Recycling
Stadt Zürich will wertvolle Metalle fast vollständig aus Abfall zurückgewinnen

Die Kehrichtverbrennungsanlage Hagenholz soll für 39 Millionen Franken nachgerüstet werden.

Matthias Scharrer
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Das Neubauprojekt (rechts im Bild) in der Kehrichtverbrennungsanlage Hagenholz würde aus Nassschlacke besser rezyklierbare Trockenschlacke machen.

Das Neubauprojekt (rechts im Bild) in der Kehrichtverbrennungsanlage Hagenholz würde aus Nassschlacke besser rezyklierbare Trockenschlacke machen.

erz/zvg

Die Schweiz gehört weltweit zu den Spitzenreitern in Sachen Abfall-Recycling. Doch noch hapert es an der Verwertung kostbarer Reststoffe aus verbranntem Abfall: Metalle wie Eisen, Aluminium, Kupfer, Silber und Gold können mit dem bisherigen Verfahren in der Stadt Zürich nur zu 70 Prozent aus der Kehrichtschlacke wiederverwertet werden. Künftig soll dieser Wert auf 99 Prozent steigen, wie Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) gestern vor den Medien sagte. Zu diesem Zweck will die Stadt Zürich ihre Kehrichtverbrennungsanlage Hagenholz für 39 Millionen Franken nachrüsten.

Die geplante neue Anlage würde aus Nassschlacke, wie sie beim heute üblichen Verfahren anfällt, Trockenschlacke machen. Diese würde sodann der laut Leutenegger weltweit ersten Anlage zugeführt, mit der sich Metalle aus Kehrichtschlacke fast vollständig rezyklieren lassen. Es handelt sich um eine neue Anlage der ZAV Recycling AG in Hinwil. Am 8. März entscheiden die Stadtzürcher Stimmberechtigten über den 39-Millionen-Kredit.

Mit dem neuen Verfahren liesse sich die Rechnung von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) jährlich um eine Million Franken verbessern, wie ERZ-Direktor Urs Pauli vorrechnete. Geld brächten einerseits die zurückgewonnenen Metalle ein. Ihre Menge stiege von jährlich 4000 auf 6000 Tonnen an. Andererseits fielen Deponiekosten weg. Heute entsorgt die Stadt Zürich jährlich 52 000 Tonnen Kehrichtschlacke auf der Reaktordeponie in Lufingen bei Embrach. Nach dem Recycling-Verfahren in Hinwil verblieben nur noch 37 000 Tonnen. «Unser Fernziel ist es, die Trockenschlacke im Strassenbau einzusetzen, sodass keine Reststoffe mehr bleiben», sagte Leutenegger. Auch die Anzahl Lastwagenfahrten würde sich mit dem neuen Verfahren reduzieren: von 2600 auf 2150 pro Jahr. Die Fahrdistanz bliebe in etwa gleich.

Pionierprojekt in Hinwil

Die Stadtzürcher Abstimmung vom 8. März ist auch für das Abfall-Recycling in der übrigen Schweiz von Bedeutung. Denn das Pionierprojekt in Hinwil zielt auf Expansion ab. Bei einem Ja aus Zürich erhält die ZAV Recycling AG einen wichtigen Grosslieferanten. Weitere sollen folgen, sowohl im Kanton Zürich als auch aus anderen Kantonen, wie René Müller, Geschäftsführer der ZAV Recycling AG, im Gespräch durchblicken lässt.

Seit 2008 betreibt die ZAV Recycling AG eine Kleinanlage zur Rückgewinnung von Metallen aus Trockenschlamm. Bislang verarbeitet sie ausschliesslich Kehrichtschlacke, die bei der Kehrichtverwertung Zürcher Oberland anfällt. Eine neue Grossanlage der ZAV Recycling AG soll diesen Sommer in Betrieb gehen. Startklar als neuer Lieferant ist gemäss Leutenegger bereits der Bezirk Horgen.

Dass das Stadtzürcher Projekt an der Urne scheitert, scheint unwahrscheinlich: Der Gemeinderat hiess es ohne Gegenstimme gut. Auch die SVP stellte sich dahinter, wenn auch vereinzelt die Forderung nach tieferen Kehrichtsackgebühren laut wurde. Sie ist gemäss Leutenegger jedoch unrealistisch: Zuerst gelte es, die Investitionskosten zu amortisieren, was rund 30 Jahre dauern werde. Ziel seien gleichbleibende Kehrichtsackgebühren, auch vor dem Hintergrund laufender Investitionen in Fernwärme.

Limeco und Winterthur gespannt

Bei der Limeco in Dietikon, die Abfälle aus 37 Zürcher und Aargauer Gemeinden verwertet, verfolgt man die Entwicklung gespannt: Die Limeco ist zu 25 Prozent an der ZAV Recycling AG in Hinwil beteiligt, was ein «Commitment» für deren Recycling-Bemühungen darstellt, wie Limeco-Chef Patrick Feusi sagt. Im Moment lasse die Anlage in Dietikon die Lieferung von Trockenschlacke nach Hinwil aber nicht zu. Um dies zu ändern, müssten die jetzigen Verbrennungsöfen ersetzt werden. «Sie haben aber eine Lebensdauer bis 2030», so Feusi. Vor 2030 werde die teure und aufwendige Investition daher nicht aktuell.

Auch die Stadt Winterthur interessiert sich dafür, künftig Trockenschlacke zwecks Metall-Recycling nach Hinwil zu liefern: «Es laufen zurzeit Gespräche, aber es ist noch nichts entschieden», sagt Maddalena Pellegrino, Sprecherin von Stadtwerk Winterthur, auf Anfrage. Zuerst wolle man abwarten, wie die neue Anlage in Hinwil läuft und wie die Ergebnisse aussehen. «Wir werden aufgrund der Ergebnisse über das weitere Vorgehen entscheiden», so Pellegrino.