Elektromobilität

Soll der Staat öffentliche Ladestationen fördern? Der Zürcher Regierungsrat hat seine Zweifel

EKZ-Pilotversuch in Schlieren: Die Zapfsäule wird «regelmässig genutzt».

EKZ-Pilotversuch in Schlieren: Die Zapfsäule wird «regelmässig genutzt».

Der Regierungsrat meint, die Förderung der Ladestationen sei «ausgeschlossen» und nicht als kantonale Aufgabe einzustufen.

Elektromobilität bewegt die Massen. Das zeigte sich nicht nur beim Formel-E-Rennen in Zürich am vergangenen Wochenende, als über 100'000 Menschen das Spektakel vor Ort verfolgten. Auch im Alltag gehören Elektrofahrzeuge zunehmend zum Strassenbild. Entsprechend kamen politische Vorstösse zum Thema Stromtankstellen auf. In seiner Antwort auf ein Postulat aus den Reihen von GLP, FDP und SVP hat der Zürcher Regierungsrat nun seine Haltung dazu formuliert.

Die Postulanten wollten wissen, was der Kanton tut, damit die Anzahl der öffentlich nutzbaren, von Privaten zur Verfügung gestellten Ladestationen für Elektroautos zunimmt. Die Regierung äussert sich zwar wohlwollend über die Elektromobilität, sofern der Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommt. Punkto Elektrotankstellen schreibt sie aber: «Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass solche Anlagen bei geeigneten Parkplätzen ihre Berechtigung haben, jedoch ist das Potenzial als bescheiden einzuschätzen.»

Eine finanzielle Beteiligung des Kantons sei «ausgeschlossen». Selbst die Finanzierung öffentlicher Ladestationen bei kantonalen Gebäuden sei «nicht als kantonale Aufgabe einzustufen». Und: «Grundsätzlich lehnt der Regierungsrat Ladestationen an Staatsstrassen aus Sicherheitsgründen ab.»

Für den Grossteil der infrage kommenden Verkehrsflächen seien ohnehin die Gemeinden zuständig. Ein Bedarf nach Elektro-Ladestationen bestehe vorwiegend bei publikumsintensiven und allenfalls touristisch relevanten Standorten. Hauptkriterium bei der Bewilligung seien Sicherheitsfragen.

Grundsätzlich ist die Errichtung und der Betrieb von E-Tankstellen gemäss Regierungsrat aber Sache der Privatwirtschaft, wie auch bei herkömmlichen Diesel- und Benzintankstellen. Ohnehin finde ein Grossteil der Ladevorgänge zu Hause oder am Arbeitsplatz statt.

Trotz dieser regierungsrätlichen Skepsis sind die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) auf dem Markt aktiv: Sie erneuern derzeit 20 eigene Elektrotankstellen. Nach der Erneuerung dauere eine Vollladung an diesen öffentlichen E-Tankstellen vier bis acht Stunden, schreibt der Regierungsrat. An der Schnellladestation der «My Stop»-Raststätte an der A 4 werde die Batterie in weniger als 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen. Ferner erbringen die EKZ beim Bau und Betrieb von Elektromobil-Ladestationen Dienstleistungen für Grundeigentümer, wie der Regierungsrat weiter festhält.

Zudem führen sie in Schlieren derzeit ein Pilotprojekt zum Aufladen von Elektroautos an Strassenlaternen durch. Die Ladestationen werden «gerade unter der Woche regelmässig genutzt», wie die EKZ gestern auf Anfrage mitteilten.

Generell halten die EKZ zum Thema Elektrotankstellen fest: «Wir glauben nicht, dass der Aufbau einer flächendeckenden öffentlichen (Langsam-)Lade-Infrastruktur nötig sein wird.» Schnellladestationen würden aber künftig auch wichtig für E-Lastwagen und -Busse oder für Taxis und Logistikdienstleister, die die Ladezeit minimieren müssen.

Was tun mit dem ABB-Geschenk?

Ähnlich wie die Kantonsregierung sieht sich auch der Zürcher Stadtrat eher weniger als Betreiber von E-Tankstellen: Als die Firma ABB der Stadt beim Formel-E-Rennen letztes Wochenende 30 Schnellladestationen schenkte, sagte der zuständige Stadtrat Michael Baumer (FDP): «Wir unterstützen ABB bei der Suche nach Standorten und Betreibern für die Ladestationen.» Städtische oder stadtnahe Betriebe wie die Elektrizitätswerke Zürich, Energie 360° und die Parking Zürich AG kämen als Betreiber der geschenkten Schnellladestationen aber durchaus infrage, ebenso Wohnbaugenossenschaften. Der Stadtrat wolle grundsätzlich E-Ladestationen an öffentlich zugänglichen Orten. Baumer hielt weiter fest: «Elektromobilität hat für die Zukunft des Verkehrs in Städten wie Zürich ein noch brach liegendes Potenzial.»

Dem pflichtet Reto Cavegn bei: «Die Nachfrage wird steigen», so der Geschäftsführer des TCS Zürich. «Aber man müsste sich auf ein einheitliches System einigen.» Bestehende Ladestationen seien noch zu häufig nicht mit allen E-Mobilen kompatibel.

Meistgesehen

Artboard 1