Das Vertrauen der Kaderärzte in die Spitalleitung des USZ ist zwar gestiegen, aber immer noch angeschlagen. Kein berauschendes Ergebnis für Sie.

Rita Ziegler: Immerhin zeigt das Ergebnis, dass die seit der ersten Befragung 2011 eingeleiteten Massnahmen nicht ganz falsch sind, sondern dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Haben Sie nicht mehr erwartet?

Nein. Ich bin froh, dass wir den Tiefpunkt überwunden haben und uns auf dem aufsteigenden Ast befinden. Der Aufbau von Vertrauen braucht eben Zeit.

Was tun Sie, um das Vertrauen weiter zu steigern?

Die bereits getroffenen Massnahmen müssen zunächst einmal voll greifen können. Das Hauptthema ist der direkte Dialog zwischen der Spitalleitung und den Kaderärzten, der noch intensiviert wird. Diese neue Kultur muss sich festigen und als verlässlich wahrgenommen werden.

Worauf führen Sie den deutlichen Vertrauenszuwachs seit 2011 zurück?

Wichtig war, dass wir die Ärztedelegation in der Spitalleitung verdoppelt haben. Das führte dazu, dass die medizinischen Anliegen mit mehr Nachdruck in der Spitaldirektion vertreten und mehr medizinische Themen abgehandelt werden. Manche Ärzte hatten den Eindruck, für die Spitaldirektion gebe es nur die Administration, die Medizin existiere kaum. Das war aber nie der Fall. Wir wissen, dass unser Kerngeschäft die Medizin, die Pflege sowie die Lehre und Forschung sind.

Die Kaderärzte beklagen, es gebe viel zu viel Bürokratie. Wie sehen Sie das?

Es gibt sicher Dinge, die sich verbessern lassen. In einem Pilotprojekt hielten wir Ausschau nach Leerläufen und wurden auch fündig. Diese Erkenntnisse müssen wir nun überall umsetzen. Wesentlich ist dabei, dass man alte Strukturen konsequent abbaut, wenn man neue einführt. Sonst entstehen Doppelspurigkeiten.

Was lässt sich konkret verbessern?

Bis jetzt gibt es zum Beispiel kein gemeinsames Planungstool für Sprechstunden. Wenn das alle Kliniken eingeführt haben, wird es weniger administrative Arbeit geben. Oft sind die Abläufe in den 40 verschiedenen Unikliniken sehr verschieden, obwohl es ein einfaches Ablaufschema gäbe.

Nochmals: Gibt es zu viel Bürokratie am USZ?

Es gibt Verbesserungsmöglichkeiten. Aber es gibt es auch Vorgaben, die wir nicht ändern wollen und können. Dazu gehören Qualitätsvorgaben von übergeordneten Stellen. Gewisse Erhebungen müssen wir machen. Insbesondere müssen Mass- nahmen zur Patientensicherheit flächendeckend greifen.

Wie viel Bürokratie-Abbau liegt drin?

Einiges, wenn man es sorgfältig und genau macht und auf die Realität in den einzelnen Kliniken eingeht.

Es brauchte die Befragungen der Kaderärzte, bis die Spitaldirektion zur Erkenntnis kam, dass die Administration teilweise überbordet.

Wir wären wohl früher oder später auch draufgekommen – vielleicht in einem anderen Zusammenhang. In den Zielen sind wir uns ja nicht uneinig. Es ist eher eine Frage der unterschiedlichen Prioritäten.

In der Rückschau werden Fehler bei der Reorganisation des USZ erkennbar. Aus welchen haben Sie gelernt?

Als wir die 40 Kliniken in Bereiche gliederten, führten wir damit eine zusätzliche Hierarchieebene ein. Damit war ein Verlust von direktem Dialog verbunden. Die Klinikdirektoren empfanden das sehr. Daraus haben wir gelernt. Wir sind heute wieder stärker mit ihnen im Gespräch und haben ihnen Kompetenzen delegiert.

Bei den leitenden Ärzten ist es noch nicht gelungen, das Vertrauen in gleichem Masse zu verbessern wie bei den Klinikdirektoren. Warum?

Wir «bedienten» zuerst die Klinikdirektoren. Das schien uns der richtige Weg. Aber es gibt auch Massnahmen, die das Vertrauen der leitenden Ärzte verbessern sollen. Dazu zählt die Konferenz der leitenden Ärzte. Weil wir hier aber von 150 Personen sprechen, können wir mit ihnen nie in so direktem Kontakt sein wie mit den Klinikdirektoren.