Diese umfassen nicht weniger als sechs Manuskriptbände, sorgfältig und repräsentativ in Pergament gebunden; seine Handschrift ist gestochen scharf, und Fotos sowie Flugblätter sind mit eingefügt.

Die Lebenserinnerungen hat er für seine beiden Töchter geschrieben. «Ursprünglich wollte er bloss eine Genealogie anlegen», erläutert Nicola Behrens, Mitarbeiter im Stadtarchiv, doch sei daraus mit der Zeit ein umfangreiches Werk entstanden. Nun sind die sechs Bände ins Stadtarchiv gelangt, wo aus seinem Nachlass auch 72 Schachteln Originaldokumente abgelegt sind.

Das Stadtarchiv hat es übernommen, eine Publikation herauszugeben, welche wesentliche Teile von Trabers Erinnerungen wiedergibt, angereichert mit zahlreichen Bildern und Flugblättern.

Traber war Augenzeuge und zum Teil auch aktiv Mitwirkender während einer bewegten Zeit, zu der unter anderem der Zürcher Generalstreik 1912, die Novemberunruhen 1917 und der Landesstreik 1918 gehören.

Wider Willen Polizeivorstand

«Es handelt sich um eine Rechtfertigungsschrift», merkt Behrens an. Traber, der von 1884 bis 1970 lebte, hat, längst pensioniert, Punkt für Punkt dargelegt, wie er zugunsten der Arbeitnehmer und der Abstinenzler gewirkt hat, dokumentiert ist auch sein Kampf als Streikführer.

Der ursprüngliche Lehrer wurde als Sozialdemokrat Mitglied des Grossen Stadtrats von Zürich (heute Gemeinderat) und 1919 sogar Mitglied des Kleinen Stadtrats (Exekutive), wo ihm gegen seinen Willen die Polizei als Verantwortungsbereich übertragen wurde; er hatte sich das Schulamt gewünscht.

Begeistert von der russischen Revolution trat Traber 1920 der Kommunistischen Partei bei. Als Kommunist verlor er aber 1922 sein Amt als Stadtrat. Darauf engagierte er sich als Redaktor am kommunistischen «Kämpfer», schrieb einen Roman und verschiedene Dramen, die freilich nicht zur Aufführung gelangten, und arbeitete wieder als Lehrer.

1924 kehrte er in die SP zurück und war mit beteiligt am Sieg des «Roten Zürich», als die Linke im Parlament wie auch im Stadtrat die Mehrheit erlangte. 1934 wurde er Präsident der SP Stadt Zürich.

Tief enttäuscht

Später äusserte er sich über die Entwicklung der SP tief enttäuscht, sie habe sogar den Sozialismus als Endziel aufgegeben. Er sei einsam geworden, stellte er am Ende seines Lebens fest. Er habe eben die breite Landstrasse der Gedankenlosen und der Streber gemieden, schrieb er, der ehemalige «Trämlergeneral». Wenn man den eigenen Weg gehe, führe der nicht selten in die Einsamkeit.

Was hat Nicola Behrens, der sich mit Traber nun einige Zeit beschäftigt hat, am meisten verblüfft? «Dass er als Stadtrat ins Gefängnis gesteckt wurde», sagt er. Tatsächlich wurde er, weil er nach einer aus dem Ruder gelaufenen Demonstration, die mit vier Toten endete, wegen Amtspflichtverletzung zu sechs Tagen Gefängnis und 500 Franken Busse verurteilt; die Gefängnisstrafe musste er absitzen.

Ausserdem hatte sein Befehl an die Polizei, sich zurückzuziehen, zur Folge, dass ihm der Stadtrat das nie gewollte Amt des Polizeivorstands wieder entzog und das Vormundschafts- und Armenwesen übertrug.

Alfred Traber Ich war der «Trämlergeneral» – Rückblick auf mein Leben. Ausgewählt und bearbeitet von Mario Florin, Nachworte von Nicola Behrens und Mario Florin. Das Buch ist beim Stadtarchiv Zürich (Neumarkt 4, 8001 Zürich) erhältlich. Buchvernissage: Montag, 12. März, 18.30 Uhr, im Theater Stadelhofen, unter anderen mit Stadtpräsidentin Corine Mauch.