Zürich
SP fordert: Nach Sekundarschule soll Übertritt an Maturitätsschulen ohne Prüfung stattfinden

Die SP fordert gleiche Chancen für den Zugang zum Gymnasium. Sie will auf die Prüfung für Kurzgymis verzichten.

Patrick Gut
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Die Vorbereitung auf die Gymiprüfung ist für viele Kinder ein Stress, und die Chancen sind ungleich verteilt.

Die Vorbereitung auf die Gymiprüfung ist für viele Kinder ein Stress, und die Chancen sind ungleich verteilt.

Themenbild: Keystone

Die mangelnde Chancengerechtigkeit beim Übertritt ins Gymnasium ist der SP schon lange ein Dorn im Auge. Kinder aus bildungsfernen Familien, deren Eltern sich teure Gymi-Vorbereitungskurse nicht leisten können, sind benachteiligt. Nun unterstützt die SP des Kantons Zürich eine Einzelinitiative von Peter Haberstich, die Abhilfe schaffen soll. Haberstich ist Mitglied der Bildungskommission der SP Kanton Zürich.

Der Initiant fordert im Anschluss an die Sekundarschule einen prüfungsfreien Übertritt an die Maturitätsschulen. Entscheidend für den Zugang zu den Angeboten soll statt einer Aufnahmeprüfung die Empfehlung durch den Lehrer oder die Lehrerin sein. Diese wiederum soll auf den Leistungen im Unterricht basieren.

Haberstich – und mit ihm die SP – wollen damit drei Dinge erreichen: Der prüfungsfreie Übertritt aus der Sek würde erstens die Chancengerechtigkeit erhöhen. Weniger Kinder würden den Weg via Langzeitgymnasium einschlagen und stattdessen die Sekundarschule wählen. Dies würde zweitens den Druck auf Kinder lindern, die heute schon ab der vierten Primarklasse auf das Langzeitgymnasium getrimmt würden. Drittens würde die Massnahme aus Sicht von Haberstich die öffentlichen Sekundarschulen stärken. Und zwar indem sie mehr Lerninhalte für die leistungsstarken und vielseitig interessierten Kinder anbieten würden.

Sind damit die Probleme beim Zugang zum Langzeitgymnasium gelöst? Haberstich verneint und sagt: «Eigentlich würde ich am liebsten das Langzeitgymnasium abschaffen. Diese Forderung hat politisch aber keine Chance.» Auch ein Verzicht auf die Prüfung für das Langzeitgymi hätte politisch einen schwierigen Stand. Ausserdem würde der Druck in der Primarschule dadurch noch grösser als jetzt schon. Der Initiant führt zusätzlich ins Feld, dass schweizweit schon heute mehr als zehn Kantone in der einen oder anderen Art positive Erfahrungen machen würden mit dem prüfungsfreien Übertritt in die Maturitätsschulen. Dazu gehören beide Basel, Aargau, Luzern, Zug, Solothurn, Uri, Ob- und Nidwalden.

Druck auf Lehrpersonen würde zunehmen

«Diese Initiative steht völlig quer in der Landschaft», sagt Dani Kachel, Präsident des Vereins der Sekundarlehrkräfte im Kanton Zürich (SekZH). Seit vier Jahren werde die Verordnung über die Aufnahme in die Mittelschulen überarbeitet. Man habe sie sehr breit diskutiert und jetzt eine tragfähige Lösung gefunden. Für die Aufnahme am Kurzgymi würden die beiden Fächer Deutsch und Mathematik geprüft. Die Aufnahmeprüfung werde dann gleich stark gewichtet, wie die Erfahrungsnoten aus den fünf Harmos-Schulfächern (Mathematik, Deutsch, Französisch, Englisch und Natur und Technik) .

Es könne nicht sein, dass die Aufnahme einzig von einer Empfehlung der Lehrperson oder den Erfahrungsnoten abhänge. «Beides würde den Druck auf die Lehrpersonen massiv erhöhen», sagt Kachel. Mit einer Aufnahmeprüfung wüssten die Schülerinnen und Schüler auch, worauf sie hinarbeiten. Kachel sieht in der Initiative weder einen Gewinn, was die Chancengerechtigkeit angeht, noch eine Stärkung der Sekundarschule.

Auf Vorbereitungskurse fokussieren

So sei fraglich, ob tatsächlich die Zugpferde unter den Kindern plötzlich die Sek statt das Langzeitgymi besuchen würden, nur weil sie nach der Sek keine Prüfung ablegen müssten. Denkbar sei im Gegenteil, dass es solche Schülerinnen und Schüler in der Sek zu locker nehmen würden.

Der Chancengerechtigkeit würde es laut Kachel helfen, wenn alle Schulen auf Primar- und Sek-Stufe Gymi-Vorbereitungskurse auf einem substanziellen Niveau anbieten würden. Diese Kurse würden momentan in die Hoheit der Gemeinden fallen. Ein Vorstoss, dies kantonal zu regeln und auch zu finanzieren, ist vor ein paar Jahren gescheitert. «Vielleicht sollten Peter Haberstich und die SP einen neuen Anlauf in diese Richtung unternehmen», sagt Kachel.