Zürich

Spital um 176 Millionen entwertet — jetzt kommt der Schuldenschnitt

Das neue Bettenhaus des Triemlispitals bietet Platz für 550 Betten; in Betrieb sind aber lediglich 400.

Das neue Bettenhaus des Triemlispitals bietet Platz für 550 Betten; in Betrieb sind aber lediglich 400.

Das Triemlispital ist für die Stadt Zürich deutlich weniger wert als bisher angenommen. Rund 400 Millionen Franken kosteten der Neubau des Bettenhauses und die dazugehörige Energie-Medienzentrale.

Doch der 2016 eröffnete Neubau bringt weniger Einnahmen als geplant. Deshalb hat der Stadtrat nun eine Wertberichtigung beschlossen: Das Gebäude wird in den Bilanzen der Stadt mit 176 Millionen Franken weniger bewertet als bisher.

Ursprünglich war der Neubau für 550 Betten geplant. In Betrieb sind aber nur deren 400, wie Stadtrat Andreas Hauri (GLP) am Mittwoch an einer kurzfristig anberaumten Medienorientierung sagte. Gründe seien die 2012 eingeführte neue Spitalfinanzierung mittels Fallpauschalen und die damit einhergehende Förderung des Grundsatzes «ambulant vor stationär». Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sei seit der Planung des Triemli-Neubaus, den das Volk im Jahr 2007 guthiess, von zehn auf fünf Tage zurückgegangen, sagte Spitaldirektor André Zemp. Diese Entwicklung sei so nicht vorhersehbar gewesen, betonten die Stadträte Hauri und Daniel Leupi (Grüne).

Laut Finanzvorstand Leupi kann die Stadt Zürich die nun vorgenommene Wertberichtigung aber gut verkraften. Sie gehe zu Lasten des Eigenkapitals der Stadt, das zuletzt 1,5 Milliarden Franken betrug. Die Korrektur trete rückwirkend per 1. Januar 2019 in Kraft. Das heisst, sie wirkt sich auf die Rechnung der Stadt fürs Jahr 2019 aus, die Leupi am 7. April bekannt geben will. 

Die Wertberichtigung sei fürs Triemlispital auch im Hinblick auf die Vergabe der kantonalen Leistungsaufträge per 2023 wichtig, erklärte Hauri: «Wirtschaftlichkeit spielt dabei eine grosse Rolle. Wir wollen mittelfristig auf eine schwarze Null kommen.»

Bislang zählte das Triemlispital zu den Spitälern mit den höchsten Fallkosten auf der Spitalliste des Kantons. «Wir konnten aber 2019 die Fallkosten bereits senken», sagte Hauri. Die organisatorische Zusammenlegung mit dem Waidspital habe Synergien gebracht. Das Stadtspital Waid und Triemli, wie es nun heisst, sei auf Kurs; weitere grosse Abschreiber seien nicht zu erwarten. Mit der vom Stadtrat beschlossenen Wertberichtigung sinken die jährlichen Abschreibungen auf den Triemli-Neubau laut Stadtrat um 7,6 Millionen Franken. Im Waidspital wurden zudem 70 von 830 Stellen gestrichen, wie Spitaldirektor Zemp sagte.

Personelle Folgen hatten die Probleme rund ums Triemlispital bereits: Die damalige Vorsteherin des Stadtzürcher Gesundheits- und Umweltdepartements, Claudia Nielsen (SP), trat bei den Wahlen 2018 nicht mehr an. Hauri wurde ihr Nachfolger – und der erste Zürcher Stadtrat der Grünliberalen.

Kritik von SVP und FDP, Lob von SP, Grünen und AL

Erste Parteireaktionen auf die Triemli-Wertberichtigung fallen nun unterschiedlich aus: Die SVP verlangt weitere Konsequenzen. Bei der Planung künftiger Grossprojekte gelte es, den Bedarf und die Wirtschaftlichkeit genau abzuklären, heisst es in ihrer Medienmitteilung. Das Triemli-Bettenhaus sei ein Luxusprojekt. Die FDP kritisiert vor allem, dass der Stadtrat die Wertberichtigung ohne Mitsprache des Parlaments und des Volkes beschloss.

Die SP, die Grünen und die AL begrüssen den Stadtratsentscheid. Er stelle sicher, dass die Erträge des Spitals den Patienten und Mitarbeitenden zugutekämen, schreibt die SP. Die ­Spitalfinanzierung mittels Fallpauschalen hingegen setze Fehlanreize: Sie verhindere Investitionen in qualitätsvolles Bauen, wie sie beim Triemlispital mit seiner Ausrichtung auf die 2000-Watt-Gesellschaft getätigt worden seien. Auch die Grünen kritisieren die ihrer Meinung nach zu tief angesetzten Fallpauschalen.

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