Der linksalternative Zürcher Stadtrat und Polizeivorsteher Richard Wolff will die Partystadt Zürich nicht zur Schlafstadt werden lassen und erklärt das Thema Nachtleben zur Chefsache. «Heute ist Zürich eine der lebendigsten Ausgehstädte - ich sage mal: Europas. Diese Lebendigkeit wollen wir erhalten», sagt Wolff im Interview mit der Zeitung «Schweiz am Sonntag». «Ich will das Nachtleben als Thema lancieren, um die Stadt zu sensibilisieren, damit ein gemeinsames Verständnis und gemeinsame Ziele entwickelt werden können. Wenn Zürich eine Ausgehstadt sein will - was heisst das und wie gehen wir damit um? Das sind knifflige Fragen, auf die wir noch keine Antworten haben», so Wolff weiter. «Als ich Mitte der 1980er-Jahre in der Roten Fabrik gearbeitet habe, hatten in der Stadt Zürich 41 Lokale ein Patent für eine Nachtcafé-Bewilligung und konnten bis nach Mitternacht geöffnet bleiben. Heute haben wir etwa 650. Alles wurde dereguliert, alles hat sich ausgedehnt.»

Auf die Frage, welche Regulierungen des Nachtlebens geplant seien, sagt Wolff: «Jeder und jeder will mal schlafen, und jeder und jede ist mal in der Stadt und vergnügt sich. Es geht um das Verständnis, sich als Besucher in einem Raum zu bewegen, in dem auch geschlafen wird. Am Thema Nachtleben zeigt sich die Handschrift, die ich hinterlassen will: Ich möchte, dass man miteinander redet und versucht, sich gegenseitig zu verstehen. Eine Art Win-win-Situationen herbeiführen, in denen gegenseitiger Respekt, Rücksicht und Toleranz eine Rolle spielen.» Zur Ironie, dass ausgerechnet er als ehemaliger 1980er-Bewegter die kommerziellen Folgen seiner Bewegung gegen die Schlafbedürfnisse der linken Spiesser in den Städten verteidigen muss, sagt Wolff: «Dadurch, dass die Städte als Lebensraum wieder attraktiv geworden sind, verändern sie sich. Linksintellektuelle haben vielleicht schon immer in Städten gewohnt, heute sind sie auch für moderat linksgrüne Bürgerinnen und Bürger attraktiv geworden. Sie stellen die Mehrheit und prägen die Stadt. Daraus entstehen Nutzungskonflikte, allein schon deshalb, weil der Boom der Städte immer mehr Menschen anzieht.»