Zürich

«Sonst bleiben wir stehen»: Mehr Tempo bei Veloschnellroute gefordert

An vielen Knoten ist das Velonetz nicht durchgehend. (Archiv)

An vielen Knoten ist das Velonetz nicht durchgehend. (Archiv)

Die Förderung des Veloverkehrs im Kanton Zürich wird zu langsam umgesetzt, kritisiert Sonja Gehrig. Besonders bei der geplanten Schnellroute im Limmattal hofft sie auf eine rasche Umsetzung.

Ein lückenloses und sicheres Velonetz ist aus Sicht des Regierungsrats die entscheidende Voraussetzung, damit im Kanton Zürich mehr Menschen auf das Velo umsteigen. Dafür sei 2016 mit dem Velonetzplan die nötige Grundlage geschaffen worden.

Über 1200 Schwachstellen im Netz werden darin identifiziert, an über 200 Verkehrsknoten im Kanton fehle eine Veloinfrastruktur vollständig. Um diesen Umstand zu verbessern, investiert der Kanton gemäss Regierung jährlich mindestens 10 Millionen Franken (teuerungsbedingt rund 15 Millionen Franken) in die Umsetzung und Verbesserung des Radwegnetzes.

Die Auskünfte der Regierung zur Verbesserung des Veloverkehrs gehen auf eine Anfrage der Urdorfer GLP-Kantonsrätin Sonja Gehrig und zwei Mitunterzeichnern zurück. In seinem Gesamtverkehrskonzept 2018 hält der Regierungsrat fest, dass der Velo-Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen bis 2030 auf 8 Prozent steigen soll. Zum Vergleich: 2015 wurden 5,5 Prozent aller Strecken mit dem Velo zurückgelegt. Doch Gehrig monierte in ihrer Anfrage, dass dieses Ziel trotz einer absoluten Zunahme des Veloverkehrs bisher auf schlechtem Weg sei.

Deshalb wollte sie wissen, mit welchen Massnahmen die Regierung die Situation zu verbessern gedenkt und ob dafür genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stünden.

Eine wichtige Rolle im Ausbau des Veloverkehrs spielen auch die geplanten Veloschnellrouten im Glattal, Limmattal und in Winterthur. Das Limmattal nimmt bei dem Pilotprojekt eine zentrale Rolle ein: Die voraussichtlich 20 Millionen Franken teure Route von Dietikon nach Zürich soll als erste umgesetzt werden. Im Januar zeigte eine Kosten-Nutzen-Analyse, dass selbst im konservativsten Szenario jeder investierte zu sechs eingenommenen oder eingesparten Franken führen würde (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Wann die Veloschnellroute erstellt wird, steht noch nicht fest. «Sie soll endlich vorwärtsgebracht werden. Die Planungsgrundlagen sind erarbeitet, die Kosten-Nutzen-Analyse zeigt die Wirtschaftlichkeit. Es stellt sich also die Frage, wieso man da nicht schon weiter ist», sagt Gehrig. Ihre Kritik an der regierungsrätlichen Antwort ist im Unterschied zwischen Theorie und Praxis begründet.

«Wenn der Kanton seine Pläne nur halbherzig umsetzt, dann bleiben wir stehen», sagt sie. Das Problem liege in der Priorisierung bei konkreten Projekten, die oft zuungunsten des Velos erfolge. «Zudem ist die Kapazität für den motorisierten Individualverkehr im Kanton das Goldene Kalb.»

Unterstützung nach «Hol-Prinzip»

Das zeige sich auch bei der Unterstützung einzelner Gemeinden durch den Kanton, nach der Gehrig sich ebenfalls erkundigte. In seiner Antwort hebt der Regierungsrat Beratungsstellen wie die Koordinationsstelle Veloverkehr hervor, die unter anderem Hilfsmittel wie Merkblätter zur Routenplanung und Parkiersituation erstellt, und die «Impuls Mobilität», die kantonale Mobilitätsberatung.

«Bei vielen Projekten sind die Gemeinden zum Handeln aufgefordert. Für kantonale Unterstützung herrscht ein Hol-Prinzip und ich bin mir nicht sicher, ob alle Gemeinden überhaupt von diesen Angeboten wissen.» Deshalb könnten sie gemäss Gehrig aktiver darauf aufmerksam gemacht werden, dass beim Kanton viel Know-how vorhanden ist.

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