Im Mai hatte der Stadtrat die erste Tranche des Sparprogramms «effort 14+» präsentiert, mit der 32 Millionen Franken eingespart werden sollen. Damals ging Finanzvorsteherin Yvonne Beutler (SP) für 2014 von einem Loch in der Stadtkasse in der Höhe von 55 Millionen Franken aus. Nun musste der Gesamtsanierungsbetrag nochmals um sieben auf 62 Millionen Franken korrigiert werden.

Der Stadtrat hat deshalb eine zweite Tranche des Sanierungspakets «effort 14+» beschlossen. Am Donnerstag gaben die sieben Stadträte und Stadträtinnen bekannt, wo sie in ihren Departementen weitere 15 Millionen Franken einsparen wollen.

Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) sprach vom weitaus grössten Sanierungsprogramm der letzten Jahrzehnte. Schmerzhafte Einschnitte seien notwendig, die Stadt solle aber trotzdem ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort bleiben.

Zürcher Gemeinde mit höchstem Steuerfuss

Zur Sanierung der Stadtfinanzen beitragen soll die Bevölkerung mit einer Steuererhöhung von fünf Prozentpunkten. Dies soll 13 Millionen Franken Mehreinnahmen bringen.

Mit 127 Prozent wäre Winterthur die Gemeinde im Kanton Zürich mit dem höchsten Gemeindesteuerfuss. Im Mai hatte Beutler noch betont, dass eine Steuererhöhung nur im «absoluten Notfall» beantragt werde.

Hart trifft es das Stadtpersonal: 38,3 Stellen werden gestrichen. Möglichst viele davon will die Stadt über «natürliche Fluktuation» auffangen. Im Umfang von elf Stellen kommt es zu Pensenkürzungen und Entlassungen. Es wurde ein Sozialplan ausgearbeitet. Betroffene würden bei der Stellensuche unterstützt, versicherte Künzle.

Weniger Wahlfächer in der 3. Sek

Eine Million Franken sparen will die Stadt im Departement Kulturelles und Dienste bei der Reduktion der Beiträge an die Subventionsempfänger. Im Moment würden Gespräche mit den Betroffenen laufen, sagte Künzle. Der Schlüssel der Verteilung sei noch nicht fertig.

Bei der Schule sollen die Wahlfächer der dritten Sek um vier Lektionen pro Klasse reduziert werden. Damit sei die Zahl der Wahlfächer auf dem vom Kanton vorgeschriebenen Minimum, sagte Schul- und Sportvorsteher Stefan Fritschi (FDP).

Leistungen abgebaut werden weiter bei der Quartierentwicklung, beim Städtebau, im Sozialen und auch durch die Beitragskürzung für die Schwimmbadgenossenschaften.

Um ein Jahr verschoben wird der geplante Stellenausbau bei der Stadtpolizei. Mehrerträge will die Stadt unter anderem durch eine Erhöhung der Tarife für auswärtige Bestattungen hereinholen. Steuerfusserhöhung und Sanierungsprogramm «effort 14+» müssen noch vom Stadtparlament bewilligt werden.

Soforthilfe vom Kanton

Die Stadt Winterthur will zudem den Zürcher Regierungsart für eine Soforthilfe von drei Millionen Franken angehen. Der Stadtrat habe seine Hausaufgaben gemacht, er sei zum Schluss gekommen, nicht alles alleine stemmen zu können, sagte Künzle.

Beutler betonte am Donnerstag erneut, dass die Ursache für das Millionen-Loch unter anderem der neue kantonale Finanzausgleich sei. Der Zentrumslastenausgleich von knapp 86 Millionen sei grundsätzlich viel zu tief angesetzt, sagte Beutler. Nicht nachvollziehbar sei, dass die Stadt Zürich viel mehr Zentrumslastenausgleich erhalte.