Zürich

Stadt findet Siebers Notschlafplätze für Arbeitsmigranten unnötig

Pfarrer Sieber bietet Randständigen einen Plat zum Schlafen (Archiv)

Pfarrer Sieber bietet Randständigen einen Plat zum Schlafen (Archiv)

Arbeitssuchende aus Rumänien, Bulgarien, Italien oder Spanien haben seit heute in Zürich eine eigene Notschlafstelle. Am neuen Angebot der Sozialwerke Pfarrer Sieber hat die Stadt allerdings keine Freude.

Wie schon vergangenen Winter spüren Einrichtungen für Randständige einen grossen Andrang von Arbeitsmigranten. 2012 war etwa Pfarrer Siebers Pfuusbus in Zürich schon in der dritten Nacht nach Eröffnung im November voll belegt. Auch dieses Jahr übersteigt die Nachfrage das Angebot klar.

Die Sozialwerke Pfarrer Sieber bieten deshalb ab heute in einer Notunterkunft in Seebach 20 zusätzliche Schlafplätze ausschliesslich für Ausländer auf Arbeitssuche an. Anders als im Pfuusbus, den die Arbeitsmigranten nach drei Nächten wieder verlassen müssen, können sie in der neuen Einrichtung maximal sieben Nächte bleiben. Das neue Hilfsangebot soll voraussichtlich bis Mitte März aufrechterhalten werden.

Das Sozialdepartement der Stadt Zürich hat allerdings keine Freude an Pfarrer Siebers neustem Streich: Wie der „TagesAnzeiger" berichtet, hält Sozialvorsteher Martin Waser (SP) das Angebot für nicht nötig. „Einen Notstand haben wir nicht. Wir schauen, dass in der Stadt niemand erfriert", sagt Waser. Die Stadt betreibe in frostigen Nächten Kältepatrouillen. Und sie biete mittellosen Arbeitssuchenden aus dem EU-Raum Nothilfe an. Konkret ermöglicht Zürich den Arbeitsmigranten eine rasche Heimreise.

Städtische Notschlafstelle nur für Zürcher

Die Tore der städtischen Notschlafstelle sind für Arbeitssuchende aus dem Ausland allerdings geschlossen: Sie nimmt nur Stadtzürcher und Personen aus dem Kanton Zürich auf, die von ihrer Wohngemeinde zugewiesen werden. Andere Obdachsuchende werden nur in Notfällen und nur für eine Nacht aufgenommen.

Sozialvorsteher Martin Waser warnt davor, dass Angebote wie Siebers Notschlafstelle bei Wanderarbeitern eine Sogwirkung nach Zürich auslösen und die Situation so noch verschärfen könnten. Daran glaubt Walter von Arburg, Pressesprecher der Sozialwerke Pfarrer Sieber, nicht: Die neue Noteinrichtung biete keine Mahlzeiten und sei ein einfach eingerichtetes Massenlager, sagte er gegenüber dem „TagesAnzeiger". Wie es in einer Mitteilung der Sozialwerke Pfarrer Sieber heisst, müssen die Gäste während des Aufenthalts ihre nähere Zukunft in der Schweiz, respektive ihre Rückreise organisieren.

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