Der Gang durch die Überwachungsschleuse, egal ob in Synagogen, Schulen oder Kindergärten, gehört zum Alltag der Zürcher Juden. 

Überwachungspersonal, Videoüberwachung und schusssichere Fenster gehören zu den Standard-Sicherheitsmassnahmen jüdischer Institutionen in Zürich. Wo dies nicht der Fall ist, soll aufgerüstet werden.

Nun könnte die jüdische Gemeinde erstmals staatliche Unterstützung für ihre Sicherheitsmassnahmen bekommen.

«Die Sicherheitskosten sind nochmals angestiegen und für die jüdischen Gemeinden fast nicht mehr tragbar», sagt der Zürcher Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Der Staat habe eine allgemeine Schutzaufgabe – auch gegenüber Minderheiten. Die jüdische Gemeinschaft stehe wie keine andere im Fokus von Terroranschlägen.

Wolff reagiert damit auf die Forderungen von Shella Kerész, Präsidentin der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), die Stadt Zürich solle die Hälfte der Sicherheitsausgaben übernehmen.

Ihre Gemeinde könne die Kosten kaum mehr selber tragen, wenn sie nicht andere Leistungen herunterfahren wolle.

Gemäss  «Tages-Anzeiger» investiert die jüdische Gemeinde bereits seit Jahren hohe Beträge für die Sicherheit. Allerdings haben die Ausgaben nun einen Höchststand erreicht. Die ICZ gibt rund 800 000 Franken für den Schutz ihrer 2500 Gemeindemitglieder aus. 

Diese Ausgaben hätten sich gemäss ICZ innert zwei Jahren verdoppelt.  Da es in der Schweiz keine staatliche Unterstützung zum Schutz religiöser Minderheiten gibt, muss die Gemeinde dafür selbst aufkommen.

Die Anschläge in Paris vom November  sind jedoch nicht der  einzige Grund warum die Gemeinschaft gerade jetzt in die Offensive tritt.

Bereits im Dezember gab es  Signale für ein Entgegenkommen der Stadt Zürich. Damals fand in Bern eine Tagung zur Lage der jüdischen Minderheiten in der Schweiz statt. Das Hauptthema der Sitzung: der Steigende Bedarf nach Sicherheit.

Polizeivorsteher Wolff sagte an einer Podiumsdiskussion, dass die Verantwortung für den Schutz der Juden nicht zwischen Stadt und Kanton hin- und hergeschoben werden könne. Der Staat stehe bei diesem Thema klar in der Pflicht.

Auch das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unter Bundesrat Guy Parmelin (SVP) gründet zurzeit eine Arbeitsgruppe, die Schutzmassnahmen für jüdische Einrichtungen erarbeiten soll.

Gemäss  «Tages-Anzeiger» werden verschiedene Möglichkeiten besprochen: Finanzielle Begleitung oder Polizei- bis zu Armeeschutz. Es stelle sich die Frage, ob das Rahmenabkommen zum Schutz nationaler Minderheiten das in der Schweiz seit 1999 gilt, dafür die Gesetzeslegitimation liefert.

Der Kanton Zürich, unter anderem weil er mit rund 6000 Mitgliedern die grösste jüdische Gemeinschaft beheimatet, könnte dabei als Modellfall dienen.