Eigentlich wollte der Zürcher Stadtrat an Stelle des heutigen Komplexes ein neues Kongresszentrum bauen. 2008 scheiterte der Landkauf für ein Neubauprojekt des spanischen Stararchitekten Rafael Moneo aber am Stimmvolk.

Darauf folgte eine jahrelange Suche nach einem alternativen Standort, die schliesslich ergebnislos abgebrochen wurde. 2013 entschied der Stadtrat, das bestehende Haus am See zu sanieren und so umzubauen, dass es künftig auch für grössere Kongresse mit bis zu 2500 Plätzen taugt.

Für dieses Projekt beantragte der Stadtrat dem Gemeinderat einen Kredit von 165 Millionen Franken. Wie Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) am Mittwoch im Gemeinderat sagte, besteht bei Kongresshaus und Tonhalle ein "hoher Sanierungsbedarf".

Die Tonhalle war 1895 eröffnet worden, das Kongresshaus 1939. Die miteinander verbundenen Gebäude sind beide im Inventar der überkommunalen Schutzobjekte der kantonalen Denkmalpflege aufgeführt.

Mit dem Umbau soll der Gebäudekomplex luftiger und moderner werden. Der Panoramasaal aus den 1980er-Jahren soll abgebrochen und an seiner Stelle ein Restaurant mit Terrasse gebaut werden - gemäss FDP ein Mehrwert für die Bevölkerung.

Neue Trägerschaft

Zu den 165 Millionen kommen noch weitere 73 Millionen Franken. Damit soll die Kongresshaus-Stiftung, welche die beiden Gebäude besitzt, entschuldet werden. Das Grundstück geht dabei an die Stadt, die es im Baurecht der Stiftung zur Verfügung stellt.

Zudem wird die Trägerschaftsstruktur geändert. Die bestehende privatrechtliche Stiftung wird durch eine neue öffentlich-rechtliche ersetzt. Die Stadt wird im Stiftungsrat künftig die Mehrheit haben. Sie soll drei und die Tonhalle-Gesellschaft zwei der fünf Stiftungsratsmitglieder wählen.

Neu hat zudem der Gemeinderat die Oberaufsicht über die Stiftung. Die Neuorganisation der Trägerschaft wurde im Gemeinderat begrüsst: "Was Zürich bezahlt, soll auch Zürich gehören", sagten die Grünen.

Die Stadt zahlt künftig jährliche Betriebsbeiträge von maximal 5,4 Millionen Franken an die Trägerschaft des Kongresshauses und an die Tonhalle-Gesellschaft, die damit die Raumkosten begleicht.

Zu teuer und zu kompliziert

Die SVP stellte sich am Mittwoch als einzige Partei gegen das Umbauprojekt. Zu teuer und die neue Trägerschaftsstruktur zu kompliziert, war ihre Meinung. Zwar fand auch die FDP, dass es sich um einen stolzen Betrag handelt und ein Neubau rentabler gewesen wäre. Die Finanzierung werde aber auf eine "solide und nachhaltige Grundlage" gestellt.

Für die SP wird mit der vorliegenden Lösung "das bestehende Gebäude an idealer Lage" weitergenutzt. Und die Grünen lobten ihren Stadtrat: Leupi habe mit Mass halten, gangbare Lösungen suchen und kühlen Kopf bewahren "eine veritable Mehrheit für ein äusserst umstrittenes Geschäft" herbei geführt.

Der Gemeinderat stimmte dem 240-Millionen-Franken-Kredit schliesslich mit 100 Ja- zu 22 Nein-Stimmen zu. Das letzte Wort hat das Stimmvolk. Leupi zeigte sich aber für die bevorstehende Abstimmung zuversichtlich.

Der Baubeginn ist für Sommer 2017 geplant. Im Jahr 2020 sollen Tonhalle und Kongresshaus dann wieder bezugsbereit sein. Das Tonhalle-Orchester musiziert während dieser Zeit in einem Provisorium in der Maag-Halle. Dafür zahlt die Stadt einen einmaligen Beitrag von 1,65 Millionen Franken, der ebenfalls zum 240-Millionen-Kredit gehört.