Zürich
Stadt- und Gemeinderat sind dafür: Ökologische Ernährung soll ins Gesetz

Zur Zürcher 2000-Watt-Gesellschaft soll neben der Energieeffizienz auch nachhaltiges Essen gehören.

Lina Giusto
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Ein Gemüse- und Obststand an der Veganermesse «Vegana» im Sihlcity in Zürich.

Ein Gemüse- und Obststand an der Veganermesse «Vegana» im Sihlcity in Zürich.

Chris Iseli

Neben Wohnen und Mobilität belastet auch die Ernährung der Menschen die Umwelt. Dies belegt eine Studie des Bundesamtes für Umwelt aus dem Jahr 2011. Als zentraler Treiber der Belastungen von Natur und Umwelt führt die Studie die Landwirtschaft auf. Namentlich wird die maschinelle Bodenbearbeitung, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie der weltweite Sojaanbau, der zu 80 Prozent für die Produktion von Tierfutter verwendet wird, ins Feld geführt.

Weil gemäss dem überparteilichen Initiativkomitee «Sentience Politics» die Schweizer Politik den Nachhaltigkeitsdiskurs bei der Ernährung zu wenig berücksichtigt, reichten Mitglieder der Stadtzürcher Grünen, Jungen Grünen, SP und JUSO die Volksinitiative «Nachhaltige und faire Ernährung» ein. Das Komitee wollte so die Förderung der ressourcenschonenden Ernährung durch die Stadt in der Gemeindeordnung verankern. Obwohl der Stadtrat die Initiative ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung empfahl, formulierte die Mehrheit des Gemeinderates eine entsprechende Vorlage.

In der Folge hat das Initiativkomitee sein Begehren zurückgezogen. Das Zürcher Stimmvolk stimmt am 26. November über den Gegenvorschlag ab, weil auch dieser eine Änderung der Gemeindeordnung vorsieht. Er geht aber deutlich weniger weit als die Forderungen von «Sentience Politics». Neben der Bildung einer städtischen Stiftung zur Förderung der pflanzlichen Ernährung verlangten sie bei öffentlichen Veranstaltungen sowie in den öffentlich-rechtlichen Betrieben eine verstärkte vegetarische und vegane Verpflegung.

Ernährung: So setzt sich die Stadt ein

Die Stadt Zürich setzt sich bereits verschiedentlich für die Förderung einer nachhaltigen Ernährung ein. Hier eine Auswahl der von der Stadt unterstützten Projekte zur Veranschaulichung:

Milan Urban Food Policy Pact:

2015 hat sich die Stadt Zürich mit dem Mailänder Abkommen verpflichtet, das lokale Ernährungssystem zu fördern. Der Ansatz reicht von der Produktion über die Verarbeitung bis hin zur Lieferung und Entsorgung von Lebensmitteln.

Masterplan Umwelt 2017-2020:

Neben der ökologischen Gestaltung der städtischen Mobilität gehört auch die nachhaltige Ernährung zu den städtischen Handlungsfeldern. Mit einem ausgewogenen Ernährungsangebot in den stadteigenen Verpflegungsbetrieben und der Reduktion von Lebensmittelabfällen wird eine Reduktion der Umweltbelastungen angestrebt.

Lancierung von Ernährungsfestivals:

Mit dem Anlass «Zürich isst» hat die Stadt zusammen mit der Stiftung Mercator 2015 erstmals während eines Monates Veranstaltungen rund um das Thema der nachhaltigen Ernährung durchgeführt. Im September 2017 wurde eine zweite Veranstaltung «Food Zurich» während elf Tagen durchgeführt. Zudem versucht die Stadt Zürich, mit dem Tag des Stadtgerichts die Lebensmittelverschwendung einzudämmen.

Im nun zur Abstimmung kommende Gegenvorschlag wird auf einen neuen Gesetzesartikel verzichtet, dafür aber jener, der die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft definiert, ergänzt. Damit soll die Reduktion des Energieverbrauchs und des C02-Ausstosses sowie die Förderung der Energieeffizienz folgendermassen ergänzt werden: Die Stadt setzt sich für «die Förderung der umweltschonenden Ernährung und die Information über den Einfluss der Ernährung auf das globale Klima» ein.

Stadt- und Gemeinderat empfehlen, die Vorlage anzunehmen. Sie wollen damit den Grundstein für eine umweltfreundliche Ernährung und damit einen Beitrag an die Gesundheit der Bevölkerung leisten.

Während die städtische SVP, FDP, CVP, BDP und AL keinen Handlungsbedarf bei den persönlichen Essgewohnheiten sehen, unterstützen die SP, die Grünen und die GLP die Vorlage. Die nicht im Gemeinderat vertretene EVP hat noch keine Parole ergriffen.