Entlang der Forchautostrasse hat das kantonale Tiefbauamt bei Zumikon die bestehende Lärmschutzwand erhöhen und sanieren müssen. Diese Arbeiten haben die Verantwortlichen dazu genutzt, die Anlage im Bereich «Leugrueb» auf einer Länge von rund 300 Metern auch gleich technisch weiter aufzurüsten; sie haben insbesondere auf einer Fläche von 564 Quadratmetern Solarzellen eingebaut.

Nach einem Jahr zieht Stefan Schmon, Projektleiter bei der Sektion Grossprojekte, eine positive Bilanz: «Bei sorgfältiger Planung lassen sich Lärmschutzwände auch für Photovoltaikanlagen nutzen.» Schmon spricht von einer «Win-win-Situation». Denn die Wände stehen ja ohnehin da; könnten sie gleichzeitig auch für die Stromproduktion genutzt wären, ergebe sich eine sinnvolle Zusatznutzung.

Die Sicht eines Vogels im Flug: Er nimmt die Fensterfront der Lärmschutzwand dank den Punkten wahr (linkes Bild). Mit etwas Distanz verschwinden die Punkte.

Die Sicht eines Vogels im Flug: Er nimmt die Fensterfront der Lärmschutzwand dank den Punkten wahr (linkes Bild). Mit etwas Distanz verschwinden die Punkte.

Der elektrische Jahresertrag der Anlage wird auf rund 90 Megawattstunden geschätzt. Das entspricht in etwa dem Jahresbedarf von 22 Haushalten. Laut der Publikation «Zürcher Umweltpraxis», die gestern erschienen ist, zeigt dieses Beispiel auf, was «die gezielte Nutzung verbauter Fläche zu Photovoltaikzwecken leisten könnte». Demnach bräuchte es pro Person zehn Quadratmeter Solarzellen, um einen Fünftel des Schweizer Jahresstrombedarfs mit Solarenergie abzudecken. Und alleine Strassen nehmen fast 100 Quadratmeter pro Kopf in Anspruch.

Es braucht lange Abschnitte

Doch natürlich lassen sich nicht alle Strassen mit Solaranlagen überbauen; und auch der Strassenrand ist nicht überall für den Einbau von Solarpanels geeignet. «Die Strassenabschnitte müssen gewisse Eigenschaften aufweisen», sagt Projektleiter Stefan Schmon.

Damit die Solaranlage wirtschaftlich interessant bleibt, darf das Strassenstück nicht zu abgelegen sein. «Ansonsten müssen zu viele Leitungen verlegt werden, was einfach zu teuer wird», sagt Schmon. Zudem muss der Abschnitt auch genügend lang sein, um potente Investoren anzuziehen. Der 300 Meter lange Abschnitt bei Zumikon erschien grossen Stromproduzenten zu klein. Die lokal verankerte Zürichsee Solarstrom AG, die in der Region verschiedene Kleinanlagen betreut, nahm das Angebot hingegen dankend an; sie finanzierte den Bau und ist nun für den Betrieb und Unterhalt verantwortlich. Den Strassenrand kann sie kostenlos nutzen, der Kanton verzichtet auf eine Nutzungsgebühr: «Es handelt sich um ein Pilotprojekt, wir wollen Erfahrungen sammeln», sagt Schmon.

Klare Sicht: die Landschaft kann vom Auto aus betrachtet werden.

Klare Sicht: die Landschaft kann vom Auto aus betrachtet werden.

Damit sich Solarzellen am Strassenrand rechnen, spielt auch die Ausrichtung der Strasse eine Rolle; idealerweise verläuft sie in Ost-West-Richtung, damit die Solarpanels am Strassenrand südlich ausgerichtet sind und tagsüber stets besonnt werden. Bei Zumikon sind die Anlagen zur optimalen Ausnützung der Sonnenstrahlen in einem 30-Grad-Winkel an die Lärmschutzwand angebaut. Diese Schräglage mindert auch die Reflexion- und Blendwirkung und unterstützt die Selbstreinigung durch Regenwasser.

Der Kanton will nun an weiteren geeigneten Standorten bei der Sanierung oder beim Neubau von Lärmschutzwänden Solaranlagen einbauen, wie Stefan Schmon sagt. Entlang der Oberlandautobahn ist dies bei Wangen auf einer Länge von rund einem Kilometer vorgesehen. Die Projektierung läuft, die Arbeiten sind für die Jahre 2016 oder 2017 geplant.

An der Forchautostrasse wartet die Wand, die über viele Glaselemente verfügt, mit weiteren Zusatzfunktionen auf. Damit die Fensterflächen den Vögeln nicht zum Verhängnis werden, hat das kantonale Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Sempach eine innovative Punkt-Lösung vorangetrieben. Die Scheiben sind mit einer Vielzahl von kleinen Punkten versehen, sodass die Vögel die Wand im Flug als Hindernis wahrnehmen. Aus einer gewissen Entfernung verschwinden diese Punkte – Anwohner haben durch die lediglich leicht getönt wirkende Scheibe über die Forchautostrasse hinweg freie Sicht ins Grüne (siehe Bilder).