Bevölkerungsstatistik
Stadt Zürich hat Sogwirkung für Junge – Familien ziehen aufs Land

Die Bevölkerung des Kantons und der Stadt Zürich wächst und das vor allem durch Zuwanderung. Das statistische Amt des Kantons Zürich hat in einer Studie herausgearbeitet, dass vor allem die Stadt Zürich Sogwirkung hat. Junge kommen für Job und Ausbildung, während Familien aufs Land abwandern.

Matthias Scharrer
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Junge Menschen kommen aufgrund des Jobs und der Ausbildung nach Zürich. Familien ziehen hingegen häufig in ländlichere Gebiete.

Junge Menschen kommen aufgrund des Jobs und der Ausbildung nach Zürich. Familien ziehen hingegen häufig in ländlichere Gebiete.

Keystone

Nächstes Jahr im Juli beginnt die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative mit dem sogenannten «Inländervorrang light». In Berufen mit hoher Arbeitslosigkeit müssen Arbeitgeber ab dann offene Stellen den Arbeitsämtern melden. Dort stehen die Informationen während fünf Tagen ausschliesslich gemeldeten Stellensuchenden zur Verfügung. Ob dies die Zuwanderung erheblich bremsen wird, bleibt abzuwarten.

Eine heute veröffentlichte Studie des Statistischen Amts des Kantons Zürich zeigt nun auf, wie das Bevölkerungswachstum den Kanton in den Jahren 2011 bis 2016 verändert hat. Kernaussage: Die Zuwanderung verjüngt Zürich. «Zwei Drittel der Zuwandernden sind 18 bis 39 Jahre alt. Sie kommen meist wegen eines Jobs oder einer Ausbildung», schreibt Hans-Peter Bucher, der Verfasser der Studie. Handkehrum kehren Familien und ältere Leute dem Kanton Zürich vermehrt den Rücken. Will sagen: Von ihnen wandern mehr aus dem Kanton Zürich ab, als hinzukommen. Was auch damit zu tun habe, dass in der Stadt Zürich die Wohnungen durch den steten Zustrom an Menschen knapp und teuer sind.

Stadt Zürich mit Sogwirkung

Besonders stark trifft der Trend zur Verjüngung durch Zuwanderung gemäss der Studie denn auch auf die Kantonshauptstadt zu. Sie habe als Wirtschaftszentrum und Hochschulstandort eine spezielle Sogwirkung auf junge Leute. Dies führte in Zürich zu einem Sinken des Altersdurchschnitts, während die Zuwanderung im Grossteil des übrigen Kantonsgebiets den Trend zur Überalterung bloss abschwächte.

«Einerseits wandern viele Berufseinsteiger wie auch gut ausgebildete Fachkräfte zu. Andererseits kommen auch Studierende, von denen viele nach Abschluss ihrer Ausbildung ebenfalls bleiben und dem Arbeitsmarkt zugute kommen», schreibt Bucher. «Dadurch kann der Kanton seinen Arbeitskräftebedarf mit jungen Fachleuten decken.»

Wie gross der Fachkräftebedarf ist, zeigte sich dieses Jahr bei den Drittstaatenkontingenten für Spezialisten aus Nicht-EU- und Nicht-Efta-Ländern: Sie waren im Kanton Zürich bereits Ende März ausgeschöpft, wie das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit schrieb. Fürs kommende Jahr hat der Bund die Kontingente erhöht.

Am meisten Deutsche bleiben

Eine weitere Kernaussage der Studie aus dem Statistischen Amt: Das Bevölkerungswachstum im Kanton Zürich ist zum Grossteil aus die Zuwanderung aus dem Ausland zurückzuführen. Dabei wurde 2016 mit 37'300 Neuankömmlingen, die mindestens zwölf Monate blieben, der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2008 egalisiert. Allerdings war damals das Wanderungssaldo, also das auf Zuwanderung zurückzuführende Bevölkerungswachstum, laut Bucher noch höher. 2016 belief es sich auf 14'600 Personen. Das ist nur wenig mehr als der Mittelwert von 14'300 für die Jahre 2011 bis 2016. Die entsprechenden Zahlen für 2017 werden erst kommenden Herbst veröffentlicht.

Auf Anfrage gab Bucher auch bekannt, welches die häufigsten Nationalitäten bei der Zuwanderung 2016 waren: Auf den ersten fünf Plätzen liegen Deutschland mit 6304 Personen, Italien (3173), Spanien (1275), Portugal (1191) und Frankreich (1120) – allesamt EU-Staaten, für die Personenfreizügigkeit gilt. Erst auf dem sechsten Platz folgt mit Eritrea (1017) ein Flüchtlingsland.

Etwas anders sieht die Reihenfolge beim Wanderungssaldo aus: Auf den ersten zwei Plätzen liegen wiederum Deutschland (2014) und Italien (1845), dann aber gefolgt von Eritrea (968), Syrien (826) und Polen (539).

Zuwanderung Kanton Zürich

2011

International: 34'700
Interkantonal: 22'700

2012

International: 33'300
Interkantonal: 20'800

2013

International: 32'800
Interkantonal: 21'300

2014

International: 35'600 
Interkantonal: 23'000

2015

International: 36'200
Interkantonal: 24'300

2016

International: 37'300
Interkantonal: 24'600

Wachstum wegen Ausländern

Die Wanderungsgewinne machen laut Buchers gestern veröffentlichter Studie gut 70 Prozent des Bevölkerungswachstums im Kanton Zürich aus. Sie stammen nahezu vollständig aus dem Ausland. Anders als der Aargau, Thurgau oder Schwyz wächst der Kanton Zürich nämlich nicht aufgrund von landesinterner Migration.

Zu den gut 70 Prozent Wanderungsgewinnen kommen knapp 30 Prozent Geburtenüberschuss hinzu. Und auch dieser geht «mehrheitlich auf das Konto der ausländischen Bevölkerung», wie Bucher schreibt. «Bei der Schweizer Bevölkerung ist der Geburtenüberschuss trotzt steigender Geburtenzahlen nur halb so gross wie bei der ausländischen, da sie im Schnitt älter ist und deshalb die Sterbefälle zahlreicher sind.»

Und selbst beim Wachstum der Schweizer Bevölkerung spielen Ausländer eine Hauptrolle: «Die Bevölkerung mit Schweizer Pass nimmt nur dank der Einbürgerung von ausländischen Staatsangehörigen zu», so Bucher. «Ohne diese Bürgerrechtswechsel verharrt sie auf gleicher Höhe.»