Zürich
Stadt Zürich: Kulturkampf ums «Nagelhaus»

Wie viel dürfen Kunst und Gastronomie am Escher-Wyss-Platz kosten? 5,9 Millionen Franken sind für das Projekt «Nagelhaus» budgetiert, über das in Zürich am 26. September abgestimmt wird. Es spaltet sowohl die bürgerliche Mitte als auch die Linke.

Matthias Scharrer
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Limmattaler Zeitung

Der Zürcher Freisinn überlegte es sich dann doch anders: Als das Projekt «Nagelhaus» vom Zürcher Stadtparlament im Februar mit klarer Mehrheit durchgewinkt wurde, war er noch dafür. Für die Volksabstimmung am 26.September, welche die SVP per Referendum erzwang, empfiehlt die FDP nun aber ein Nein.

«Lieber nichts als das»

«Hauptgrund sind die Kosten», erklärt FDP-Präsident Michael Baumer den Umschwung. «Man fragt sich, ob es nötig ist, so viel Geld für die Belebung eines Platzes auszugeben, der schon belebt ist.» Die FDP-Gemeinderatsfraktion habe eben «vorwärts machen» wollen, um den unbestrittenen Bau eines WCs und Kiosks am Escher-Wyss-Platz nicht zu verzögern. «Die Delegierten fanden hingegen: Lieber nichts als das», so Baumer weiter.

5,9 Millionen Franken kostet das «Nagelhaus». Es ist eine Mischung aus Kunst- und Architekturprojekt mit Restaurant, Kiosk und WC und soll den neu gestalteten Escher-Wyss-Platz unter der Hardbrücke aufwerten.

Das Projekt spaltet nicht nur die FDP. Auch bei den Mitteparteien EVP und CVP, die schliesslich die Ja-Parole beschlossen, gab es starke Minderheiten für ein Nein. Und selbst die Linke ist gespalten: Während die SP, zusammen mit den Grünen und den Grünliberalen, für ein Ja wirbt, ist die Alternative Liste dagegen.

Mahnmal der Stadtzerstörung

Die AL geht so eine Allianz mit der SVP ein, wenn auch die Gründe für ihr Nein unterschiedlich sind: Die AL kritisiert, dass mit dem «Nagelhaus» unter der Hardbrücke ein «Mahnmal der Stadtzerstörung ästhetisch verkleistert» wird. Der SVP gehts schlicht ums Geld.

Für SP-Co-Präsidentin Andrea Sprecher wirft die Debatte ums «Nagelhaus» die Frage nach dem Stellenwert von Kultur auf. «Für uns ist Kultur Teil des Service public. Das brauchts. Dafür gibt man auch Geld aus», sagt Sprecher.

Den Preis von 5,9Millionen beurteilt sie als «nicht übertrieben, verglichen mit ähnlichen Bauten.» An den ansonsten «trostlosen» Escher-Wyss-Platz gehöre ein Begegnungsort wie das «Nagelhaus». «Mich spricht das an», sagt Sprecher.

Dass es um den Stellenwert von Kultur geht, erschliesst sich auch aus der Mitgliederliste des Komitees «Pro Nagelhaus S.V.P.»: Ex-Expo-Macher Martin Heller ist ebenso dabei wie der Direktor des Paul-Klee-Zentrums Juri Steiner oder Geschichtsprofessor Philipp Sarasin – um nur einige zu nennen.

«5,9 Millionen für e Schiissi!»

Das «Nagelhaus» – ein Kunstobjekt? «Das dünkt mich an den Haaren herbeigezogen», sagt SVP-Präsident Roger Liebi. «Hauptgrund für unser Nein sind die Gesamtkosten. Für ein erweitertes WC mit Kiosk ist das ‹Nagelhaus› viel zu teuer, eine absolute Luxuslösung.»

Das bringt auch der Abstimmungs-Slogan zum Ausdruck, mit dem die SVP in Zürich grossflächig plakatiert: «5,9Millionen für e Schiissi!» Dass zur «Schiissi» auch ein Restaurant mit 60Innen- und ebenso vielen Aussenplätzen am Eingangstor zum Boomquartier Zürich-West gehört, bleibt dabei unerwähnt.

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