Zürich
Stadt Zürich setzt auf Strassenbau bis 23 Uhr

Baustellen sind für Anwohner und Verkehrsteilnehmer ein notwendiges Übel. Fast schon entschuldigend erklärte Zürichs Stadtingenieur François Aellen gestern vor den Medien, warum das Tiefbauamt auch dieses Jahr 147 Baustellen plant.

Matthias Scharrer
Drucken
Teilen
Ab Montag wird die Riedtlistrasse zur Grossbaustelle – mit Schichtbetrieb bis 23 Uhr.

Ab Montag wird die Riedtlistrasse zur Grossbaustelle – mit Schichtbetrieb bis 23 Uhr.

mts

Diese Zahl entspricht etwa dem Vorjahr. François Aellen: «Pro Tag sind eine Million Verkehrsteilnehmende in der Stadt unterwegs, mit rund 600 000 Fahrten des motorisierten Individualverkehrs.» Die Folge: Abnützung an Strassen und Tramgleisen. Um das Verkehrsnetz in akzeptabler Qualität zu erhalten und die wachsenden Quartiere zu erschliessen, investiere die Stadt daher auch dieses Jahr 150 Millionen Franken in den Strassenbau.

Zu den wichtigsten Projekten zählt dabei die Sanierung der Riedtlistrasse zwischen Schaffhauserplatz und Seilbahn Rigiblick. Wichtig zum einen, weil es sich um eine viel befahrene Durchgangsstrasse handelt; wichtig vor allem aber, weil die Stadt dort auf die sogenannte «intensive Bauweise» setzt. Konkret heisst das: Schichtbetrieb von 6 bis 23 Uhr (dienstags bis freitags) und 7 bis 18 Uhr (montags und samstags).

Sonderbewilligung nötig

Die «intensive Bauweise« wird laut Aellen «in Zukunft wo immer möglich und sinnvoll vermehrt angewendet». Der Grund: «Die Stadt muss auf den wichtigen Verkehrsachsen die Bauzeiten verkürzen.» Um nicht mit den Nachtruhevorschriften in Konflikt zu geraten, brauche es für die «intensive Bauweise» Sonderbewilligungen vom Stadtzürcher Gesundheits- und Umweltdepartement.

Der Vorteil für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer: Die Bauzeit für die 850 Meter lange Riedtlistrasse verkürzt sich massiv. Bei konventioneller Bauweise würde das komplexe Projekt, zu dem der Einbau eines grösseren Wasserspeicherkanals, neue Hausanschlüsse, Swisscom- und Wasserleitungen sowie schliesslich ein neuer Strassenbelag gehören, drei Jahre dauern. Nun veranschlagt Aellen dafür elf Monate - vom kommenden Montag bis November. In Gesprächen mit Anwohnern habe das Argument der deutlich verkürzten Bauzeit überzeugt.

Möglich ist die intensive Bauweise laut Aellen, wenn genug Platz vorhanden ist, um in grösseren Abschnitten zu bauen. An der Rietlistrasse hat dies für den Zeitraum März bis November Umleitungen des Auto- und Veloverkehrs auf der ganzen Strecke zur Folge.

Weitere wichtige Stadtzürcher Strassenbauprojekte sind dieses Jahr:

Bahnhofstrasse: Mit den beiden Abschnitten Paradeplatz-Bürkliplatz und Uraniastrasse-Bahnhofplatz kommt die Sanierung der Bahnhofstrasse voraussichtlich noch vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts 2014 zum Abschluss.

Rosengarten-/Bucheggstrasse: Die Sanierung der Durchfahrtsachse zwischen Hardbrücke und Bucheggplatz läuft zunächst unterirdisch mit Kanalbauarbeiten. Im März sollen dann oberirdische Arbeiten an die Hand genommen werden, ohne dass die Strasse deswegen gesperrt werden müsste. Für die vom Tiefbaudepartement geplanten beiden Zebrastreifen, die Busbevorzugung und das Lichtsignal zur Verkehrsdosierung braucht es allerdings noch die Zustimmung des Regierungsrats.

Birmensdorferstrasse: Die laufende Sanierung dauert bis Mai 2016.

Bernerstrasse: Oberbau und Kanalisierung zwischen Hermetschloobrücke und Schlieren werden von September bis Dezember 2014 erneuert.

Auch für 2015 hat sich das Tiefbauamt bereits grössere Bauprojekte vorgenommen: Dann stehen nach der Neugestaltung des Sechseläutenplatzes, die diesen Frühling vollendet wird, die Sanierung von Bellevue und Quaibrücke an - und die Umgestaltung des Münsterhofs zu einem Stadtplatz, der fortan nicht mehr als Parkplatz dient.

Aktuelle Nachrichten