Zürich

Stadtparlament streitet sich über die Zukunft des Carparkplatz-Areals

Der Carparkplatz beim Hauptbahnhof ist eine der letzten Bauland-Reserven Zürichs. Mts

Der Carparkplatz beim Hauptbahnhof ist eine der letzten Bauland-Reserven Zürichs. Mts

Gegen ein neues Kongresszentrum auf dem Carparkplatz beim Hauptbahnhof Zürich zeichnet sich eine Mehrheit im Stadtparlament ab. Die Gemeinderäte der SP, Grünen, GLP und AL aus den Stadtkreisen 4 und 5 haben kürzlich eine Motion eingereicht.

 Sie fordern darin Alternativen zu einem Kongresszentrum auf dem Carparkplatzareal. «Gespräche mit den anderen Parteien haben gezeigt, dass wir im Parlament eine Mehrheit für eine andere Nutzung des Carparkplatzes haben könnten», sagt SP-Gemeinderat Simon Diggelmann, der die Motion ebenfalls unterzeichnet hat.

Zusammen brächten es SP, Grüne, GLP und AL auf eine komfortable Mehrheit im Stadtparlament. Gemäss Diggelmann stehen die Fraktionen der Motions-Unterzeichnenden hinter deren Anliegen.

«Ein Kongresszentrum auf dem Carparkplatz war uns schon immer ein Dorn im Auge», so der SP-Gemeinderat weiter. Das Areal beim Hauptbahnhof, das der Stadt gehört, sei eine der letzten Baulandreserven in Zürich. «Die Planung für das Carparkplatzareal soll in einem offenen und partizipativen Prozess erfolgen mit dem Ziel, an diesem städtebaulich wichtigen Ort eine quartierverträgliche Entwicklung umzusetzen», heisst es in der Motion.

Dabei seien die wohn-, energie- und verkehrspolitischen Aufträge, die die Stadtzürcher Stimmbevölkerung in die Gemeindeordnung geschrieben hat, zu berücksichtigen. Das heisst: Mehr günstige Wohnungen, weniger Autoverkehr und weniger Energieverbrauch.

«Es ist auch zu prüfen, ob der Carparkplatz an diesem Standort erhalten werden kann», heisst es in der Motion weiter. Der Carparkplatz könnte, ähnlich wie das Tramdepot in der Zürcher Genossenschaftssiedlung Kalkbreite, in eine Überbauung integriert werden, erklärt Diggelmann.

Hinter den Plänen für ein neues Kongresszentrum auf dem Carparkplatz steckt die private IG Kongressstadt Zürich, der die im Forum Zürich zusammengeschlossenen Wirtschaftsverbände, Vertreter von Uni und ETH sowie von Zürich Tourismus angehören. «Wir verfolgen dieses Projekt mit Hochdruck», erklärte IG-Sprecher Robert E. Gubler noch im Juni dieses Jahres gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Kurz zuvor hatten die Stadtzürcher Stimmberechtigten 240 Millionen Franken für die Sanierung des bestehenden Kongresshauses am See und der benachbarten Tonhalle bewilligt. Das sanierte Kongresshaus soll künftig Platz für Kongresse mit 2500 Teilnehmenden bieten.

Der IG Kongressstadt Zürich schwebt jedoch ein grösseres Projekt vor, das bis zu 3500 Kongressteilnehmer fassen würde. Im Segment der grösseren Kongresse sei die Wertschöpfung am grössten, argumentierte Zürich-Tourismus-Chef Martin Sturzenegger.

Ausgerechnet in diesem Segment habe Zürich aber kein Angebot, liess sich Sturzenegger Anfang dieses Jahres im «Tages-Anzeiger» zitieren. Nun wollte er auf Anfrage zu den Plänen für ein neues Kongresszentrum nicht mehr Stellung nehmen.

Zuletzt hiess es im Juni noch, dass die IG Kongressstadt Zürich bis nach den Sommerferien einen Fragenkatalog der Stadt beantworte. Der Zürcher Stadtrat werde dann bis zu den Herbstferien entscheiden, was er von dem Vorschlag halte.

Nun sagt Gubler: «Wir haben einen detaillierten Businessplan für ein Kongresszentrum auf dem Carparkplatz eingereicht.» Den stadträtlichen Grundsatzentscheid, ob das Projekt weiter zu verfolgen sei, erwartet Gubler bis Ende Jahr. Stadtpräsidentin Corine Mauchs Sprecher Nat Bächtold bestätigt dies. Und er ergänzt: Bei dieser Rückmeldung des Stadtrats werde auch die nun neu eingereichte Motion aus dem Gemeinderat zum Thema zu berücksichtigen sein.

Der Anfang vom Ende?

Nachdem der Stadtrat bereits 2013 bekannt gegeben hatte, dass die Stadt auf den Bau eines neuen Kongresszentrums verzichte, könnte die rot-grüne Motion nun das Ende für ein privat finanziertes neues Kongresszentrum in Zürich einläuten. Aus Sicht von Urs Helfenstein (SP), dem Erstunterzeichner der Motion, ist jedenfalls klar: «Es braucht gar kein neues Kongresszentrum in Zürich.» Die Sanierung des bestehenden Kongresshauses genüge. Zumal die Flughafen Zürich AG mit ihrer Grossüberbauung «The Circle» ebenfalls ein Kongresszentrum plane.

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