Ökologie

Stadt Zürich investiert 90 Millionen Franken in Klärschlamm-Anlage

Werdhölzli: Am Standort der heutigen vier Nachfaultürme entsteht die neue Schlammbehandlungszentrale.

Das Klärwerk Werdhölzli, grösste Kläranlage der Schweiz, rüstet sich für eine ökologischere Zukunft: Die Stadt Zürich baut dort eine neue Klärschlammanlage, die auch Biogas liefern soll. Es ist nicht das einzige Projekt für den ökologischen Umbau im Werdhölzli.

Im Stadtzürcher Klärwerk Werdhölzli an der Limmat landet täglich Abwasser von rund 700 000 Personen. Nebst den gut 400 000 Einwohnern der Stadt betätigen auch Pendler und Touristen regelmässig die Klospülungen der Stadt. Zudem wird der getrocknete Klärschlamm aus dem gesamten Kanton Zürich in die grösste Kläranlage der Schweiz geliefert.

Nun beginnen dort die Bauarbeiten für eine weitere Grossinvestition: Bis 2024 sollen die aus den 1980er-Jahren stammenden Anlagen zur Klärschlammbehandlung erneuert werden. Der Stadtrat hat dafür 90 Millionen Franken bewilligt. Stadtrat Richard Wolff (AL) und Peter Wiederkehr, Leiter des Klärwerks Werdhölzli, nahmen gestern den Spatenstich vor.

«Auch angesichts der Klimadebatte ist dies ein wichtiges Projekt», sagte Wolff. Schliesslich entwickle sich das Werdhölzli immer mehr in Richtung Recycling und Ressourcenbewirtschaftung.

Biogas für 5000 bis 7000 Haushalte

So würden aus der Klärschlammverarbeitung jährlich 8,5 Millionen Kubikmeter Klärgas gewonnen. Einen kleinen Teil davon verbraucht das Klärwerk selbst als Energiequelle. Der Grossteil wird als Biogas verkauft. Damit lassen sich laut Wolff 5000 bis 7000 Haushalte beheizen, immerhin knapp drei Prozent der Stadtzürcher Haushalte. Die CO2-Einsparung bezifferte der Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements auf jährlich 14 000 Tonnen.

Im Rahmen des 90-Millionen-Projekts werden die bestehenden Schlammbehandlungsanlagen teils zurückgebaut und ersetzt, teils erneuert. Am Standort der heutigen vier Nachfaultürme entsteht die neue Schlammbehandlungszentrale. Bis 2024 soll das bei laufendem Betrieb durchgeführte Bauprojekt abgeschlossen sein. Für die Vergabe der Arbeiten seien über 30 Submissionen durchgeführt worden, sagte Werdhölzli-Leiter Wiederkehr.

Es ist nicht das einzige Bauvorhaben, das im Klärwerk Werdhölzli derzeit läuft. Anfang Jahr bewilligte das Stadtzürcher Stimmvolk 129 Millionen Franken für den Bau des Energieverbunds Altstetten. Mit ihm soll unter anderem Abwärme aus dem Werdhölzli künftig besser genützt werden. Die erste Bauetappe ist im Gang und soll 2020 fertig sein.

Zudem will Wolff die Solaranlagen auf dem 300 000 Quadratmeter grossen Areal des Klärwerks Werdhölzli ausbauen. Im Moment versorgen sie laut dem AL-Stadtrat rund 200 Haushalte, künftig sollen es deren 1000 sein.

Ein weiteres Ökoprojekt, das derzeit entwickelt wird, ist die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlammasche. Phosphor ist eines der wichtigsten Düngemittel und damit für die Nahrungsproduktion bedeutend. Doch die weltweiten Reserven sind beschränkt. Gemäss Vorgaben des Bundes muss deshalb ab 2026 der in Asche aus verbranntem Klärschlamm vorhandene Phosphor wiederverwertet werden. Ein entsprechendes Vorprojekt läuft im solothurnischen Zuchwil und soll 2020 abgeschlossen sein.

Einstweilen wird die im Werdhölzli anfallende Asche in Deponien zwischengelagert. Laut Wiederkehr handelt es sich um jährlich rund 14 000 Tonnen Asche. Während der letzten vier Jahre landeten sie in der Deponie Teuftal bei Bern. Seit Juli ist die Deponie Cholwald (NW) Zürichs Zwischenlager für Klärschlammasche.

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