibt vor

Wie von Bettina Volland, Medienverantwortliche für den Bereich Umwelt und Gesundheitsschutz des Gesundheits- und Umweltdepartements, zu erfahren war, wird der Stadtrat Ende Mai seinen Entscheid treffen. Es sei daher noch zu früh, genauer über die Angelegenheit zu informieren.

Beim anstehenden Beschluss stützt sich der Stadtrat auf die eidgenössische Lärmschutzverordnung, die die Gemeinden dazu verpflichtet, bis 2018 an allen Strassen, wo der Immissionsgrenzwert überschritten wird, Sanierungsmassnahmen durchzuführen, und zwar in erster Linie «an der Quelle». Lärmschutzwände und anderes sind erst in zweiter Priorität vorzusehen. Überschritten ist der Immissionswert in Zürich auf Strassen mit einer Länge von 320Kilometern. Auf einer Länge von 30Kilometern ist sogar der Alarmwert überschritten, dort hat die Stadt schon seit 1988 mit einem Aufwand von rund 100Millionen Franken mit Lärmschutzfenstern für Abhilfe gesorgt.

Wie Volland erwähnte, dürfte die Ausdehnung der Tempo-30-Zonen auch positive Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und auf die Lebensqualität der Bevölkerung haben. Eine Kapazitätsbeschränkung gehe damit nicht einher. Allerdings bestätigt sei, dass die Neuerung zu einer breiten politischen Diskussion Anlass geben könnte.

Diskutiert wird auch die flächendeckende Einführung von Tempo 30 nachts zwischen 22 und 6Uhr. Zudem ist für die Zürcher Innenstadt eine Ausdehnung der autofreien Fussgängerzone und die Einführung von Tempo-30-Zonen vorgesehen, die aber primär den Fussgängern und Radfahrern dienen sollen.

Besorgnis bei den VBZ

Wie dem «Regenbogen», der Mitarbeiterzeitschrift der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), entnommen werden kann, hat man verwaltungsintern ursprünglich auf den kommunalen Strassen 83Abschnitte für die Einführung von Tempo 30 vorgesehen. Das hätte aber sehr einschränkende Auswirkungen auf das Funktionieren von Tram und Bus, denn in 55Abschnitten verkehren auch Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs. Eine Simulation hat gezeigt, dass nach Einführung von Tempo 30 bisher vorgesehene Anschlüsse für Umsteigpassagiere nicht mehr eingehalten werden könnten. Es müssten zusätzliche Tramzüge und Busse eingesetzt werden. Allein die Anschaffung dieser Fahrzeuge hätte Kosten von 25 Millionen Franken zur Folge, zudem würden jährlich gegen 10 Millionen Franken höhere Betriebskosten anfallen. Täglich müssten 330000 Fahrgäste, also 40 Prozent der Kundinnen und Kunden, längere Fahrzeiten hinnehmen.

Nach etlichen Diskussionsrunden sei man, schreibt Thomas Spillmann, bei den VBZ Projektleiter Angebot, übereingekommen, nur bei 16Abschnitten Tempo 30 einzuführen. Die Verlustzeiten seien überschaubar. In weiteren 7Abschnitten erscheine es grundsätzlich sinnvoll, Tempo 30 einzuführen, doch müsste man gleichzeitig eine Verkehrsreduktion herbeiführen. Wie auch immer sei es wichtig, dass die Busse flüssig auch auf Tempo-30-Strassen verkehren könnten.