Zürich Flughafen
Spiel und Show starten schon vor dem Flug nach Las Vegas

Morgens um 8.30 Uhr füllt sich die Halle vor dem Gate D43 langsam mit Passagieren nach Las Vegas. Der Airbus A330 der Edelweiss Air steht heute ausnahmsweise am Ende des Docks B/D am Flughafen Zürich.

Andreas Frei
Merken
Drucken
Teilen
Showtime schon vor dem Abflug.

Showtime schon vor dem Abflug.

Balz Murer

Zukünftig wird er wie alle anderen in die USA fliegenden Maschinen vom Dock E – Midfield – aus losrollen. Für den ersten Direktflug WK2 in die Casino- und Show-Stadt hat sich die Edelweiss etwas Besonderes ausgedacht: Die Passagiere erwartet ein Buffetbereich mit Sandwiches, Kaffee und Gipfeli. Daneben bietet ein Roulette- und ein Black-Jack-Tisch die erste Chance auf ein Spielchen. Noch geht es um nichts, die Showgirls verteilen die Chips gratis an die Passagiere. Diese wiederum hoffen, ihr Glück mit nach Vegas zu nehmen – oder ihr Pech hier zu lassen.

Hinter den Tischen steht das bekannte «Welcome to fabulous Las Vegas»-Schild, daneben trällert bald schon ein Elvis-Presley-Imitator drauflos. Neu ankommende Passagiere strahlen beim Anblick des glamourösen Events. Einige sind passend dazu angezogen, etwa die fünf jungen Herren in schwarzen Anzügen und roten Krawatten mit der Mission Junggesellenabschied. Andere passen mit Trainerhose und T-Shirt weniger ins von Edelweiss inszenierte Bild.

Heirat und «Hangover»

Die Passagiere lassen sich leicht in Kategorien einteilen: Da wären die Paare, die zum Heiraten in die Stadt der tausend Hochzeitskapellen fliegen. Dann die bemitleidenswerten, ebenfalls bald verheirateten Junggesellen, die auf eine gute Zeit in Vegas hoffen, aber von einem halben Dutzend Kollegen begleitet werden, die mit der «Hangover»-Trilogie in Gedanken wohl andere Pläne mit dem zukünftigen Ehemann haben.

Die dritte Kategorie hat nichts mit Heiraten am Hut: Paare oder Freunde, die eine Woche Ferien in der Wüstenstadt planen. Der Ort bietet mit über 100 Casinos und unzähligen Shows, von Céline Dion über die Blue Man Group bis zum Cirque du Soleil, mehr Attraktionen, als ein nachtaktiver Mensch in einer Woche besuchen kann. Der in München stationierte Las-Vegas-Promoter Jürgen Gevers empfahl denn auch als wichtigsten Tipp vor der Abreise: «Sich nicht auf zu viel Schlaf einstellen.»

Die vierte Gruppe von Touristen nutzt den Direktflug nach Las Vegas schliesslich als Ausgangspunkt, um den Westen der USA zu entdecken. Von Las Vegas über die unzähligen Nationalparks in Richtung San Francisco oder Los Angeles, von wo aus via Codeshare-Flüge mit der Edelweiss-Mutter Swiss wieder direkt nach Kloten zurückgeflogen werden kann.

Viel Umsatz kommt aus Europa

Zürich ist nach London und Paris erst die dritte europäische Stadt, die ganzjährig einen direkten Hin- und Rückflug nach Las Vegas anbietet. Von den 39 Millionen jährlichen Touristen in der «Stadt der Sünde» oder «Stadt der Unterhaltung», wie sich Vegas heute lieber nennt, kommen derzeit 20 Prozent von ausserhalb der USA. Diese generieren aber 31 Prozent des Umsatzes, sind also viel ausgabefreudiger als die Amerikaner. Las Vegas investiert deshalb in den internationalen Markt, Promoter wie Jürgen Gevers sollen mehr der spendablen Europäer in die 150 000 Hotelbetten in die Stadt mit knapp 600 000 Einwohnern holen. 30 Milliarden US-Dollar hat Vegas in den letzten Jahren in die Infrastruktur investiert.

Dass der Direktflug nicht nur viel mehr Schweizer in die USA bringt, sondern auch Amerikaner in die Schweiz, darauf hofft Simon Bosshart von Schweiz Tourismus. Der Rückflug, der heute um 10.45 Uhr in Zürich landet, ist schon einmal gut gefüllt, was für einen Erstflug eher selten ist, da ja alle gestern abgeflogenen Schweizer frühestens in einer Woche zurückkehren.

Vor dem ersten Hinflug schneidet der Edelweiss-CEO schliesslich das obligate Band vor der Ticketkontrolle durch, eine ausgefallene Torte wird von den Showgirls präsentiert, und die Crew begrüsst ihre Gäste persönlich am Gate.

Der Monitor zeigt die Temperatur in Las Vegas an: 27 Grad, und dies bei neun Stunden Zeitunterschied, also kurz nach Mitternacht Ortszeit. Dann verlassen die Passagiere die grosse Show in der Abflughalle und werden knapp zwölf Stunden später im richtigen Vegas angekommen sein.