Dietikon
Spaten in der Hand, Polka im Ohr - Schwitzen für den Gemeinschaftsgarten

Rund 120 Personen ackerten sich bei der «ortoloco»-Spatenbrigade durch den Boden. Die Gartenkooperative baut gemeinsam Gemüse an. Für einige Mitglieder ist die Feldarbeit zu einem wichtigen Ausgleich zum Berufleben geworden.

Senada Haralcic
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Sara Zeller greift gekonnt zum Spaten. Sonst ist die Zürcherin Kunsthistorikerin.
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Oliver Ganz (links) nahm an die Spatenbrigade gleich ein paar Freunde mit
In der Pause stärkten sich die Teilnehmenden mit Bier, Wein und Schokoladen-Cake
Den Spaten in der Hand, die Polkamusik in den Ohren: Für die Gartenkooperative «ortoloco» wird Feldarbeit zum Happening
Rund 200 Teilnehmer zählt die diesjährige Spatenbrigade
Die Ortolocos lassen es sich trotz schwerer Arbeit nicht nehmen, begeistert für die Polkabänd zu applaudieren
Es ist zwar noch winterlich kalt, aber die Teilnehmenden Schwitzen bei harter Arbeit in der Sonne
Die Polkaband „Babaroga“ sorgt mit ihrer Live-Musik währenddessen für einzigartige Stimmung und Motivation
Die Polkaband „Babaroga“ sorgt mit ihrer Live-Musik währenddessen für einzigartige Stimmung und Motivation
Die Teilnehmenden werden vor dem ersten Spatenstich über die Kunst der Feldarbeit aufgeklärt
Dorothea Müller (links) und Lea Egloff instruieren die Teilnehmenden mit einem Megaphon.
Die Teilnehmenden werden vor dem ersten Spatenstich über die Kunst der Feldarbeit aufgeklärt

Sara Zeller greift gekonnt zum Spaten. Sonst ist die Zürcherin Kunsthistorikerin.

Senada Haralcic

Die Sonne scheint auf die Rücken und Köpfe der rund 120 Teilnehmer, die Anstrengung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Mit dem spitzigen Spaten in die nasse Erde stechen und dann umdrehen - und das für die nächsten paar Stunden.

Bereits nach wenigen Minuten ziehen die ersten ihre Jacken aus, sind etwas ausser Atem, ans Aufgeben oder Ausruhen denkt hier jedoch keiner - im Gegenteil: Die Spatenbrigade wirkt fast wie ein Wettrennen, in einer Reihe arbeiten sich die «ortoloco»-Genossenschafter durch das Feld. Der Ansporn, mit dem Rest der Gruppe mitzuhalten, ist gross, und dann ist da noch die treibende Polkamusik der Live-Band «Babaroga», zu der sich wohl jeder lieber bewegen würde, als still zu sitzen.

«Es ist schon anstrengend, aber gleichzeitig auch sehr angenehm», sagt Sara Zeller, die rund fünf Mal im Jahr an der Feldarbeit teilnimmt. Die Mitgliedschaft bei der regionalen Gartenkooperative «ortoloco» sei eine tolle Sache: «Es ist schön, dass wir etwas gemeinsam anpflanzen und ernten und es dann untereinander verteilen», so die 26-jährige Kunsthistorikerin aus Zürich.

Für Zeller steht der Genossenschaftsgedanke im Vordergrund, alleine würde sie keinen Schrebergarten hegen: «Das ist nichts für mich», sagt sie und lacht, während sie den Spaten in der Hand hält.

Auch Oliver Ganz steht an jenem Samstagnachmittag lieber auf dem Dietiker Acker anstatt im Zürcher Stadtzentrum, wo der 28-Jährige wohnt. Der Informatiker ist schon seit eineinhalb Jahren Genossenschaftsmitglied. «Die Arbeit rund um den Gemüseanbau ist inzwischen ein wichtiger Ausgleich zu meinem Beruf geworden», sagt er.

Mit seiner Motivation hat der Zürcher vermutlich auch seine Freunde angesteckt, schliesslich sind ihm einige als Gäste und Helfer an die Spatenbrigade gefolgt und denken ebenfalls über eine Mitgliedschaft bei «ortoloco» nach.

Nach der Arbeit das Vergnügen

Gegründet wurde die Gartenkooperative «ortoloco» im Jahr 2009. «Bei einem Feierabendbier kam uns dann die Idee, eine gross angelegte Spatenbrigade zu organisieren», erzählt Lea Egloff, Mitglied der Betriebsgruppe. Dabei arbeitet die Genossenschaft eng zusammen mit regionalen Bauern und Kennern der Feldarbeit. Unterstützt wird die Tätigkeit des «ortoloco» auch von den Städten Dietikon und Zürich: «Sie stellen uns beispielsweise jedes Jahr Spaten zur Verfügung», so Egloff.

Ihre Kollegin Dorothea Müller freut sich an diesem Samstag auch über das schöne Wetter: «Am Vortag hat es bei den Vorbereitungen noch stark geregnet, wir waren schon etwas besorgt», so die 30-Jährige. Diese Sorgen lösten sich jedoch in Luft auf: Die frisch umgeschlagene Erde trocknete bereits nach kürzester Zeit im strahlenden Sonnenschein, während die Teilnehmer nach getaner Arbeit feierlich auf sich anstiessen.