Baurekursgericht Zürich
Sommergewitter zerstört Sonnenstore - Hausbesitzer ist selber schuld

Seine defekte Sonnenstore muss ein Hausbesitzer aus der Region Winterthur selber ersetzen und bezahlen: Er hätte sie bereits vor, und nicht erst während eines Sommergewitters einziehen müssen, hält das Zürcher Baurekursgericht fest. Denn ein Unwetter kündige sich jeweils an.

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Der Mann hat seine Sonnenstore zu spät eingezogen, findet das Gericht. (Symbolbild)

Der Mann hat seine Sonnenstore zu spät eingezogen, findet das Gericht. (Symbolbild)

Keystone

Es war am Abend des 1. August 2017 gegen 18 Uhr, als in der Region Winterthur ein Gewitter aufzog. Für einen Hausbesitzer, der mit Freunden feierte, kam dieses völlig überraschend. Vor Gericht sprach er von einer "Superzelle", einem seltenen, aber heftigen Wetterphänomen.

Das Gewitter sei unüblich schnell und heftig aufgezogen, machte er geltend. Dies sei so rasch gegangen, dass nicht mehr die Zeit geblieben sei, alle vier ausgefahrenen Sonnenstoren aufzurollen. Die vierte und letzte Store ging an jenem Nationalfeiertag kaputt.

Dass er und seine Kollegen innert kürzester Zeit drei der vier Storen rechtzeitig vor dem Hagel hätten retten können, zeige, dass sie sofort und richtig reagiert hätten, befand er.

Hausbesitzer muss Wetterbericht hören

Die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) sah es aber anders und lehnte es ab, für den Schaden aufzukommen. Diesen Entscheid bestätigte nun auch das Zürcher Baugericht, wie einem am Donnerstag im Internet veröffentlichten Urteil zu entnehmen ist.

Während sich GVZ und Hausbesitzer noch darum stritten, welches Wetterphänomen am Ende den Schaden angerichtet hatte, liess das Gericht diese Frage offen. Es sei letztlich egal, ob nun Hagel oder Wind verantwortlich waren - der Hausbewohner hätte nämlich mit beidem "als potenziell schadensstifendem Ereignis rechnen müssen".

Dass sich der Mann vom Wetter überraschen liess, sei nicht nachvollziehbar, hält das Baurekursgericht fest. Am Vortag hätten die Prognosen von einer labil geschichteten Luft gesprochen, in der kräftige Gewitter möglich seien. Es könne von einem Hauseigentümer verlangt werden, dass er die Wetterberichte zumindest in den Grundzügen zur Kenntnis nehme, wenn er an heissen Sommertagen die Storen ausfahre.

Bereits vor dem Gewitter handeln

Zudem könne nicht davon ausgegangen werden, dass das Wetter praktisch von einer Sekunde auf die andere umgeschlagen habe, schreibt das Gericht weiter. "Eine Annäherung einer Gewitterzelle macht sich stets dadurch bemerkbar, dass die Sonne verdeckt wird und Wind aufkommt."

An jenem 1. August 2017 hätte der Hausbesitzer die Storen bei den ersten Gewitteranzeichen einfahren müssen, fasst das Baurekursgericht zusammen.

Der Mann habe aber erst gehandelt, als bereits Sturmböen und starker Regen aufgetreten waren. Dann sei ein Gewitter indes bereits im Gang, so das Gericht. Es könne deshalb "nicht mehr von einem rechtzeitigen Handeln, das heisst vor dem Gewitter, gesprochen werden".