Zürich

Stadt plant «mediterrane Nächte» — Bars dürfen bis 2 Uhr offen haben

Welche Gartenbeizen zu den auserwählten zählen, gibt die Polizei im Frühling bekannt. Im Bild «Frau Gerolds Garten».

Welche Gartenbeizen zu den auserwählten zählen, gibt die Polizei im Frühling bekannt. Im Bild «Frau Gerolds Garten».

Rund 1600 Gartenbeizen dürfen in Zürich nächsten Sommer manchmal bis 2 Uhr morgens offen haben. Die neue Regelung gilt nicht für alle, sondern nur für Gartenbeizen, die sich nicht in reinen Wohn- oder Erholungszonen befinden.

Die Forderung nach «mediterranen Wochen» in Zürich war im Frühling im Gemeinderat aufgekommen und auf breite Zustimmung gestossen. Nun plant der Stadtrat die Umsetzung, wie das Sicherheitsdepartement gestern mitteilte: Im Rahmen eines Versuchs dürfen zahlreiche Gartenbeizen in den nächsten Sommerferien an einzelnen Wochenenden bis 2 Uhr morgens offen haben.

Die neue Regelung gilt nicht für alle, sondern nur für Gartenbeizen, die sich nicht in reinen Wohn- oder Erholungszonen befinden. Auch Restaurants in Innenhöfen werden nicht von der Verlängerung Gebrauch machen dürfen. Um das Ganze möglichst quartierverträglich zu gestalten, sind pro Quartier jeweils nur zwei Wochenenden für den Versuch auserwählt:

In Zürich-West (Stadtkreise 3, 4, 5 und 9) sind dies die Nächte auf Samstag und Sonntag vom 11./12. Juli und 1./2. August;

in der Innenstadt (Kreise 1, 2 und 8) sollen die «mediterranen Nächte», wie sie der Stadtrat nennt, am 18./19. Juli und am 8./9. August stattfinden;

in den übrigen Stadtteilen (Kreise 6, 7, 10, 11 und 12) am 25./26. Juli und 15./16. August.

Welche Restaurants sich daran beteiligen dürfen, werde die Polizei im Frühling auf einer Liste im Internet veröffentlichen, sagte ein Sprecher des Sicherheitsdepartements auf Anfrage. Es seien rund 1600. Kurz vor den Sommerferien werde die Liste dann noch aktualisiert.

Der Einsatz von Lautsprechern und Livemusik ist in den «mediterranen Nächten» verboten, wie es in der Stadtrats-Mitteilung heisst. Der Versuch solle wissenschaftlich begleitet und ausgewertet werden. Danach entscheide die Stadt über eine allfällige definitive Einführung solcher «mediterranen Nächte».

Die Kritik auf die Neuerung kam gestern postwendend: Kurz nach dem Stadtrats-Communiqué traf eines der Gruppe «Innenstadt als Wohnquartier» ein, in der sich mehrere Quartiervereine zusammengetan haben. Titel: «Das Mass ist voll: Die Innenstadtquartiere sind als Wohnquartiere gefährdet!» Die Quartiervereine würden mit allen Mitteln politisch und juristisch gegen die mediterranen Nächte und den «Kommerzialisierungs-, Eventisierungs- und Liberalisierungswahn» kämpfen, heisst es in der Mitteilung.

Den Bewohnerinnen und Bewohnern der Innenstadt sei bewusst, dass von ihnen eine höhere Toleranz bezüglich Nutzung des öffentlichen Raums erwartet werde. Diese sei auch vorhanden. Im Stadt- und Gemeinderat fehle es jedoch am Bewusstsein für die Bedürfnisse der Quartierbewohner.

Andri Silberschmidt

Andri Silberschmidt

«Innenstadtquartiere sind unter enormem Druck»

Die Situation sei bereits jetzt schwierig, sagte Felix Stocker, Vorstandsmitglied des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat, gestern auf Anfrage: «Die Innenstadtquartiere sind unter enormem Druck. Die Nachtruhe wird nicht durchgesetzt.» Hinzukommen laut Stocker Abfall, Erbrochenes, Fäkalien, Verkehrsimmissionen durch Nachtschwärmer und Lieferanten frühmorgens.

Die «mediterranen Nächte» seien der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe. «Es ist im Interesse der ganzen Stadt, dass auch die Innenstadtquartiere Wohnquartiere sind», sagte Stocker, der kürzlich als SP-Gemeinderat zurückgetreten ist. «Wir klären ab, ob man gegen den Versuch rekurrieren kann.»

Da dieser auf die Sommerferien gelegt sei, liefere er ohnehin kein aussagekräftiges Bild über die Folgen einer allfälligen späteren Ausweitung der «mediterranen Nächte».
Neu-Nationalrat Andri Silberschmidt (FDP), der als Gemeinderat zusammen mit Nicole Giger (SP) den Anstoss zu den «mediterranen Nächten» gegeben hatte, begrüsst die Pläne des Zürcher Stadtrats: «Es ist schön, dass das Postulat nun umgesetzt wird. Das ist ein erster Schritt», sagte er auf Anfrage. «Natürlich wollten wir mehr», so Silberschmidt. «Vielleicht kann der Versuch ja nach einem Jahr ausgeweitet werden.»

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