Spendensammlung
Maurice rockt für den Neubau des Zürcher Kinderspitals – noch fehlen 55 Millionen

Ein Musikvideo soll helfen, die für den Neubau des Kinderspitals Zürich nötigen Spenden aufzutreiben. Am Schlagzeug: Maurice (12), der wegen eines Herzfehlers schon über ein Dutzend Operationen hinter sich hat.

Matthias Scharrer
Drucken
Teilen

Das Musikvideo mit dem Dodo-Song «Ich rock das Läbe wie en Champion!» ist das Herzstück der Spendenkampagne für den Kinderspital-Neubau.

Als Maurice vor knapp 13 Jahren mit einem Herzfehler im Kantonsspital Aarau zur Welt kam, war schnell klar: Der Bub musste nach Zürich ins Kinderspital (Kispi). Seit seiner Geburt war er immer wieder im Kispi: 13 Operationen hat er dort schon hinter sich. Er sagt: «Das Kinderspital ist ein Ort, an dem ich mich wohlfühle.» Nun hat Maurice an einem Musikvideo mitgewirkt, mit dem das Kispi auf Spendensammlung geht. Denn es braucht Geld. Viel Geld.

Auf 660 bis 680 Millionen Franken veranschlagen die Verantwortlichen die Kosten für den Spital-Neubau, der derzeit entsteht. Davon wollen sie insgesamt 125 Millionen über Spenden, Sponsoren und Stiftungen auftreiben, wie Kispi-Präsident Martin Vollenwyder am Dienstag vor den Medien sagte. 70 Millionen Spendenfranken seien schon beisammen. Es fehlen also noch 55 Millionen.

Vollenwyder ist Präsident der Eleonorenstiftung, der Trägerschaft des Kinderspitals. Dieses ist seit seiner Gründung 1872 weitgehend privat finanziert. Heute ist es das grösste Kinderspital der Schweiz. Einen 150-Millionen-Kredit steuert der Kanton Zürich an den Neubau bei. Der Rest wurde laut Vollenwyder durch langfristige Anleihen an der Börse finanziert. Die Investoren erhalten dafür eine jährliche Rendite von einem Viertel Prozent, wie der frühere Stadtzürcher Finanzvorsteher und Banker Vollenwyder erklärt. Er fügt an: «Die Rendite bezahlen wir als Miete.»

Mehrkosten wegen der Coronapandemie

Die noch fehlenden Spendengelder entsprechen in etwa den Mehrkosten, die das Kispi bereits im Sommer angekündigt hatte. Wegen der Coronapandemie sei es zu Lieferschwierigkeiten und Verzögerungen beim Bau gekommen, hiess es als Erklärung. Der Neubau soll nun im Herbst 2024 bezogen werden. Er entsteht in der Lengg, wie das Gebiet zwischen der Psychiatrischen Universitätsklinik und der Schulthess-Klinik nahe der Zürcher Stadtgrenze in Richtung Zollikon heisst.

Mit dem Neubau, den Kispi-CEO Geort Schäppi als «Jahrhundertprojekt» bezeichnet, erhält das Kispi 30 Prozent mehr Platz. Und den braucht es dringend, wie der ärztliche Direktor Michael Grotzer erklärt:

«Wir haben zu wenig Platz. Aktuell gibt es Kinder, die auf den Gängen behandelt werden müssen.»

Auch für die Eltern der Patienten soll es im Vergleich zum heutigen Kispi, das am Zürichberg steht, mehr Platz geben ­– zum Beispiel Übernachtungsmöglichkeiten in Patientenzimmern.

Zudem könne das Kinderspital künftig auch Hirntumoroperationen im eigenen Haus durchführen. Heute fänden diese im Universitätsspital Zürich statt.

Ein weiterer Vorteil des Neubaus sei, dass das Universitäts-Kinderspital Zürich, wie es mit vollem Namen heisst, künftig Klinik und Forschung näher zusammenbringen könne. Derzeit seien die Forschungsstandorte noch verstreut. Sie befinden sich in Schlieren, in der Lengg sowie im bisherigen Kispi und am Uni-Standort Irchel. Dass künftig alles gleichsam unter ein Dach komme, ermögliche Synergien. «Moderne Medizin ist Teamarbeit», betont Grotzer.

Die Baustelle fürs neue Kinderspital in der Lengg.

Die Baustelle fürs neue Kinderspital in der Lengg.

Matthias Scharrer

Wobei alles nicht ganz unter ein Dach kommt: Der flach gebaute Spitaltrakt mit Patientenzimmern, Operationssälen, Notfall- und Intensivstation ist vom turmartigen Rundbau für Lehre und Forschung oberirdisch durch eine Strasse getrennt.

Doch zurück zu Maurice und dem Musikvideo mit dem von Dodo komponierten Song «Ich rock das Läbe wie en Champion!». Es ist das Herzstück der Kispi-Spendensammlung und entstand in den Räumen des alten Kinderspitals. Maurice spielt darin Schlagzeug, was schon seit seinem dritten Lebensjahr eines seiner Hobbys ist. Allerdings ist es kein gewöhnliches Schlagzeug, mit dem er fürs Kispi rockt: Zum Einsatz kamen Nierenschalen, ein Stethoskop und weitere Spitalwerkzeuge. Auch die anderen Kinder, die in dem Video mitrocken, haben Patienten-Erfahrungen mit dem Kinderspital.

Kinderspital-Patient Maurice (12) mit seinen Eltern Marisol Corrado und Marc Kaufmann im Rohbau des neuen Kinderspitals.

Kinderspital-Patient Maurice (12) mit seinen Eltern Marisol Corrado und Marc Kaufmann im Rohbau des neuen Kinderspitals.

Matthias Scharrer

«Für uns war klar: Wenn Maurice das möchte, wollen wir das Kinderspital gerne auf diese Weise unterstützen», sagt seine Mutter Marisol Corrado. «Wir sind dem Kispi unendlich dankbar.» Vater Marc Kaufmann fügt hinzu: «Auch wenn die Räumlichkeiten nicht optimal waren: Wir wussten immer, dass wir gut umsorgt sind.» Und Maurice sagt: «Das Kinderspital ist fast wie ein zweites Zuhause für mich. Ein Ort, wo ich mich sicher fühle.»

Aktuelle Nachrichten