Zürich
Stadt und SBB bauen den Negrellisteg beim Hauptbahnhof nun doch

Die Fussgängerbrücke Negrellisteg soll im Herbst 2020 eröffnet werden. Ab Freitag liegt das Projekt öffentlich auf.

Lina Giusto
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Zwischen dem Gustav-Gull-Platz beim Zentralstellwerk (links) und dem Negrelliplatz soll eine Fussgängerbrücke entstehen. (Visualisierung)

Zwischen dem Gustav-Gull-Platz beim Zentralstellwerk (links) und dem Negrelliplatz soll eine Fussgängerbrücke entstehen. (Visualisierung)

zvg/Stadt Zürich

160 Meter lang, mit lediglich je zwei Stützen nahe der spiralförmigen Auf- und Abgänge: So soll die Fussgängerbrücke Negrellisteg ab Herbst 2020 die Europaallee mit dem Stadtzürcher Kreis 5 verbinden. Ab Freitag soll das gemeinsame Vorprojekt von der Stadt Zürich und den SBB während 30 Tagen aufliegen.

Damit ist das langjährige Hin und Her für eine Verbindung über das Gleisfeld beim Zürcher Hauptbahnhof eine Runde weiter. Wenn auch in abgespeckter Form: Ursprünglich war ein 30-Millionen-Franken-Steg für Fussgänger und Velofahrer vorgesehen. 2011 präsentierte das Architektenteam von Flint & Neill mit Sitz in London und Paris einen geschlossenen Negrellisteg mit ornamentförmigen Fenstern. Wegen der für die Stadt zu hohen Kosten wurde das Projekt schrittweise bis 2016 versenkt.

AZ

Auf protzig und teuer folgt nun schlicht und schlank. Wegen des geplanten Velotunnels unter dem Hauptbahnhof durch ist der neue Negrellisteg als Stahlbrücke zwischen Gustav-Gull-Platz beim Zentralstellwerk und Negrelliplatz bei der Klingenstrasse als reine Fussverbindung konzipiert. Das 11-Millionen-Franken-Projekt soll je zur Hälfte von der Stadt und den SBB finanziert werden. Zwar wird in der Medienmitteilung eine wünschenswerte finanzielle Beteiligung von weiteren Grundeigentümern erwähnt. Auf Angaben, um wen es sich dabei handelt, verzichten auf Anfrage beide Parteien. Marc Sgier, Sprecher des Tiefbauamtes der Stadt Zürich, sagt auf Anfrage lediglich: «Die Gespräche sind im Gang.» Zumindest ist klar, dass die beiden Areale – die Europaallee sowie die 600-Quadratmeter-Brache auf der Nordseite des Gleisfeldes – den SBB gehören.

Brache soll aufgewertet werden

Eines der Grundstücke zwischen Hauptbahnhof und Langstrasse treten die SBB nun der Genossenschaft Kalkbreite befristet in Gebrauchsleihe ab, wie beide Parteien in einer Mitteilung bekannt geben. Genau dort, wo der Negrellisteg auf Höhe der Amboss-Rampe-Bar endet, soll nämlich der sogenannte Zollgarten entstehen. Ob das Grundstück als Sportplatz, Gemüsemarkt oder Tauschbörse genutzt wird, ist noch offen. Die Genossenschaft will auf dem von den SBB kostenlos zur Verfügung gestellten Areal zwischen der Überbauung HB Nord und dem genossenschaftlichen Wohnprojekt Zollhaus einen Nischenplatz für mobile Küchen, experimentelle Gartenarbeit und Pop-up-Bühnen schaffen, wo «Kommerz nicht im Zentrum steht». Entlang der Gleise soll «ein Erholungsraum und Spielort für die Nachbarschaft» entstehen, teilt die Genossenschaft mit.

Kreditantrag bald im Parlament

Mitte Mai sollen an einer Informationsveranstaltung über die Gestaltungsmöglichkeiten des Zollgartens diskutiert werden. Dass die SBB das Areal in Gebrauchsleihe an die Genossenschaft befristet abtreten, hat mit dem Ziel zu tun, nicht gewinnorientierte, quartierbezogene Veranstaltungen und Nutzungen zu ermöglichen, wie SBB-Sprecher Olivier Dischoe auf Anfrage sagt: «Das Grundstück des Zollgartens eignet sich aufgrund seiner Grösse und Lage sehr gut für eine Nutzung ‹vom Quartier fürs Quartier›.»

Dass die Neuigkeiten zum Zollgarten und zum Negrellisteg zusammenfallen, sei Zufall: «Es gibt keinen Zusammenhang. Der Bau des Negrellistegs ist die Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe. Er ist im kommunalen Verkehrsrichtplan eingetragen», so Sgier. Den dafür notwendigen Kreditantrag will die Stadt noch in diesem Jahr dem Gemeinderat unterbreiten.

Velotunnel verzögert sich

Ein Tunnel unterhalb des Hauptbahnhofes in Zürich existiert bereits. Und zwar seit einem Vierteljahrhundert. Damals wurde der Tunnel gebaut, um die Autobahnen A1 und A3 unterirdisch miteinander zu verbinden. 2011 prüfte das Tiefbauamt der Stadt Zürich den Ausbau des 191 Meter langen Tunnels zu einem Veloweg. Geplant war eine Inbetriebnahme 2014. Wegen des Baus der Durchmesserlinie Löwenstrasse musste das Projekt aber hinten anstehen. 2016 wagte die Stadt einen erneuten Anlauf.

Nun macht ihr aber der Kanton einen Strich durch die Rechnung, wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich schrieb. Genauer gesagt fordert die Volkswirtschaftsdirektion, dass der Tunnel auch für Elektro-Roller zugänglich ist. Weil diese keine eigene Fahrzeugkategorie bilden, müsste die Röhre für alle Motorräder geöffnet werden. Mit dieser Einsprache verzögert sich der Baustart um weitere neun Monate. Die Fertigstellung wird damit frühestens für Herbst 2021 erwartet. (GIU)