Strassenverkehr
Stadt Zürich öffnet Nacht-Barrieren - Protest folgt postwendend

Versuchsweise für ein halbes Jahr sind die Barrieren, welche an einzelnen Strassen in Zürich ein Nachtfahrverbot durchsetzen, ausser Betrieb. Einzig die Signalisation soll dann die Autolenker daran hindern, die fragliche Strasse zu befahren.

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Die Barriere an der Himmeribrücke.

Die Barriere an der Himmeribrücke.

Stadt Zürich

Über 70 Barrieren oder Absperrungen wie Pfosten und Scherengitter hat die Stadt Zürich seit 1988 installiert, um in verschiedenen Quartieren Nachtfahrverbote durchzusetzen. Mit diesen sollten insbesondere die Anwohner vor Lärm durch Schleich- und Suchverkehr sowie Auswüchsen wie wildem Parkieren geschützt werden. Etwa in den Rotlichtquartieren wie in der Strichzone im Niederdorf oder in den Ausgehmeilen im Kreis 5.

Als Versuch will die Stadt nun diese Absperrungen wieder abbauen – vorgesehen ist dies ab Montag in acht Gebieten mit insgesamt rund 45 Barrieren. Vor allem der Betrieb, aber auch der Unterhalt sind der Stadt zu teuer geworden. Auf rund eine Million Franken werden die jährlichen Kosten geschätzt. So stehen das ganze Jahr über jede Nacht mehrere Personen einer privaten Sicherheitsfirma im Einsatz. Sie zehren die Absperrungen hervor. Sie setzen die nächtliche Signalisation, indem sie etwa die Drehtafeln auf «Verbot» stellen. Und an fünf Orten muss ein externer Angestellter permanent präsent sein, um die Barrieren zu bedienen. Denn die Anwohner dürfen natürlich auch des Nachts zufahren. Zudem werden unter anderem auch Hotelgäste, die mit dem Auto anreisen, Taxifahrer auf Bestellung oder die Sanitäter, die zu einem Notfall gerufen werden, durchgelassen.

Kritik aus den Quartieren

Der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat kritisiert den angekündigten Abbau der Barrieren: «Wir setzen uns dafür ein, dass die Altstadt ein bewohnbares Quartier bleibt», sagte Präsident Peter Rothenhäusler. Er befürchtet, dass die Belastung wieder zunimmt. Denn die Barrieren seien ja gerade wegen den unzumutbaren Bedingungen installiert worden.
«Die Zufahrtsbeschränkungen sind, auch wenn die Barrieren nun versuchsweise verschwinden, nach wie vor gültig», sagt Heiko Ciceri, der Kommunikationsverantwortliche der städtischen Dienstabteilung Verkehr. Übertretungen des nächtlichen Verbots würden im üblichen Rahmen geahndet.

Die Stadt Zürich muss aber sparen. Im Rahmen der «Leistungsüberprüfung», die alle Ressorts vornehmen müssen, will die Dienstabteilung Verkehr nun eben die Barrieren aus dem Angebot kippen: «Es fragt sich, ob der Aufwand, der durch das abendliche Schliessen und das morgendliche Öffnen der Barrieren notwendig und verhältnismässig ist.»

Ein Verbot ist ein Verbot

Die Stadt geht davon aus, dass sich die Verkehrsteilnehmer längst an die verschiedenen Fahrverbots- und Fussgängerzonen gewöhnt haben. Es ist für die Dienstabteilung Verkehr nicht ersichtlich, weshalb diese nächtlichen Einschränkungen mit zusätzlichen baulichen Massnahmen durchgesetzt werden müssen. Andernorts, sagt Heiko Ciceri, «reicht eine Verbotstafel ja auch aus». Bei einem Halteverbot müsse auch nicht ständig überwacht werden, ob es eingehalten werde.

Ob sich die Verkehrsteilnehmer an das nächtliche Fahrverbot halten, wenn die Barrieren wegfallen, erprobt die Stadt Zürich nun während maximal eines halben Jahres. Der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat bezeichnet dies als «illusorisch»; er befürchtet wieder Lärm und viel Schleichverkehr. «Weshalb es nicht möglich ist, eine kostengünstigere technische Lösung einzurichten, ist für den Quartierverein völlig unverständlich.» An jeder Tiefgarage seien doch automatische Zufahrtskontrollen installiert. Laut Stadt ist aber – wegen der erlaubten, aber unplanbaren Zufahrten von Hotelgästen, Notfall-Handwerkern und Taxis – ein Ticket- oder Chip-System nicht möglich. «Am Ende braucht es doch immer einen stets präsenten Angestellten, der die Barriere im Einzelfall hebt und senkt», sagt Heiko Ciceri.

Falls sich die Annahme, dass sich Autofahrer ohne Barrieren nicht an das Fahrverbot halten, an einzelnen Standorten als falsch erweist, kündigt die Stadt bereits an, den Versuch dort gegebenenfalls abzubrechen. Die Barrieren baut sie, auch wenn sie allenfalls wieder installiert werden müssten, dennoch bereits jetzt ab. «Blieben sie bestehen, könnte dies das Ergebnis verfälschen», begründet Ciceri. Denn sähe ein Autofahrer etwa eine in der Nacht offene Schranke, könnte er daraus denn falschen Schluss ziehen, dass die Zufahrt demzufolge erlaubt sein müsse. «Die Signalisation muss klar sein.»
Die Stadt wird während des Versuchs Verkehrszählungen vornehmen. Zudem ist eine Befragung der Quartierbewohner geplant. Dann wird der definitive Entscheid gefällt.