Eine Schwarze Kasse mit 215'000 Franken und sieben weitere Kadermitarbeiter mit Dienstautos für den privaten Gebrauch: Nachdem der Direktor von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) wegen ungetreuer Amtsführung freigestellt worden war, waren weitere Verfehlungen ans Tageslicht gekommen. Eine externe Untersuchung soll nun Klarheit bringen.

Im «TalkTäglich» am Dienstag sprach Moderator Markus Gilli mit Stadtrat Filippo Leutenegger und dem Anwalt vom freigestellten und ehemaligen ERZ-Direktor Urs Pauli, Ueli Vogel-Etienne.

Dabei sagte Leutenegger nicht nur, wann ihm in der ganzen ERZ-Affäre der Faden gerissen sei - nämlich dann, wenn sich jemand persönlich einen Vorteil verschaffen möchte, wie dies bei Urs Pauli vermutet wird. Sondern er erklärte ausserdem, wieso nicht schon früher Massnahmen ergriffen wurden. So schilderte Leutenegger: «Es braucht Fakten». Für ihn ist aber klar: «Urs Pauli hat meine Vorgängerin und mich an der Nase herumgeführt».

«Das hat mit Unternehmen nichts zu tun»

Urs Pauli vertritt eine andere Meinung als der Stadtrat. So sagte Pauli bereits an der Medienkonferenz zu seiner Freistellung, dass seiner Meinung nach der BMW gar nicht so teuer sei. 

Leutenegger erwiderte diesbezüglich, dass man hier einen staatlichen Betrieb und einen Auftrag habe. Ausserdem gäbe es eine klare Ordnung und es gäbe keinen Dienstwagen, der auch für private Zwecke genutzt werde. 

Der Anwalt von Urs Pauli, Ueli Vogel-Etienne, meinte im Gespräch mit Moderator Markus Gilli, dass sein Mandant sehr wohl eine Bewilligung für das Fahrzeug gehabt hätte. Leutenegger ist anderer Meinung - «Ansonsten hätte ich nicht zu solch drastischen Massnahmen greifen müssen», sagte der Stadtrat im Gespräch. Dieser vermutet, dass sich der ehemalige ERZ-Direktor die Bewilligung selbst unterschrieben und ausgestellt hat. 

Skandal beim ERZ Zürich

Skandal beim ERZ Zürich

Das Gespräch in voller Länge.

«Das ist reine Politik»

Anwalt Ueli Vogel-Etienne versuchte die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten im «TalkTäglich» zu relativieren. So machte Vogel-Etienne auch auf die Verdienste Urs Paulis aufmerksam. Pauli habe das Amt 18 Jahre lang hervorragend geführt, so Vogel-Etienne. Die Vorwürfe, die nun gegen Pauli erhoben werden, seien in einem völligen Missverhältnis, sagte der Anwalt. 

Wieso die Verfehlungen im ERZ nicht schon früher, sondern erst jetzt öffentlich gemacht werden - dazu hat Vogel-Etienne eine klare Meinung: So möchte sich der FDP-Politiker noch vor den nächsten Zürcher Wahlen im Frühling von seinen Altlasten befreien. «Das ist eine politische Affäre» ist Vogel-Etienne überzeugt.

Nun muss die Strafbehörde den Fall untersuchen und beurteilen. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. (lgi)