Stierli-Areal
Stadtrat prüft Ersatzliegenschaft für Dosendealer

Nach Jahrzehnten der Zwischennutzung müssen die Mieter das einstige Industrieareal im SBB-Gleisdreieck in Zürich Seebach Ende 2018 verlassen - nun gibt es Hoffnung, dass der kreative Begegnungsort anderswo eine Heimat findet.

Lina Giusto
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Die denkmalgeschützte Produktionshalle auf dem Stierli-Areal wurde 1899 erbaut.

Die denkmalgeschützte Produktionshalle auf dem Stierli-Areal wurde 1899 erbaut.

Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich

Der Zürcher Stadtrat muss prüfen, ob und wo dem Projekt Dosendealer vom Verein Farben für Zürich eine passende Ersatzliegenschaft bereitgestellt werden kann. Denn Ende diesen Jahres muss die einzige überdachte Graffiti-Halle der Schweiz das Feld auf dem Stierli-Areal in Zürich Seebach räumen.

Über den dringlichen Vorstoss von Elena Marti (Grüne) und Anjushka Früh (SP) herrschte am Mittwochabend im Gemeinderat auch mehrheitlicher Konsens. Mit 80 zu 36 Stimmen haben die Zürcher Gemeinderäte die Aufgabe an den Stadtrat überwiesen.

Dringlich ist das Begehren deshalb, weil die ehemaligen Produktionshallen die zwischen dem SBB-Gleisdreieck liegen, zu Beginn des nächsten Jahres dem Erdboden gleich gemacht werden sollen.

Es sind nur noch wenige Wochen, in denen auf dem ehemaligen Areal der Eisenhandelsfirma Stierli, das 12'000 Quadratmeter umfasst, Ateliers, Schreinerwerkstätten, Grafikstudios sowie Bootseinstellplätze ein Zuhause haben. Zudem werden dann auch die Laien und Künstler, welche in der 800 Quadratmeter grossen Halle von Dosendealer auf der schweizweit bislang grössten "Wall of Fame" - sie misst 250 Quadratmeter - Graffitikunst haben entstehen lassen, ihr Dach über dem Kopf.

Kopie von Einblick in die überdachte "Hall of Fame" in Zürich Nord
19 Bilder
Yassin Tair (links) und Till Boller (rechts) eröffnen am Freitag die Industrie Galerie in der Kunsthalle von doesendealer.ch.
Noch vor kurzem prangte an der Wand der "Hall of Fame" dieses Werk vom Graffiti-Künstler Pest aus Zypern.
Die Werke sind farbig, kreativ – und sind allesamt vergänglich.
Am Freitag eröffnet nun die Industrie Galerie, die für urbane Künste wie auch Graffiti eine Plattform bieten will.
Im Graffiti-Shop dosendealer.ch gibt es...
... mehr als 500 Farbtöne zur Auswahl.
Damit werden flache Wände zu ansprechenden Kunstwerken verwandelt.
Neben Fotografie..
gibt es in der Industrie Galerie auch Werke der Zürcherin C-Line.
Auch von Cruze, einem Zürcher Graffiti-Pionier aus den 90er-Jahren gibt es Werke zu kaufen.
Und noch weitere Künstler können hier ihre Werke zum Verkauf anbieten.
In der Haupthalle befindet sich die Spielwiese für Künstler und Laien.
Auf einer Fläche von über 250 Quadratmetern haben sie die Möglichkeit zu sprayen.
Am Recover Jam treffen sich die Graffiti-Künstler, um gemeinsam die Wand zu gestalten.
Im März 2017 war auch Pest anwesend..
oder Chromeo aus Winterthur.
Tasso aus Deutschland bei der Arbeit.
Er gilt als einer der Fotorealisten der ersten Graffiti-Stunde.

Kopie von Einblick in die überdachte "Hall of Fame" in Zürich Nord

Mario Heller

Dass die Mieter das Stierli-Areal nach mehreren Jahrzehnten der Zwischennutzung verlassen müssen, liegt an den Bauplänen der Eigentümerin Stierli Real Estate AG. Die Ausschreibung des Bauvorhabens erfolgte im Sommer 2017 im «Tagblatt der Stadt Zürich». Geplant ist an der Schaffhauserstrasse 468 das «Art Center Art 468», das Galerie-, Event-, Ausstellungs- sowie Kunstlagerräume, Werkstätten, Ateliers, Bar und Restaurantbetrieb mit Aussenbereich sowie Gewerbeflächen umfassen soll. Insgesamt sind 92 Autoabstellplätze auf dem Areal in Seebach eingeplant.