Doppelwahljahr
SP liegt mit Abstand an der Spitze

So steht es um die Frauen in den grossen Zürcher Kantonalparteien.

Matthias Scharrer
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Chantal Galladé (SP).

Chantal Galladé (SP).

Chris Iseli

40 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz erlebt der Kanton Zürich ein Doppelwahljahr: im Frühling die kantonalen Wahlen, im Herbst die eidgenössischen. Wie steht es um die Frauen in der Zürcher Politik?

SVP: Ausnahmeerscheinung Rickli

Die SVP gab sich vor vier Jahren ein neues weibliches Gesicht: Sie platzierte die junge Kantonsrätin Natalie Rickli weit vorne auf ihrer Nationalrats-Wahlliste. Prompt wurde Rickli gewählt. Allerdings ist sie nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung: Unter den zwölf Zürcher SVP-Nationalräten ist sie die einzige Frau. Und auch unter den Zürcher Kantonsratsfraktionen liegt die SVP punkto Frauenanteil mit 14 Prozent weit hinten.

SVP-Kantonalpräsident Alfred Heer gibt sich darob gelassen: «Wir haben ja Gleichberechtigung. Die Frauen müssen sich halt durchsetzen.» Aktive Frauenförderung betreibe man in der SVP nicht. Allerdings könne bei gleicher Qualität das Geschlecht ein Kriterium zugunsten der Frauen sein. Immerhin: Auf der aktuellen Kantonsrats-Wahlliste der SVP beträgt der Frauenanteil 21,6 Prozent. Nur: «Unsere Wähler wählen eben eher Männer», sagt Heer. Allerdings habe er seit Ricklis Wahl das Gefühl, das ändere sich.

SP: Ein Rückschritt droht

Am anderen Ende der Skala liegt die Zürcher SP: Vier ihrer sieben Nationalräte sind Frauen. Auch die SP förderte mit Chantal Galladé eine Nachwuchshoffnung, indem sie Galladé in den letzten Ständeratswahlkampf schickte. Jacqueline Fehr trat zuletzt gar bei den Bundesratswahlen an.

Wie im Nationalrat sind auch im Kantonsrat bei der Zürcher SP die Frauen in der Mehrheit. Ihr Anteil beträgt kantonal 55,5 Prozent. Damit liegt die SP bezüglich Frauenquote mit Abstand an der Spitze, noch vor den Grünen.

Von nichts kommt nichts: «Die SP hat seit Jahren festgeschrieben, dass in ihren Parteigremien mindestens 40 Prozent Frauen sein müssen», sagt Parteipräsident Stefan Feldmann. Zudem hätten sich Generationen von SP-Frauen schon seit den 1950er-Jahren für Gleichberechtigung starkgemacht. «Es gab Phasen, da galt es in der SP als Vorteil, Frau zu sein», so Feldmann.

Heute sei die Chancengleichheit der Geschlechter parteiintern selbstverständlich. Vor diesem Hintergrund sei es kein Problem, genug Frauen für die Wahllisten zu finden. Nimmt man die aktuelle Kandidatenliste der SP für die Kantonsratswahlen zum Massstab, droht allerdings ein Rückschritt: Der Frauenanteil beträgt dort 41 Prozent.

Grüne: Knackpunkt Exekutive

Praktisch ausgeschlossen ist ein Rückschritt bei den Grünen. Der Grund: Sie setzen seit Jahren auf das Zebraprinzip, wenn es um die Gestaltung der Wahllisten geht. Will heissen: Auf Männlein folgt Weiblein – und umgekehrt.

Entsprechend sind von vier Nationalräten der Zürcher Grünen zwei Frauen. Und in der Kantonsratsfraktion liegt der Frauenanteil bei 47,6 Prozent. Gleichberechtigung erreicht? Nicht ganz. «Für Exekutivämter auf Gemeindeebene ist es schwieriger, Frauen zu finden», sagt Jeanine Kosch, Co-Präsidentin der Zürcher Grünen. Oft spiele dabei Biografisches mit und frau könne oder wolle nicht so viel Zeit investieren. «Es ist nicht so, dass die bösen Männer den Frauen die Ämter wegnehmen», sagt Kosch. «Bei Frauen braucht es vielleicht einen Schubs mehr, um sie zu einer Kandidatur zu bewegen.»

CVP: In vier Jahren 50 Prozent?

Und wie siehts bei den Mitte-Parteien aus? Die CVP entspricht im Kantonsrat mit einem Frauenanteil von 33 Prozent ziemlich genau dem Gesamtdurchschnitt. Im Nationalrat sind gar zwei von drei Zürcher CVP-Vertretern weiblich. Auch hier schaffte mit Barbara Schmid-Federer vor vier Jahren eine Nachwuchshoffnung dank aussichtsreichem Listenplatz die Wahl. Und auch hier ist der Frauenanteil nicht dem Zufall überlassen. In den Parteigremien müssen beide Geschlechter laut Statuten zu mindestens einem Drittel vertreten sein.

Der Frauenanteil unter den Kantonsrats-Kandidaten der CVP beläuft sich auf 35,2 Prozent. Parteipräsident Markus Arnold ist angesichts vieler junger Hoffnungsträgerinnen zuversichtlich, dass die CVP-Frauen weiter zulegen: «Ich vermute, dass sie 2015 gegen 50 Prozent unserer Kantonsratssitze erreichen werden.» Bei Arnold ist Frauenförderung auch Familiensache: Seine jüngste Tochter kandidiert im Bezirk Horgen für einen Kantonsratssitz.

FDP: «Frauen setzen sich durch»

Bei der FDP gibts keine fixen Frauenquoten. «Kompetenz ist das Erste, was stimmen muss», sagt Parteipräsident Beat Walti. «Mit einer Quote würde die FDP den Frauen einen Bärendienst erweisen.» Das Geschlecht sei aber eine von mehreren Dimensionen, bei denen die FDP auf Ausgewogenheit achte.

Walti betont, dass die Zürcher FDP mit Vreni Spoerry und Trix Heberlein unlängst während zwölf Jahren Ständerätinnen stellte. Zudem habe sie im Kantonsrat mit Katharina Kull derzeit eine Kommissionspräsidentin. Und im Regierungsrat ist sie mit Ursula Gut vertreten. Im Kantonsrat beträgt der Frauenanteil bei der FDP 37,9 Prozent, auf der Wahlliste für den Frühling allerdings nur noch 28 Prozent. Im Nationalrat stellt Doris Fiala zusammen mit drei Männern die Zürcher FDP-Delegation. Waltis Fazit: «Frauen setzen sich in der FDP durch, und das ist gut so.» Ein explizites Frauenförderungskonzept sei daher nicht nötig.