Prostitution
Stadt Zürich will Bewilligungspflicht für Strassenprostitution

Mit einer Bewilligungspflicht für die Strassenprostitution und Auflagen für Salonbetreibende will Zürich den Wildwuchs in der Branche in den Griff kriegen. Eine Verordnung, welche die Regeln festsetzt, ging am Mittwoch in die Vernehmlassung.

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Prostituierte am Zürcher Sihlquai (Archiv)

Prostituierte am Zürcher Sihlquai (Archiv)

Keystone

Wie andere Gewerbe soll die Strassenprostitution künftig einer Bewilligungspflicht unterliegen. Voraussetzungen sind Mündigkeit, Urteilsfähigkeit, eine kantonale Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis sowie eine Krankenversicherung, wie der Zürcher Stadtrat am Mittwoch mitteilte.

Mit der Bewilligungspflicht wird die Strassenprostitution auch gebührenpflichtig. Prostitution sei ein Gewerbe und solle als solches behandelt werden, sagte der Zürcher Polizeivorstand Daniel Leupi (Grüne) auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Es sei nicht einzusehen, weshalb ein Gewerbe mit relativ viel Umsatz den Grund gratis solle nutzen dürfen, während etwa jeder Standbetreiber für ein paar Stunden eine Gebühr zahlen müsse.

Bussen auch für Freier

Gemäss Verordnung können für bestimmte Strichzonen zeitlich befristete Bewilligungen erteilt werden. Wer ausserhalb der Zone anschafft oder als Freier erwischt wird, riskiert eine Busse. Laut Leupi ist es neu, dass auch Freier gebüsst werden können. Ein letztes Jahr in Aussicht gestellter überarbeiteter Strichplan wird im Frühjahr ausgeschrieben.

Auch die Salonprostitution soll besser geregelt werden. Dies analog zu Gastgewerbebetrieben, für deren Betrieb die Inhaber ein Patent benötigen. Dieses ist ebenfalls an bestimmte Auflagen gebunden.

Auswüchse beim Strassenstrich

Hintergrund der neuen Zürcher Prostitutionsgewerbeverordnung sind die Auswüchse des Strassenstrichs vorab am Sihlquai im Stadtkreis 5, welcher die Bevölkerung mehr und mehr verärgert.

Mit der Regelung sollen die Anwohnerinnen und Anwohner besser vor den Nebenerscheinungen der Prostitution geschützt werden. Aber auch die Prostituierten selbst sollen nicht mehr schutzlos der Willkür von Zuhältern und Menschenhändlern ausgeliefert sein. Und schliesslich soll der Gesundheitsschutz der ganzen Bevölkerung besser gewährleistet werden können.

Die Verordnung ist nun bis Ende März in der Vernehmlassung. Wann sie in Kraft tritt, ist noch offen. Im Gegensatz zu den Westschweizer Kantonen hat der Kanton Zürich kein Prostitutionsgesetz. Leupi würde ein solches allerdings begrüssen. Im Kanton Bern ist ein Gesetz seit November in der Vernehmlassung.

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