In feierlichem Rahmen wird Pfarrer Ernst Sieber heute für sein langjähriges und grosses gesellschaftliches Engagement geehrt. Stadtpräsidentin Corine Mauch wird ihm dafür das Staatssiegel überreichen.

Pfarrer Sieber für Lebenswerk geehrt

Pfarrer Ernst Sieber

Wer diese hohe städtische Ehrung erhält, entscheidet der Stadtrat. Wobei es kein Reglement gibt. «Der Einzelfall ist entscheidend», sagt Lukas Wigger, Stabsmitarbeiter im Präsidialdepartement. Voraussetzung ist, dass sich jemand über viele Jahre verdient gemacht hat. Für herausragende Einzelleistungen wiederum gibt es den Kunst-, den Sport- und den Gleichstellungspreis. Wobei der Übergang fliessend ist, wie Wigger erklärt. Er verweist auf den Kunstpreis 2013 an Nello Santi und die Auszeichnung für allgemeine kulturelle Verdienste 2013 an Henry F. Levy. «Beide wurden ausdrücklich auch für ihr langjähriges Engagement ausgezeichnet.»

Ein Staatssiegel auf sicher haben die abtretenden Gemeinderatspräsidentinnen und -präsidenten. Denn wer ein Jahr lang das Stadtparlament leitet, schliesst damit nicht selten eine längere Politkarriere ab – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Verdienste kann die Stadt zudem mit einer Ehrenmedaille, dem Stadttaler, auszeichnen. Er ist ebenfalls silbrig, aber kleiner als das Siegel. 2011 etwa erhielten die Gebrüder Prenosil von der Confiserie Sprüngli einen. Anlass war das
175-jährige Bestehen des Unternehmens.

Der Löwe vom Weibelstab

Das Zürcher Stadtparlament vergibt keine Auszeichnungen – anders das Kantonsparlament. Seine höchste Ehrbezeugung ist der Silberne Löwe. Dabei handelt es sich um einen Abguss des Löwen, der auf dem Stab des Ratsweibels prangt. Und auch hier gibt es kein Reglement, wie Stefan Mittl von den Parlamentsdiensten erklärt. Gepflogenheiten bestehen aber wohl. So geht die Auszeichnung regelmässig an Zürcher Nationalrats- und Ständeratspräsidenten, an Zürcher Bundesratsmitglieder sowie an scheidende Zürcher Regierungsräte und Kantonsratspräsidenten. Damit ihn sich Letzterer nicht selber überreichen muss, erhält er ihn von seinem Vize. Denn zuständig für die Vergabe der Löwen ist nicht der Rat, sondern dessen Präsident oder Präsidentin.

Allzu oft wird nicht geehrt. So ist das auch mit den Silber- und Bronzemedaillen, die der Kantonsrat im Weiteren vergeben kann.

Staatsarchivar Otto Sigg etwa hat eine Silbermedaille auf seine Pension hin erhalten. Es handelt sich dabei um das Standessiegel. Darauf abgebildet sind die Zürcher Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius. Es ist dasselbe Motiv wie auf dem Stadtzürcher Staatssiegel und weist in seinem Ursprung zurück auf die Zeit, als die Äbtissin des Fraumünsters Stadtherrin war. Und warum sind alle diese Auszeichnungen höchstens silbrig? «Ein Ausdruck republikanischer Gesinnung», sagt Mittl. Gold wäre zu protzig.

Wobei lange Zeit Auszeichnungen an sich suspekt waren. Seit der Bundesverfassung von 1848 bestanden Ordensverbote in verschiedener Intensität. Zugrunde lag das Unbehagen über Orden und Pensionen, die Schweizer von ausländischen Staaten erhielten. Auch wenn das Verbot seit 1999 nicht mehr in der Verfassung steht – die Schweiz vergibt bis heute keine Orden.

Der Kanton und die Kultur

Als nicht ganz systemkonform mag da die Goldene Ehrenmedaille erscheinen, die der Regierungsrat des Kantons Zürich vergibt. Immerhin ist der Empfängerkreis beschränkt. Geehrt werden so Kulturschaffende für ihr Lebenswerk, dieses Jahr der Musiker Fritz Näf. Hinzu kommen Kulturpreis und Förderpreis für Musik, Tanz und Theater. Im Übrigen geht die Goldene Ehrenmedaille – analog dem Kantonsratslöwen – auch an Zürcher Bundespolitiker sowie alt Regierungsräte. Aber auch Staatsgäste erhalten sie. Jacques Chirac etwa wurde eine übergeben, erinnert sich Regierungssprecherin Susanne Sorg.

Und weil es so selten ist, dass ein Zürcher gleich zweimal Olympia-Gold holt, erhielt als grosse Ausnahme auch Snowboarder Philipp Schoch eine. Darüber hinaus werden auch Silbermedaillen vergeben.