Walensee
Solarprojekt bei Landschaftsschützern und Geologen der Kritik

Das Argument der Umweltorganisationen gegen die geplante Solaranlage am Walensee ist bekannt: Das Areal des ehemaligen Steinbruchs Schnür ist im Perimeter des Bundes­Inventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung enthalten.

Patrizia Kuriger
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Im Gebiet des ehemaligen Steinbruchs Schnür ist mit Steinschlag zu rechnen.

Im Gebiet des ehemaligen Steinbruchs Schnür ist mit Steinschlag zu rechnen.

KEYSTONE

Ein Solarprojekt im Ausmass, wie es die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) und die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) planen, verschandele die schützenswerte Landschaft am Fusse der Churfirsten.

Die beiden Stromversorger wollen an der Felswand nördlich des Walensees ein Solarkraftwerk von rund 80 000 Quadratmetern Fläche realisieren. Für die Testanlage, die auf rund 8000 Quadratmeter Fläche angelegt ist, hat die Standortgemeinde Amden die Betriebsbewilligung erteilt. Die Anlage soll diesen Sommer gebaut werden. Und auch für die Rea­lisierung des Solarkraftwerks setzt Amden sich ein: Kürzlich beantragte sie dem Bundesrat, das Areal des ehemaligen Steinbruchs Schnür aus dem BLN­Perimeter zu entlassen.

«Vollkommen abwegig»

Das Projekt löst bei Björn Oddsson, promovierter Geologe am Departement Erdwissenschaften der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, grosses Kopfschütteln aus. Nicht nur aus Landschaftsschutzgründen. Die Montage und Befestigung der Solarpanels sei aufgrund der Beschaffenheit des Felsens «äusserst schwierig, wenn nicht gar unmöglich, und zudem lebensgefährlich». Wegen des Steinschlags sei eine Beschädigung einer solchen Anlage vorhersehbar und würde hohe Wartungskosten verursachen, argumentiert Oddsson.

Björn Oddssons Stimme hat ­Gewicht: Als ehemaliger Chef­geo­loge und Inhaber des privaten Beraterbüros des Steinbruchbetreibers, der Dr. Streiff AG in Rapperswil, hat er rund 20 Jahre lang den Steinbruch mehrmals jährlich für fachliche Abklärungen besucht. Wahrscheinlich kennt kein Fachmann den Steinbruch besser als er. Oddsson sagt: «Es ist meines Erachtens vollkommen abwegig, das Areal für den geplanten Zweck zu verwenden.»

Die EKZ betonen hingegen den Pioniercharakter des Projekts. Fragen zur Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit werden zurzeit in einem Vorprojekt untersucht. Die Testanlage, welche die EKZ und die SAK mit der ZHAW bauen, soll Erkenntnisse über Sonneneinstrahlung, Windverhältnisse und Reflexion des Sees bringen. Sie wird voraussichtlich im August im Steinbruch aufgebaut und während mindestens einem Jahr betrieben.