Bevölkerungsbefragung
Stadt Zürich: Genügend Wohnraum ist ein Problem

An sich ist das Resultat beachtlich: 99 Prozent der Bevölkerung Zürich lebt gerne oder gar sehr gerne hier. Das erfüllt den Stadtrat mit Befriedigung, wie Stadtpräsidentin Corine Mauch bei der Präsentation der neusten Bevölkerungsbefragung erklärte.

Alfred Borter
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Keystone

Der Stadtrat will aber nicht nur Lob hören, er will auch wissen: Wo drückt die Leute der Schuh? Eine neuste Bevölkerungsbefragung liefert Antworten. Bei den namhaft gemachten Problemen ist schon seit beginn der Befragungen, also seit 1999, der Verkehr Spitzenreiter. Über 50 Prozent der 2500 befragten Personen ärgern sich darüber. Allerdings wird nicht erheben, ob sie sich über zuviel Autoverkehr, zu wenige Parkplätze oder die das Trottoir benützenden Velofahrer aufregen.

Besonders auffällig ist, dass das Wohnungsproblem vor vier Jahren erst von 7 Prozent genannt worden ist, jetzt aber von 27 Prozent, wie Brigit Wehrli als Direktorin Stadtentwicklung erläuterte.

28 Prozent der Leute gaben an, ihr Mietzins sei im Vergleich zu ihrem Einkommen hoch. Tatsächlich gibt ein gleicher Prozentsatz 30 Prozent des Haushalteinkommens und mehr für das Wohnen aus. Vor allem wer über ein Bruttohaushaltseinkommen von unter 60000 Franken verfügt, gibt einen sehr grossen Anteil für die Wohnung aus.

Wohnumfeld habe sich positiv verändert

Auf die Mietzinse dämpfend wirkt sich aus, dass knapp ein Viertel der Wohnungen Baugenossenschaften oder anderen gemeinnützigen Bauträgern sowie der Stadt selber gehören. Der private Wohnungsmarkt bietet 63 Prozent an, 14 Prozent befinden sich im Eigentum ihrer Bewohner.

Die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation ist hoch, und wer umzieht, tut das in erster Linie, weil er eine grössere oder eine kleinere Wohnung braucht. Nur in 8 Prozent der Fälle erfolgte eine Kündigung durch die Vermieterschaft, und zwar mehrheitlich wegen Abbruch oder Sanierung.

Dadurch gehen vor allem billige Wohnungen verloren. Der Anteil an Wohnungen, die weniger als 1000 Franken kosten, hat sich von 2003 bis heute von 26 auf 14 Prozent fast halbiert. Umso wichtiger sei es, dass günstige Genossenschaftswohnungen den Leuten mit einem tieferen Einkommen zugehalten werden, meinte Brigit Wehrli.

Weiter ergab die Befragung, dass viele Leute speziell in den Kreisen 4 und 5, etwa an der Langstrasse, feststellen, dass sich das Wohnumfeld positiv verändert habe. In Schwamendingen hingegen, zum Teil aber auch im Seefeld, in Witikon oder in Fluntern wurde auf negative Veränderungen hingewiesen.

Hinweise für Handlungsansätze

«Das gibt uns Hinweise darauf, wo wir ansetzen müssen, um die Zufriedenheit unserer Bevölkerung weiter zu erhöhen», meinte Corine Mauch. Es brauche nun noch weitere Auswertungen, bevor man genauer angeben könne, wie die Stadt auf die Resultate der neusten Befragung reagieren wolle.

Nach den Problemfeldern Verkehr und Wohnen rangiert an dritter Stelle der Ärger mit Baustellen. Die Kriminalität kommt erst an fünfter Stelle, nach den Ausländerfragen. «Dass die Kriminalität als geringeres Problem gesehen wird als die Baustellenproblematik, ist positiv zu werten», meinte Brigit Wehrli. Die Baustellenproblematik sei ja eher ein «Luxusproblem» und darauf zurückzuführen, dass sich die Stadt dynamisch entwickle, was an sich nicht negativ zu werten sei. Andere Städte seien diesbezüglich weniger glücklich.

Gute Noten erhält Zürich auch für den öffentlichen Verkehr, für das Kulturangebot, für die Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten und für die Grünanlagen und Parks. Ganz generell geschätzt wird die hohe Lebensqualität. Nicht ganz so gute Noten erhält Zürich für die Kinderbetreuung.