Zürich
Stadt erfasst über 8000 Namen der Rotlicht-Szene - auch das Bar – und Empfangspersonal

Die Stadt Zürich führt über 8000 Personen in der Milieu-Datenbank - erfasst sind nicht nur Prostituierte, sondern auch Bar- und Garderobenpersonal von Salons.

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Aktuell sind in der Datenbank 8‘247 Namen gespeichert, 7‘596 Frauen und 651 Männer (Symbolbild).

Aktuell sind in der Datenbank 8‘247 Namen gespeichert, 7‘596 Frauen und 651 Männer (Symbolbild).

Keystone

Seit 2013 gelten für das Rotlicht-Milieu in der Stadt Zürich neue Regeln. Wer sich auf der Strasse prostituiert oder einen Salon betreibt, braucht eine Bewilligung. Obwohl die Prostituierten nichts Illegales tun, landen ihre Angaben in einem elektronischen Register, der Milieu-Datenbank (MIDA). Name, Adresse, Geburtsdatum, Nationalität und Funktion.

Auch Bar- und Empfangsangestellte erfasst

Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigen jetzt: In den letzten Jahren hat die Polizei die Zürcher Rotlicht-Szene flächendeckend erfasst. Aktuell sind in der Datenbank 8‘247 Namen gespeichert, 7‘596 Frauen und 651 Männer. Das sind deutlich mehr Personen, als sich in der Stadt Zürich prostituieren. In der Datenbank tauchen nicht nur Prostituierte, sondern auch Bar- und Garderobenangestellte von Salons auf. Leute also, die keine sexuellen Dienstleistungen erbringen.

Reto Schanz, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei, bestätigt die Zahlen und sagt: «Aus der MIDA kann nicht erhoben werden, wie viele Personen effektiv der Prostitution nachgehen.» Erfasst seien Leute, die «einen direkten Bezug zum Prostitutionsgewerbe» haben, also auch «Empfangspersonal oder Bardamen» in Clubs. Laut dem Stadtrat stützt sich die Datenbank «auf den allgemeinen polizeilichen Auftrag zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung».

«Das ist eine Fichierung durch die Hintertür»

Fachstellen und Politiker finden die Massen-Speicherung problematisch: «Das ist eine Fichierung durch die Hintertür», sagt Rebecca Angelini von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ). Die Datenbank führe zu einer Stigmatisierung, mit teilweise drastischen Konsequenzen: «Diverse Behörden erhalten Informationen aus der Datenbank, was sich bei einem Sorgerechtsstreit oder einem Einbürgerungsverfahren negativ auswirken kann.» Auch Nationalrat und Zürcher SVP-Präsident Mauro Tuena findet die Sammelwut der Stadtpolizei stossend: „Sexarbeit ist ein legales Geschäft wie jeder andere Berufsstand», sagt er.