Regierungsratswahlen
Sportlicher Macher mit Ehrgeiz und Fleiss

Der FDP-Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger hat einige Zwischenerfolge erreicht. Um seinen Sitz in der Zürcher Regierung muss der sportliche Politiker nicht zittern.

Anna Wepfer
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Thomas Heinigers Arbeitstage beginnen jeweils früh. (Foto: Marc Dahinden)

Thomas Heinigers Arbeitstage beginnen jeweils früh. (Foto: Marc Dahinden)

Marc Dahinden

Rund elf Kilometer sind es von Adliswil bis an die Obstgartenstrasse in Zürich. Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) legt diese Strecke immer wieder gerne zu Fuss zurück - joggend. Wenn der Marathonläufer um kurz nach fünf Uhr morgens zu Hause losrennt, ist er spätestens um halb sieben im Büro. Rund 10Mal im Jahr joggt er nach Zürich. Vielleicht 30 oder 40Mal fährt er mit dem Velo. In Sachen Fitness macht ihm im Regierungsrat keiner etwas vor.

Sportlich ist Heinigers Auftreten auch dann, wenn er keine Joggingschuhe trägt. Er strahlt Coolness aus, wenn er im perfekt sitzenden Anzug einen Raum betritt. Im Umgang ist er gewinnend, aber nicht jovial. Als zugänglich wird Heiniger auch im Kantonsrat empfunden. In diesem Punkt hat er dazugelernt. Zu seiner Zeit als Adliswiler Stadtpräsident war er vom dortigen Gemeinderat wiederholt kritisiert worden, weil er zu wenig mit sich reden lasse. Dieser Vorwurf ist heute kaum mehr zu hören.

In seiner Wunschdirektion hat Thomas Heiniger in den letzten vier Jahren zwar noch keine wirklichen Glanzpunkte gesetzt. Wichtige Zwischenerfolge hat er aber verbuchen können. So feierte er nicht einmal zwei Monate nach Amtsantritt bereits seinen ersten Abstimmungssieg: Das noch von seiner Vorgängerin Verena Diener (GLP) aufgegleiste Gesetz über das Honorar von Chefärzten an Zürcher Spitälern wurde vom Volk im Juni 2007 deutlich gutgeheissen.

Der zweite Abstimmungssieg gelang im Herbst 2008, als es um die Frage ging, ob auch Ärzte in den Städten Zürich und Winterthur ihren Patienten Medikamente abgeben dürfen. Bis dato hatte die Regierung die Meinung vertreten, in den Städten solle das Abgabemonopol bei den Apothekern bleiben.

Heiniger bewirkte einen Meinungsumschwung zugunsten der Ärzteschaft. Und er gewann damit die Abstimmung. Dies trug ihm aber auch den Vorwurf ein, er habe sich auf die Seite der Ärzte geschlagen, weil sie ihn im Wahlkampf unterstützt hätten.

Im Sport wie im Beruf

Erfolgreich lobbyiert hat Heiniger auch für den Medizinstandort Zürich. Es ist ihm gelungen, das Zürcher Universitätsspital weiterhin im Rennen um die Herzchirurgie zu halten. Wie alle Bereiche der Spitzenmedizin soll die Herzchirurgie auf wenige Zentren in der Schweiz konzentriert werden. Das Unispital Zürich ist verglichen mit den Konkurrenten Bern und Lausanne mit schlechten Karten gestartet. Heinigers Verhandlungsgeschick ist es zu verdanken, dass die definitive Zuteilung um drei Jahre verschoben wurde. In der Zwischenzeit hat das Unispital die Chance, seine Erfolgsquote in der Herzchirurgie aufzupolieren.

Rund zwei Mal jährlich läuft Heiniger einen Marathon: das letzte Mal im November (New York), das nächste Mal im April (Zürich). Dieser Sport ist symptomatisch für die Art und Weise, wie der 53-Jährige seine Arbeit anpackt: mit viel Ausdauer, wenig Spektakel, oft am Leistungslimit. Er teste gerne seine Grenzen, erklärt er. Und meint damit nicht nur die 42,1Kilometer, sondern auch seinen Arbeitstag, der jeweils früh morgens beginnt und erst am späten Abend endet.

Zum Durchhaltewillen des Langstreckenläufers gesellen sich bei Heiniger Ehrgeiz und Gründlichkeit des Juristen. In seinen Dossiers ist er ausgesprochen sattelfest. Das attestieren ihm Politiker von links bis rechts. Gerade in komplexen Angelegenheiten wie dem neuen Spitalplanungs- und Finanzierungsgesetz stellt Heiniger seine Fachkompetenz unter Beweis.

Ein Freund von Studien

Auf der Strecke bleibt dafür bisweilen die politische Weitsicht. Natürlich erwartet man von einem Exekutivpolitiker vor allem, dass er Sachfragen löst und sich seinem Gremium gegenüber kollegial verhält. Heiniger treibt diese Nüchternheit aber so weit, dass man darob mitunter sein politisches Profil zu vermissen beginnt.

So ist der ehemalige Anwalt ein grosser Freund von Studien und Untersuchungen. Seine Anträge sind wissenschaftlich stets bestens abgestützt. Visionäre, von Abklärungen losgelöste Ideen entstehen dabei aber kaum.

Gesundheitspolitiker beklagen etwa, dass Heinigers Direktion zwar für andere Kantone deren Spitalbedarf abklärt, aber noch immer kein Grundsatzentscheid zum Standort des Universitätsspitals gefallen ist. Dieses hat seit Jahren mit Platznöten zu kämpfen. Getan hat sich aber noch nichts - abgesehen davon, dass die Regierung kürzlich eine Testplanung in Auftrag gegeben hat. «Sie wird zeigen, welches die beste Lösung ist», sagt Heiniger. Wo er persönlich sich das Universitätsspital der Zukunft wünscht, will er nicht sagen - bevor nicht das Ergebnis der Testplanung vorliegt.

Solide Arbeit

Um seinen Sitz in der Regierung muss Heiniger nicht zittern. Seine solide Arbeit und das bürgerliche Viererticket werden ihm zur Wiederwahl verhelfen. Damit stehen die Chancen gut, dass er auch in den kommenden vier Jahren hie und da von Adliswil an die Obstgartenstrasse joggen wird.