«Oft wird beim Thema Sicherheit einseitig fokussiert», sagte Zürichs Polizeidepartementschef Daniel Leupi am Mittwoch vor den Medien. Um die Diskussion zu versachlichen, habe er erstmals einen umfassenden Bericht erstellen lassen, der die Sicherheit in Zürich vielschichtig darstelle.

Zusammen mit Fachleuten aus seinem Departement präsentierte der Stadtrat der Grünen nun den Sicherheitsbericht. Fazit nach der Lektüre: Zürich ist in den letzten fünf Jahren in weiten Teilbereichen, die unter dem Begriff «Sicherheit» zusammengefasst werden, sicherer geworden.

«Gewalt ist nicht mehr in»

So hat sich die Zahl der Jugendgewalt-Delikte von 2009 bis 2011 halbiert und stieg 2012 nur leicht an. «Gewalt ist nicht mehr in», sagte Stadtpolizei-Major Jürg Zingg. Hintergrund seien verstärkte Präventionsmassnahmen.

Auch die prekäre Situation auf dem Strassenstrich habe durch verstärkte Kontrollen und die neue Prostitutionsgewerbeverordnung «eingedämmt» werden können. Der neue Strichplatz in Zürich Altstetten soll laut Leupi im August 2013 in Betrieb genommen werden.

Gewalt im Umfeld von Sportveranstaltungen sei «nach wie vor problematisch», aber dank massiven Polizeiaufgeboten nicht mehr angestiegen, heisst es im Bericht weiter.

Die Stadtpolizei Zürich geht von 50 bis 80 «gefährlichen Risikofans» in Zürich aus. 2012 sprach sie 24 Rayonverbote aus. Über eine Ausweitung von Präventivmassnahmen wie Rayonverboten wird im Kanton Zürich am 9. Juni abgestimmt.

Auch die Anzahl der Straftaten gegen Leib und Leben blieb stabil. Und: Die Zahl der «Nachtstadt-Ereignisse» - gemeint sind Vorfälle wie Körperverletzung, Tätlichkeiten, Lärm, Sachbeschädigungen und übermässiger Alkohol-Konsum zwischen Mitternacht und frühmorgens - nahm in den letzten beiden Jahren leicht ab.

Trendwende in der Nacht?
Vor allem die «Nachtstadt-Ereignisse» hatten in den Vorjahren stark zugenommen und für Diskussionen gesorgt. Hintergründe waren zum einen die Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes 1998, nach der sich die Zahl der Nachtcafés in Zürich versiebenfachte; zum anderen der Ausbau des Nachtnetzes im öffentlichen Verkehr ab 2003, der die Stadt an den Wochenenden fast rund um die Uhr gut erreichbar machte.

Ob die 2011 und 2012 verzeichnete leichte Abnahme der «Nachtstadt-Ereignisse» anhalte, sei schwer vorauszusagen. Leupi warnte davor, von einer Trendwende zu reden. Auch verregnete Sommer könnten zur Abnahme beigetragen haben.

Die 24-Stunden-Gesellschaft werde vor allem an den Wochenenden und in den citynahen Stadtkreisen 1, 4 und 5 die Polizei weiterhin stark beschäftigen - besonders nachts, wenn die meisten Polizisten frei haben.

Deshalb hat Leupi das Projekt «Night Police» lanciert und beantragt beim Stadtparlament dafür 30 zusätzliche Stellen. Entsprechende Arbeitszeitmodelle will Leupi bis Herbst erstellen lassen. Ziel sei es, die Finanzierung der neuen Stellen ins Budget 2014 zu bringen.

Getrübt wird das Bild von der Sicherheit in Zürich durch die Verdoppelung der Anzahl Diebstähle in den letzten fünf Jahren. Auch die Zahl der Einbrüche nahm zuletzt im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft zu.

Als Ursache nennt die Polizei primär den Kriminaltourismus aus Osteuropa und die verstärkte Zuwanderung von Asylsuchenden aus Nordafrika.

Verkehrsunfälle auf Tiefststand

Einen markanten Anstieg verzeichnete die Stadtpolizei auch bei den Verkehrsunfällen, an denen Velofahrer beteiligt waren, sowie bei den Unfällen an Zebrastreifen. Insgesamt hat die Zahl der gemeldeten Verkehrsunfälle in Zürich aber einen Tiefststand seit 1945 erreicht.

Allerdings steigt die Zahl der Schwerverletzten, was laut dem Bericht auf eine Verlagerung hin zu mehr Velo- und Fussverkehr hindeutet.
Leupis Fazit: «Zürich hat eine gute bis sehr gute Sicherheitslage.»

Das wiederspielgle sich in den Bevölkerungsbefragungen, laut denen das Sicherheitsgefühl in Zürich seit Jahren zunimmt. Dennoch gelte es, Herausforderungen anzugehen - mit Projekten wie «Night Police» oder dem Masterplan Velo, der bessere Infrastruktur und mehr Prävention beinhaltet.