Zürich
Staatsanwalt fordert 20 Jahre: Prozessauftakt gegen Kaufleuten-Messerstecher

Das Bezirksgericht Zürich befasst sich heute Dienstag mit dem Tötungsdelikt vom Juli 2012 vor dem Club "Kaufleuten". Zentral geht es um die Frage, ob das Gericht die Tat als Mord einstuft oder als - weniger streng bestrafte - vorsätzliche Tötung.

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Am Bezirksgericht wird heute dem Kaufleuten-Mörder der Prozess gemacht (Archiv).

Am Bezirksgericht wird heute dem Kaufleuten-Mörder der Prozess gemacht (Archiv).

Keystone

Drei Unterschiedliche Versionen der gleichen Geschichte haben die drei Beschuldigten im Mordprozess am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich abgegeben. Der Hauptbeschuldigte sieht sich selbst als Opfer der Umstände.

Der Hauptbeschuldigte, der nächste Woche 23 Jahre alt wird, ist des Mordes an einem jungen Mann angeklagt. Er soll im Juli 2015 vor dem Zürcher Club "Kaufleuten" einen 23-Jährigen erstochen und dessen Bruder schwer verletzt haben. Die beiden hatten an jenem Abend mit einer Schar Freunden den Geburtstag des späteren Opfers gefeiert.

Nach Schilderung des Hauptbeschuldigten hatte diese Gruppe ihn ohne jeglichen Anlass angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Daraufhin rief er einen Freund an und bat diesen, zu schlichten. "Ich hatte Angst, war verzweifelt, brauchte Hilfe", sagte er.

Der Mitangeklagte, der im Club dabei gewesen war, schilderte den Hergang allerdings anders. Der Hauptbeschuldigte habe im Club seine Freundin aus den Augen verloren, sei aggressiv und wütend gewesen und habe Drohungen ausgestossen.

"Alles ging ganz schnell"

Ebenfalls sehr unterschiedlich waren die Aussagen zur Frage, woher das Tatmesser stammte und wie es zum Tötungsdelikt kam. Laut dem Hauptbeschuldigten hatte der herbeitelefonierte Kollege ihm das Butterfly-Messer gegeben.

Der Mitbeschuldigte wies diese Anschuldigung jedoch zurück: Das Messer habe der Hauptbeschuldigte schon bei sich gehabt. Und der dritte erklärte, es sei im Auto des Hauptbeschuldigten gewesen.

Die tödlichen Stiche will der Hauptbeschuldigte dem Opfer in Angst und Panik versetzt haben, weil dieser ihn habe angreifen wollen. "Ich hatte Angst, er kam auf mich zu." Dann habe er leider das Messer gezogen, "und dann ging alles ganz schnell".

Der eine Mitbeschuldigte, der hatte schlichten wollen, erklärte jedoch, der Hauptbeschuldigte sei zielgerichtet auf seinen Kontrahenten losgegangen. Er habe geschrien, "der mit der weissen Jacke ist es" und habe auf diesen eingestochen. Der Dritte hatte im Auto gewartet du die Szene nicht gesehen.

Viel Selbstmitleid

Weshalb der Messerstecher gleich elfmal zustach, konnte er nicht wirklich erklären. Auch hier führte er an, er habe sich bedroht gefühlt. Er habe schreckliche Angst gehabt, dass er wieder zusammengeschlagen werde. "Ich war ausser mir".

Die drei Beschuldigten wurden gemeinsam befragt. Während der ganzen Zeit sass der Hauptbeschuldigte mit hängenden Schultern auf seinem Stuhl. All seine Äusserungen zeugten von grossem Selbstmitleid.

Die drei Beschuldigten sind ehemalige Schulfreunde. Zwei sind Lehrabbrecher, einer machte eine Lehre, wurde nach seiner Verhaftung aber entlassen und arbeitet jetzt temporär.

Urteil am Mittwochnachmittag

Der Hauptbeschuldigte sitzt seit seiner Verhaftung in Haft.Er ist des Mordes angeklagt. Der Staatsanwalt fordert 20 Jahre Freiheitsentzug. Die beiden anderen sind auf freiem Fuss. Sie sind der Gehilfenschaft zu Mord und der Begünstigung beschuldigt.

Die Verhandlung geht am Nachmittag mit den Plädoyers weiter. Das Urteil wird voraussichtlich am Mittwochnachmittag eröffnet.