Stadtentwicklung

SP-Forderung von gemeinnützigen Wohnungen bleibt unerfüllt

Auf dem schraffierten Areal links der Gleise beim Hauptbahnhof Zürich sollen 140 Wohnungen entstehen..jpg

Auf dem schraffierten Areal links der Gleise beim Hauptbahnhof Zürich sollen 140 Wohnungen entstehen..jpg

Gestern präsentierten Vertreter von SBB und Stadt Zürich nun den gemeinsam entwickelten privaten Gestaltungsplan für das Areal auf der anderen Seite der Gleise, entlang der Zollstrasse hin zum Kreis 5.

Als Mitte der Nullerjahre in Zürich die teils hitzige Debatte über den «Stadtraum HB» geführt wurde, war häufig vom «Filetstück» der Stadtentwicklung die Rede. Gemeint war das Areal entlang der Gleise vom Hauptbahnhof Zürich bis hin zur Langstrasse, das die SBB neu überbauen wollten. Rechts der Gleise, hin zum Stadtkreis 4, ist inzwischen unter dem Namen «Europaallee» ein neuer Stadtteil im Bau: Banken, die Pädagogische Hochschule, ein Einkaufszentrum sowie diverse kleinere Läden und Bars sind bereits eingezogen. Bis 2020 soll die Europaallee, deren grosskalibrige Bauten nicht unumstritten sind, fertig sein.

Gestern präsentierten Vertreter von SBB und Stadt Zürich nun den gemeinsam entwickelten privaten Gestaltungsplan für das Areal auf der anderen Seite der Gleise, entlang der Zollstrasse hin zum Kreis 5.

Bei dessen Entwicklung wurden auch Wünsche aus der Bevölkerung aufgenommen, wie Heike Isselhorst vom Stadtzürcher Hochbaudepartement auf Anfrage sagte: etwa der Wunsch nach belebten Erdgeschossen mit Bars, Restaurants und Läden; oder das Anliegen, Häuserschluchten zu vermeiden, indem die Gebäude keinen Riegel bilden, sondern vor- und zurückversetzt anzuordnen sind; zudem seien öffentliche Plätze und Durchgänge vorgesehen.

Im Plan eingezeichnet ist auch der Negrellisteg, eine Passerelle für Fussgänger und Velofahrer über das Gleisfeld. Die Stadt hatte das 30-Millionenprojekt vergangenen Sommer zurückgestellt, auch aus Kostengründen, wie es damals hiess. Stadtrat André Odermatt (SP) erklärte nun: «Der Negrellisteg ist immer noch im Finanzplan und im kommunalen Verkehrsplan enthalten.» Derzeit würden verschiedene Finanzierungsmodelle geprüft, so der Hochbauvorsteher weiter. Ob und wann der Negrellisteg gebaut werde, sei aber noch offen.

60 Prozent Eigentumswohnungen

Zu reden gab im Vorfeld auch die Art und Anzahl der Wohnungen, die entlang der Gleise entstehen sollen. In der Europaallee planen die SBB Wohnungen im gehobenen Preissegment. Eine ähnliche Entwicklung, die den Preisdruck aufs Quartier weiter erhöhen würde, befürchtete die Quartier-SP nun auch für den Kreis 5. Und dies, obwohl ein Teil des SBB-Areals an der Zollstrasse der gemeinnützigen Baugenossenschaft Kalkbreite übergeben wird. Die SP Kreis 5 forderte daher, dass 60 Prozent der Wohnungen mit einem gemeinnützigen Bauträger entstünden.

Diese Forderung bleibt im nun vorliegenden Gestaltungsplan unerfüllt: «Rund 40 Prozent der Wohnungen im Gebiet des gesamten Gestaltungsplans sind Mietwohnungen im gemeinnützigen Wohnungsbau», erklärte SBB-Sprecher Reto Schärli. Ansonsten seien Eigentumswohnungen geplant, «die zu Marktpreisen verkauft werden».

Insgesamt sollen auf dem gesamten Areal 140 Wohnungen entstehen. Die Wohnanteile in den vier Abschnitten vom Hauptbahnhof bis zur Langstrasse variieren stark: 0 Prozent direkt beim Hauptbahnhof, dann 70 Prozent, 60 Prozent - und im Genossenschaftsprojekt hin zur Langstrasse sind es 55 Prozent. Ein Mobilitätskonzept soll dort «autoarmes Wohnen» ermöglichen, wie es die Genossenschaft Kalkbreite bereits andernorts umsetzt.

Der Gestaltungsplan wird nun vom Stadtrat an den Gemeinderat überwiesen. Wenn keine Verzögerungen dazwischenkommen, sollen ab 2017 die Bagger auffahren.

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