Flughafen Zürich
Stadt und Kanton kritisieren Südstarts geradeaus bei Nebel

Der Zürcher Regierungsrat und der Stadtrat von Zürich sind erleichtert, dass der Bundesrat auf die ursprüngliche Flugroute direkt über das Stadtzentrum von Zürich verzichtet, wie sie in ihren Stellungnahmen zum angepassten SIL-Objektblatts für den Flughafen Zürich schreiben.

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Die Südabflüge vom Zürcher Flughafen könnten in einigen Jahren Realität werden. Das hat der Bundesrat trotz Protest aus Zürich entschieden. (Archivbild)

Die Südabflüge vom Zürcher Flughafen könnten in einigen Jahren Realität werden. Das hat der Bundesrat trotz Protest aus Zürich entschieden. (Archivbild)

KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Der Zürcher Stadtrat nimmt aber mit Unverständnis zur Kenntnis, dass mit der SIL-Anpassung regelmässige Südstarts geradeaus bei Nebel und Bise möglich sind. Nach Ansicht des Regierungsrates bleibt insbesondere die Notwendigkeit von Südstarts geradeaus bei Nebel "nach wie vor unzulänglich begründet".

Der Stadtrat begrüsst es, dass die Südstarts geradeaus über Mittag und die "Bellevue-Kurve", die langgezogene Rechtskurve in geringer Höhe über die Zürcher Innenstadt, vom Tisch sind, wie er in seiner Mitteilung schreibt. Der Tiefflug über dichtest besiedeltes Gebiet im Süden des Flughafens sei lärmtechnisch die schlechteste aller Variante. Südstart geradeaus müssten die Ausnahme bleiben.

Dass der Bundesrat dem Antrag des Kantons, den Einsatz des neuen Bisen- und Nebelkonzeptes jährlich in einem Monitoring auszuweisen, nicht entsprochen hat, wird von Regierungs- und Stadtrat kritisiert.

Der Regierungsrat anerkennt aber, dass die andere vorgesehene Massnahmen einen positiven Beitrag zur Erhöhung der Sicherheitsmarge des Flugbetriebs leisten. Er erhofft sich auch, dass die siebenstündige Nachtruhe künftig besser eingehalten wird.

Allgemeine Unzufriedenheit bei Vereinen

Die verschiedenen Vereine, Verbände und Organisationen rund um den Flughafen, die am Mittwoch zu den SIL-Änderungen Stellung bezogen, reagierten unzufrieden - aus unterschiedlichen Gründen.

So nimmt die Vereinigung "Pro Flughafen" zwar mit Erleichterung zur Kenntnis, dass "die drängendsten und akutesten betrieblichen Probleme am Flughafen Zürich gelöst werden". Aber die mittel- und langfristigen Kapazitätsengpässe würden nicht behoben, kritisiert sie. "Dies widerspricht dem klaren Auftrag des SIL."

Das Komitee weltoffenes Zürich stuft die Anpassungen deshalb als blosse "Pinselrenovation" ein: Es würden nur einige Fragen der Gegenwart angegangen, grundlegende raumplanerische Fragen aber nicht angepackt.

Im Süden des Flughafens stösst erwartungsgemäss der neue Südstart geradeaus bei Bise und Nebel auf Kritik: "Der Bundesrat fährt mit der Dampfwalze über eine ganze Region", hält das Fluglärmforum Süd fest.

Der Verein "Flugschneise Süd - Nein" und die Stiftung gegen Fluglärm bezeichnen den Entscheid als "Totalversagen der Politik" und "Verrat an der Bevölkerung". Sie befürchten "einen Aufstand der Bevölkerung, wenn die Südstarts geradeaus tatsächlich eingeführt werden".

Im Norden des Flughafens ärgert man sich derweil über die im SIL vorgesehenen Pistenverlängerungen: Diese seien sowohl sicherheitstechnisch als auch betrieblich unnötig, schreibt die IG-Nord. Es werde mit Scheinargumenten auf eine Kapazitätsausweitung hingearbeitet, welche die Bevölkerung im Norden noch stärker belasten werde.