Am Donnerstag beschäftigte sich das Zürcher Obergericht mit einem besonders krassen Beispiel für die brutalen Zustände auf dem Zürcher Strassenstrich. Es handelte sich um einen erschütternden Vorfall vom 1. März 2010. Damals hatte ein heute 54-jähriger Roma seine damals 30-jährige Landsfrau an der Langstrasse buchstäblich zu Tode geprügelt.

Aus Eifersucht brutal zugeschlagen

Die Anklageschrift schilderte, wie der Beschuldigte seiner zierlichen Freundin nicht nur mehrere Faustschläge gegen den Kopf und in den Magen versetzte, sondern auch wiederholt in den Bauch trat. Grund für die äusserst gewalttätigen Übergriffe: Die am Sihlquai tätige Prostituierte hatte ihm zuvor gebeichtet, dass sie ihn mit zwei Liebhabern betrogen hatte. Fest steht, dass die Geschädigte eine tödliche Verletzung im Leberbereich erlitt und kurz darauf innerlich verblutete. Der Täter wurde von der Polizei festgenommen und sitzt seither im Gefängnis.

Der Beschuldigte stritt in der Folge jeglichen Tötungsvorsatz ab. Bereits im letzten Februar am Bezirksgericht Zürich, als er erklärte, dass er niemals mit dem Tod seiner Freundin gerechnet habe. Auch der Verteidiger stellte eine eingeklagte vorsätzliche Tötung in Abrede. So liege höchstens eine einfache Körperverletzung vor, da sein reumütiger Klient niemals mit schlimmeren Folgen gerechnet habe.

Deutliche Straferhöhung

Das Bezirksgericht schlug einen Mittelweg ein und setzte wegen schwerer Körperverletzung verbunden mit einer fahrlässigen Tötung eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren fest. Zu wenig für Staatsanwalt Ulrich Weder, der Berufung einlegte und am Donnerstag vor Obergericht aufgrund des erheblichen Verschuldens eine deutliche Straferhöhung auf siebeneinhalb Jahre forderte. Der Berufungsprozess nahm viele Stunden in Anspruch, da der Gerichtsvorsitzende Peter Marti vom Angeschuldigten immer wieder wissen wollte, weshalb er so fest zugeschlagen habe. Der Beschuldigte wich häufig aus und erklärte, dass er ausser sich gewesen sei und wie mechanisch zugeschlagen habe.

Der Beschuldigte zeigte sich vor Obergericht auch reumütig. Er sei mit dem Opfer nach Zürich gekommen, um viel Geld zu verdienen. Er sei sein Koch und Beschützer gewesen, sagte er. Die Verhandlung dauerte bis in die späten Abendstunden. Das Urteil erfolgt demnächst.