Dynamo
Städtisches Jugendhaus verteilt «F*CK SVP»-Stempel – die Volkspartei ist empört

Konzertbesucher im Stadtzürcher Jugendhaus Dynamo wurden kürzlich mit der Aufschrift «F CK SVP» abgestempelt. Nun will die SVP das Haus schliessen – aber nur fast.

Matthias Scharrer
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So sieht der Stempel auf dem Unterarm eines Konzertbesuchers aus.

So sieht der Stempel auf dem Unterarm eines Konzertbesuchers aus.

Screenshot Medienmitteilung SVP

Ein Stempel erhitzt die Gemüter: «F CK SVP» lautete der Schriftzug, den Konzertbesucher kürzlich beim Eintritt ins Stadtzürcher Jugendhaus Dynamo auf den Arm gedrückt bekamen, als die US-Metal-Band Soulfly dort auftrat. Die SVP ist empört: Mit dem Stempel sei eindeutig «FUCK SVP» gemeint, teilte die Partei gestern mit. Dies sei beleidigend. Die Stadt Zürich dürfe das nicht dulden. Schliesslich gehöre das Jugendkulturhaus Dynamo der Stadt und werde von deren Steuerzahlenden finanziert. «Grundsätzlich hat in einem solchen Fall eine vollumfänglich staatlich finanzierte Einrichtung keine Existenzberechtigung», heisst es weiter im SVP-Communiqué. Und: Stadtrat Raphael Golta (SP), dessen Sozialdepartement das Jugendhaus unterstellt ist, müsse «diesem Treiben im Dynamo sofort ein Ende setzen». Sollten sich solche Vorkommnisse wiederholen, werde die SVP-Gemeinderatsfraktion anlässlich der kommenden Budgetdebatte den Kredit fürs Dynamo ersatzlos streichen.

Die Sozialen Dienste der Stadt Zürich und die Leitung des Dynamos entschuldigten sich gestern in einer gemeinsamen Medienmitteilung: «Die Botschaft auf diesem Stempel entspricht in keiner Art und Weise der Haltung der Sozialen Dienste gegenüber der SVP.»
Veranstalter des Konzerts war die Agentur Good News. «Wir haben den Stempel vom Dynamo erhalten», so Good-News-Chef Stefan Matthey gegenüber Radio 1. «Unser Personal hat den Stempel aber nicht kontrolliert. Wir werden daraus unsere Lehren ziehen.»

Der Hausverantwortliche des Dynamo habe dem Veranstalter den Stempel gegeben, bestätigte Beatrice Henes, Sprecherin der Stadtzürcher Sozialen Dienste. Er habe damit aber keine politische Aussage machen wollen. Es sei ihm lediglich darum gegangen, rasch das Problem zu lösen, dass für die Einlasskontrolle am Konzertabend zunächst kein Stempel vorhanden war. Der Vorfall werde aber Folgen haben: «Die Leitung des Dynamo-Teams muss das mit allen Hausverantwortlichen besprechen. Es geht nicht an, dass aus dem Dynamo diskriminierende und beleidigende Botschaften platziert werden», so Henes.

SVP-Stadtparteipräsident Mauro Tuena nimmt die Entschuldigung an, wie er auf Anfrage sagte. «Stadtrat Golta hat mich persönlich aus den Ferien angerufen. Das ist nicht selbstverständlich», erklärte er. Dennoch stelle sich die Frage, wie der Stempel in die städtische Institution kam. «So etwas muss Golta künftig unterbinden», fordert Tuena. Er selbst habe sich als SVP-Jungpolitiker einst für den Erhalt des Dynamo eingesetzt. Noch habe das Jugendhaus für ihn eine Existenzberechtigung. Aber jede weitere Entgleisung würde dies ändern.