Wetterkatastrophe
Stadt Zürich vor Jahrhunderthochwasser schützen

Ein Jahrhunderthochwasser würde in der Stadt Milliardenschäden anrichten. Nach dem Hochwasser von 2005 wurde für Zürichsee, Sihl und Limmat ein Hochwassermanagement aufgebaut. Erste Schutzmassnahmen wurden bereits umgesetzt.

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Das Sihl-Hochwasser 2005

Das Sihl-Hochwasser 2005

Zur Verfügung gestellt

Bis 2015 soll bei Langnau am Albis in der Sihl ein Rechen gebaut werden, der Schwemmholz zurückhält. Ab wann weitere langfristige Schutzmassnahmen umgesetzt werden, sei noch nicht festgelegt, schreibt die kantonale Baudirektion in einer Mitteilung vom Montag.

Vorläufiges Fernziel sei es, die Stadt Zürich gegen Extremhochwasser und die anderen gefährdeten Siedlungsgebiete gegen ein Hochwasser zu schützen, wie es im Schnitt alle 100 Jahre zu erwarten sei. Die Massnahmen sollen Todesopfer vermeiden und Sachschäden minimieren.

Glück für Zürich bei 2005-Hochwasser

2005 entging Zürich nur knapp grossen Hochwasserschäden. Wenn damals das Niederschlagszentrum statt im Berner Oberland über dem Sihl-Einzugsgebiet gelegen wäre, hätte die Sihl grosse Teile der Stadt Zürich überschwemmt worden.

Es wären Menschen gefährdet und immense materielle Schäden verursacht worden. Während sich 2005 die Schadensumme im Kanton Bern auf über 800 Millionen Franken belief, betrug sie im Kanton Zürich nur 15 Millionen Franken.

In den letzten 30 Jahren gab es in der Schweiz auffällig viele Extremwetterlagen und Hochwasser. Mit den häufigeren und intensiveren Ereignissen steige auch die Wahrscheinlichkeit eines Extremhochwassers.

Seit dem «Jahrhunderthochwasser» von 1910 ist in Zürich viel gebaut worden. Das Schadenpotenzial stieg dadurch stark an. Schon bei geringer Wassertiefe an der Oberfläche müsse mit einem Schaden von mehreren Milliarden Franken gerechnet werden, weil grosse Sachwerte und die Infrastruktur oftmals im Untergrund lägen.

Bessere Hochwasser-Prognosen

Bis Ende Jahr lägen die Gefahrenkarten für den grössten Teil der bewohnten Fläche des Kantons Zürich vor. Sie sind die Grundlage für Schutzmassnahmen.

In der Stadt Zürich würde ein Extremhochwasser den weitaus grössten Schaden anrichten. Hochwassergefährdete Gebiete mit grossem Schadenpotenzial lägen an der Sihl zwischen Langnau am Albis und Zürich sowie an der Limmat bis nach Dietikon.

Eine Verminderung der Gefahren wurde durch bessere Hochwasserprognosen und eine aktive Seenregulierung erreicht. Dank einer Abfluss-Prognoseplattform des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) kann der Kanton Zürich seit 2007 grosse Gewässer wie Reuss, Thur, Limmat, Sihl, Töss und Glatt besser überwachen.

Sihl- und Zürichsee dienen bei starken Niederschlägen als Rückhaltebecken. Dank einem 2008 eingerichteten Vorhersagesystem für die örtlichen Abflussmengen können die Pegel der beiden Seen vorsorglich und koordiniert abgesenkt werden. Die Durchflusskapazität der Sihl beim Hauptbahnhof Zürich wurde im Rahmen Bauarbeiten für die SBB-Durchmesserlinie erhöht.

Mit dem 2007 initiierten Projekt «Hochwasserschutz Zürich» soll abgeklärt werden, «welcher Sicherheitsgrad mit welchen Massnahmen zu welchen Kosten möglich, sinnvoll und finanzierbar wäre», schreibt die Baudirektion.