Tragbare Steckdosen
Spitzensportler setzen dank Zürcher Start-up auf Solarstrom

Die Zürcher Firma Sakku produziert tragbare Steckdosen und bildet junge Profisportler kaufmännisch aus. Einer von ihnen hat sich jüngst ins Profikader der ZSC Lions gespielt.

Lina Giusto
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Mit einem Solar-Rucksack oder einer Solar-Umhängetasche muss man sich wegen leerer Akkus keine Sorgen mehr machen.

Mit einem Solar-Rucksack oder einer Solar-Umhängetasche muss man sich wegen leerer Akkus keine Sorgen mehr machen.

ZVG

Wenn der Bildschirm des Handys schwarz bleibt, beginnen die Nerven wohl bei vielen Smartphone-Besitzern zu flattern. Der Blick in die Tasche schafft keine Abhilfe, wenn das Ladekabel nicht darin zu finden ist. Das passiert nach Murphys Gesetz meist dann, wenn der Terminkalender voll und der Arbeitstag lang ist. Genau diesem Problem hat sich vor rund zwei Jahren Sakku angenommen. Das Zürcher Start-up wird vom Ausbildungsbetrieb der United School of Sports betrieben. Die Marke selber existiert schon seit mehr als zehn Jahren.

Geschäftsführer Silvio Trionfini erklärt den Grund der Übernahme durch die United School of Sports: «Das Start-up wurde mit der Idee initiiert, nur Lernende zu beschäftigen.» Genauer gesagt sind es Jugendliche, die neben der kaufmännischen Ausbildung Leistungssport betreiben.

Finanziert durch Crowdfunding

Seit der Übernahme 2015 entwickelt und vertreibt Trionfini zusammen mit drei Lernenden die Solartaschen. Mit dem integrierten Solar-Panel können diverse elektronische Geräte unterwegs mit Sonnenenergie geladen werden. Von Smartphones – iPhone oder Android, Tablets, über GPS-Geräte, MP4-Player oder auch Go-Pro-Kameras können alle Geräte angeschlossen werden, die über einen USB-Stecker verfügen und eine Spannung von fünf Volt besitzen. Notebooks dagegen, die meist eine höhere Betriebsspannung aufweisen, können mit den Solarbags nicht geladen werden.

So funktioniert die Steckdose für unterwegs

Die Taschen von Sakku verfügen über ein integriertes Solar-Panel. Bei intensivem Sonnenlicht und optimaler Positionierung des Panels ist ein durchschnittliches Smartphone innerhalb von zwei Stunden geladen. Für den besten Wirkungsgrad sollte das Panel im 90-Grad-Winkel zur Sonneneinstrahlung positioniert werden. Das Panel kann aus der Halterung der Tasche entnommen werden und zur Erhöhung der Ladekapazität auch direkt an die Sonne gelegt werden.

Derzeit verfügt Sakku über zwei unterschiedliche Taschenformat: eine Umhängetasche sowie einen Rucksack. Letzteres Format hat das Jungunternehmen erst kürzlich mithilfe eines Crowdfundings über die Plattform Wemakeit vorfinanziert. Wie Trionfini sagt, hätten mit den Geldspenden die Produktionskosten für den Rucksack gedeckt werden können. Designed und genäht werden die Taschen in der Schweiz. «90 Prozent der textilen Materialien stammen aus der Schweiz, Österreich und Belgien. Lediglich die Solarzellen kommen aus Übersee und der Akku stammt aus China», so Trionfini.

Eine unkonventionelle Lehre

Soweit die Geschichte eines Start-ups, wie es sie bereits unzählige Male gibt. Der Fall Sakku jedoch ist dennoch etwas anders. Im Betrieb von Trionfini arbeiten derzeit drei Mitarbeiter. Nicht irgendwelche Angestellte, sondern Lernende. Es sind Schüler der United School of Sports aus Zürich Altstetten. Die Lernenden arbeiten 60 Prozent im Unternehmen. Sie kümmern sich um Aufgaben in den Bereichen Marketing, Vertrieb, Versandwesen und Administration.

Trionfini sagt dazu: «Unsere Lernenden werden aufgefordert, sich möglichst aktiv einzubringen.» Neben der kaufmännischen Ausbildung konzentrieren sich die Jugendlichen auf ihre professionelle Sportkarriere. Einer davon ist Pius Suter. Anfänglich spielte der Eishockey-Spieler für den EHC Wallisellen und Dübendorf. Mittlerweile ist er Mitglied des Profiklubs der ZSC Lions. Suter sagt zu seiner Ausbildung: «Mit meinem Trainings-Pensum könnte ich keine konventionelle Ausbildung absolvieren.» Sakku ist bei weitem nicht der einzige Ausbildungsbetrieb der Sportschule. Von Zürcher Banken, über Zürcher Fussballclubs bis hin zu städtischen Ämtern gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten für junge Sporttalente, die berufliche Grundausbildung mit ihrer sportlichen Karriere zu verknüpfen. Aber lediglich ein Start-up-Betrieb findet sich auf der entsprechenden Liste. Trionfini sagt: «Jugendliche wie Suter, benötigen eine extreme Flexibilität in ihrer Tagesplanung, um Training und Ausbildung unter einen Hut zu bekommen.» Deshalb habe die Sportschule in Zürich Altstetten die Marke Sakku 2015 übernommen.

Mit 400 Schülern gehört die United School of Sports zur grössten Ausbildungsstätte im Bereich Sport-KV und Sport-Gymnasium. Zudem ist der Betrieb von Trionfini Teil der kantonalen Sportförderung. Neben den kantonalen Subventionsvorgaben beläuft sich das Ausbildungskontingent auf maximal 50 Lernende. Zudem müssen diese über eine «Swiss Olympic Talent Card» verfügen – sei dies auf regionaler, nationaler oder gar internationaler Basis –, um zur Sportschule zugelassen zu werden.