Hardturm
Stadt Zürich lockert Anforderungen an mögliche Stadion-Investoren

Das Tor für den Bau eines neuen Hardturm-Stadions steht wieder offen. Der Zürcher Stadtrat nimmt die Kritik von Investoren und bürgerlichen Parteien auf und lockert die Anforderungen an mögliche Investoren.

Matthias Scharrer
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In der Mitte das Stadion, rechts davon eine neue städtische Wohnsiedlung, links davon eine Landreserve: So sah die Abstimmungsvorlage 2013 aus. Jetzt können Investoren neu planen, aber nur mit 160 gemeinnützigen Wohnungen.zvg

In der Mitte das Stadion, rechts davon eine neue städtische Wohnsiedlung, links davon eine Landreserve: So sah die Abstimmungsvorlage 2013 aus. Jetzt können Investoren neu planen, aber nur mit 160 gemeinnützigen Wohnungen.zvg

Anfang September hatte der Stadtrat die Rahmenbedingungen für Investoren noch sehr eng definiert: Basis müsse das ein Jahr zuvor aufgrund der hohen Kosten vom Volk knapp abgelehnte städtische Stadionprojekt sowie die damals klar angenommene städtische Wohnsiedlung sein, hiess es damals. Zudem hätten Investoren die bereits angefallenen Planungskosten von 6,5 Millionen Franken übernehmen müssen. Die zuvor interessierten Investoren winkten daraufhin ab. Und das Stadtparlament forderte mehr Flexibilität für die Investoren.

Gestern folgte nun die Kehrtwende des Stadtrats: Das bestehende Stadionprojekt des Badener Architekturbüros Burkard/Meyer und das Wohnbauprojekt des Architekten Bob Gysin sei nur noch «optional», sagte Finanzvorsteher Daniel Leupi vor den Medien. Mögliche Investoren könnten auf allen drei zum Hardturmareal zählenden Baufeldern neu planen. Auch das Baufeld im Westen des Areals, das der Stadtrat ursprünglich als Landreserve vorgesehen hatte, könne ausgenützt werden. «Eine Quersubventionierung des Stadions sollte somit möglich sein», so Leupi. Das Stadion müsse 20 000 Zuschauer fassen, mit Steh- und Sitzplätzen.

In einem Punkt bleibt der Stadtrat jedoch hart: Er hält daran fest, dass mit einem Stadionbau auch der Bau von gemeinnützigen Wohnungen zu verknüpfen ist. Und zwar in der gleichen Grössenordnung wie beim vom Volk gutgeheissenen Wohnprojekt. Konkret heisse dies, dass ein Investor rund 160 Wohnungen zur Kostenmiete anbieten müsse, so Leupi. Gewinne könnten Investoren durch den Bau weiterer Hochhäuser mit marktüblicher Rendite auf dem Areal erwirtschaften. Zulässig seien bis zu 80 Meter hohe Häuser. Zürichs Hochbauvorsteher André Odermatt liess durchblicken, dass bei entsprechender städtebaulicher Qualität auch noch höhere Häuser drinlägen.

Hochhäuser neben dem Stadion

Angesichts des hartnäckigen Widerstands von Anwohnern gegen den Schattenwurf eines früheren Stadionprojekts dürfte aber klar sein: Derartige Hochhausbauten wären wohl nur auf dem Baufeld westlich des Stadions realisierbar. Dies lasse sich aus den gesetzlichen Bestimmungen ableiten, so Odermatt.

Noch offen ist, zu welchen finanziellen Konditionen der Stadtrat das Hardturmareal Investoren überlassen würde. Dessen aktuellen Wert bezifferte Leupi auf 50 Millionen Franken.

Das Immobilienunternehmen Swiss Prime Site hatte der Stadt ein «Gratis-Stadion» angeboten, wenn diese das Land kostenlos zur Verfügung stellen würde. Leupi betonte: «Wenn wir für das Land nicht einen adäquaten Baurechtszins erhalten, bräuchte es einen Volksentscheid.» Für Leupi ist klar, dass der Beitrag der Stadt ans Projekt «gegen null» tendieren muss.

Doch zunächst einmal plant der Stadtrat jetzt einen Investoren-Wettbewerb, um zu klären, wer unter den nun gelockerten Rahmenbedingungen am Ball bleibt. Er beantragt dem Stadtparlament einen Kredit von einer Million Franken für die Wettbewerbs-Durchführung durch ein externes Fachbüro. Der Wettbewerb soll in der zweiten Jahreshälfte 2015 stattfinden. Baubeginn wäre laut Odermatt allerfrühestens 2018.