Wer ein Behördenamt bekleidet, erntet neben Lob häufig auch Kritik. In Wädenswil ist eine Bürgerin zu weit gegangen und hat am Freitagnachmittag ihre Wut gegenüber der Behörde am Haus von Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) ausgelassen.

Die unzufriedene Sozialhilfebezügerin hat das Haus des Stadtpräsidenten mit schwarzer und roter Farbe besprayt. «Die Hauswand, die Tür, der Briefkasten und der Carport wurden beschmiert», sagt Philipp Kutter. Auch vor dem Auto der Familie Kutter machte die Person nicht halt. Die Familie Kutter war während der Tatzeit ausser Haus. Beobachtet wurde die Sachbeschädigung von aufmerksamen Nachbarn, die sofort die Polizei informierten. Die Vandalin, die einen Schaden von mehreren Tausend Franken verursacht hat, konnte schliesslich gefasst werden.

Nicht nur materieller Schaden

«Die Frau hatte mich vor einigen Tagen kontaktiert», sagt Kutter. Sie sei mit dem Sozialamt unzufrieden. Der Stadtpräsident erkundigte sich und verdeutlichte ihr, dass zu ihrem Anliegen klare Gesetze und Regeln gelten und er diese nicht ändern könne. Da sei die Person sehr enttäuscht gewesen. «Damit, dass sie ihre Frustration auf diese Weise auslässt, hätte ich allerdings nicht gerechnet», sagt Kutter, der Anzeige gegen die Sprayerin erstattet hat. Da die Person Sozialhilfe bezieht und daher nicht vermögend ist, wird sie jedoch kaum für den verursachten Schaden aufkommen können.

«Neben dem materiellen hat sie auch sonst Schaden angerichtet», sagt Kutter. Für den Stadtpräsidenten ist es nicht neu, kritisiert zu werden: «Das gehört zu einem politischen Amt dazu.» Nur selten habe er aber anonyme Briefe erhalten oder seien unschöne Kommentare in den sozialen Medien geschrieben worden. «Solange es mich betrifft, kann ich gut damit umgehen», sagt er. Doch nun sei auch seine Familie betroffen, was seine Frau und ihn beschäftige. «In diesem Fall machen wir uns schon Gedanken. Wir werden uns nun überlegen, wie wir das frühere Gefühl von Sicherheit wiederherstellen können», sagt Kutter. Dass derzeit die Polizei öfter am Haus der Familie Kutter patrouilliere und dieses im Auge behalte, sei im Moment hilfreich.

Polizeischutz für Einbürgerung

Ein Fall in diesem Ausmass wie bei Stadtpräsident Philipp Kutter ist aussergewöhnlich. Drohungen gegen Behördenmitglieder hingegen nicht. Armin Steinmann bekommt häufig konkrete Drohungen per Mail, Brief oder Telefon. Er könne noch etwas erleben und es würde ihm dann nicht mehr gut gehen, wurde ihm schon gesagt. Im Flur des Gebäudes, in dem sich der Bezirksrat und das Statthalteramt befindet, wurde einmal Kleister ausgeschüttet. «Bereits mehrmals wurden die Logos zugesprayt», sagt Steinmann. Einmal richtete sich ein Telefonat gegen seine Familie. «Ich habe in einem solchen Fall null Toleranz und erstatte sofort Anzeige», sagt er.

In Richterswil hat Hans Jörg Germann (CVP), seit er Gemeinderat ist, mit Belästigungen zu kämpfen. «Es kommt hin und wieder vor, dass in meinem Namen Sachen bestellt werden», sagt er. Zum Beispiel wurden ihm von Scientology Bücher geschickt, die er nie bestellt habe. «So etwas ist ärgerlich, weil ich mich dann immer neu erklären muss», sagt Germann. Wer dahintersteckt, konnte noch nicht herausgefunden werden. Telefonanrufe und Briefe mit weniger erfreulichem Inhalt hat auch der Gemeindepräsident von Horgen, Theo Leuthold (SVP), diese ordne er aber eher als Hilferuf ein.

In seinen bereits zwölf Amtsjahren hat Märk Fankhauser (FDP), Gemeindpräsident von Thalwil, nie Drohungen erhalten. «Ich kann mich aber erinnern, dass wir ein Einbürgerungsgespräch polizeilich begleiten liessen», sagt Fankhauser. Dies komme nur in Fällen vor, wenn die Vorgespräche und die Biografie der Gesuchsteller besorgniserregend seien.